Prof. Dr. Mareile Flitsch


«Wer sich nicht überzeugen lässt, sollte wenigstens verwirrt werden!»

Professorin | Technikethnologie, China | Ethnologin

Laufbahn

1978 – 1990 Studium der Ethnologie, Sinologie, Geographie und Volkskunde, WWU Münster, Paris III und Paris X, Liaoning-Universität in Shenyang (VR China), FU Berlin
1990Dissertation an der FU Berlin: «Der Ginsengkomplex in den han-chinesischen Erzähltraditionen des Jiliner Changbai-Gebietes»
2001 Habilitation an der FU Berlin: «Der Kang. Eine Studie zur materiellen Alltagskultur bäuerlicher Gehöfte in der Manjurei»
seit 2008Professorin für Ethnologie an der UZH und Direktorin des Völkerkundemuseums

Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Mit 10 Jahren habe ich beschlossen, Völkerkundlerin zu werden und wurde vom naturwissenschaftlich orientierten Rest der Familie darin nicht entmutigt. Die gute Ausbildung in Münster, Paris, Shenyang und Berlin habe ich zur Verwirklichung eines inneren Drangs nach Weiterforschen genutzt; ich lag dabei vom Ginsengkomplex über den chinesischen Hypokaust bis zu den Alltagstechniken Chinas immer neben dem Mainstream der Ethnologie. Eine wissenschaftliche Laufbahn habe ich mir lange nicht wirklich zugetraut, es bedurfte des Zuredens meines damaligen Mentors, Prof. Dr. Erling von Mende. Das Selbstvertrauen wuchs mit der Habilitation und einem Nachwuchsgruppenprojekt der VolkswagenStiftung.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Die UZH hat mich mit zwei Fachgebieten, Technikethnologie und Sino-Ethnologie, sowie mit der Direktion des Völkerkundemuseums betraut. Die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Verwirklichung für mich selbst wie auch für die mir anvertrauten wissenschaftlichen Mitarbeitenden übertreffen alles, was ich mir bislang vorstellen konnte.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben?

Li Wenrui, Wang Shiyuan, Jiang Fan und Han Xuefeng, die grossen Damen der lokalen Volkskunde in Nordost-China, die unbeirrbar im Wettlauf mit der Zeit das Alltagswissen von Bauern in Liaoning, Jilin und Heilongjiang dokumentiert haben, bevor die Moderne es verschluckte. V.S. Starikov und S.M. Shirokogoroff mit ihren bahnbrechenden Feldforschungen in der Manjurei (Nordost-China).

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Sich nicht beirren lassen! Selbstkritisch immer das zusätzlich lernen, was einem noch fehlt. Sich mutig an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wenden, deren Rat für den eigenen Werdegang wertvoll sein könnte. Regelmässig ein Arbeitstagebuch über die eigenen Wissensfortschritte führen. Früh anfangen, Ergebnisse kleiner Recherchen zu verfassen und bald auch zu publizieren.