Prof. Dr. Tatiana Crivelli Speciale


«Im Getriebe der Kultur.»

Professorin | Italienische Literaturwissenschaft |Romanistin

Laufbahn

1984 – 1989 Lizenziat in Italianistik, Philosophie und antropologischer Psychologie an der UZH
1989 – 1992Doktoratsstudium an der UZH, Università degli Studi di Padova (Italia), University of Chicago (USA)
1992 Dissertation: «G. Leopardi: Dissertazioni Filosofiche (1811-1812)»
1993 – 1996Assistentin und Lehrbeauftragte für Italienische Literatur an der ETHZ
1993 – 2000Lektorin, Lehrbeauftragte und Assistentin für Italienische Literatur an der UZH
2000Habilitation an der UZH im Fach Italienische Literaturwissenschaft: «Né Arturo, né Turpino, né la Tavola Rotonda: romanzi del secondo ‘700 italiano»
2001 – 2003SNF-Forschungsprojekt in Italien und Visiting Prof. an der University of Michigan (USA)
2003/2010Ausserordentliche / Ordentliche Professorin am Romanischen Seminar der UZH
seit 2015Präsidentin der Gleichstellungskommission der UZH

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Die Leidenschaft für die Literatur nährt sich aus dem Dialog mit den unterschiedlichsten Autorstimmen und bewegt sich auf einem an Genres und Epochen vielfältigen Gebiet, das manchmal entspannend manchmal schwierig ist und das bereits markierte Wege, Monumente aber auch noch nie zuvor begangene Pfade aufweist. Die Lehre an der Universität kann einerseits vom Besuch der Monumente nicht absehen, doch muss sie andererseits zur Entdeckung noch unbewanderter Routen aufrufen. Ignorierten Spuren folgen, die weg von den markierten Pfaden führen, stellt für mich eines der faszinierendsten Aspekte meiner Tätigkeit dar. Wenig bekannte Texte können sich als unabdingbare Rädchen in einem extrem komplexen und seit jeher funktionierenden kulturellen Getriebe erweisen.

Gab es in Ihrer Karriere besonders prägende Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Die Übergangsperioden waren sicher die schwierigsten, vor allem nach dem Doktorat und nach der Habilitation: du hast eine wichtige Etappe überwunden, doch das Ziel ist noch nicht in Sichtweite und man hat fast das Gefühl, dass jemand aus Spass dieses jedesmal ein bisschen weiter weg setzt. Bei einer Frau geht es auch darum, die eigene Existenz, in massgebenden Jahren für die eigene Biografie, zu orientieren, und sich mit bestimmten soziokulturellen Bedingtheiten abzufinden: Die Welt bereisen, um die nötige akademische Erfahrung zu sammeln oder vor Ort bleiben und eine Familie gründen, wie die Hälfte deiner Verwandtschaft es möchte (du bist schon fast dreissig, die biologische Uhr tickt!)? Deinen ersehnten Aufenthalt in der Toskana eingesperrt in einer Bibliothek verbringen oder einen Job finden, dessen Arbeitszeiten es dir erlauben, da du mal in Florenz bist, dich mit deinem Verlobten auf dem Ponte Vecchio fotografieren zu lassen?