1.4 Digitale Sounds: Hip-Hop, House, Techno, Electronica – eine kommentierte Playliste

KRAFTWERK: TRANS EUROPA EXPRESS (1977)
Kraftwerk gelten als Pioniere der elektronischen Musik und prägen bis heute weltweit Künstler aus unterschiedlichen Musikstilen. Mit Synthesizern, Hallgeräten und Verzerrern trieben sie die Philosophie der „musique concrète“ weiter und garnieren sie mit harmonischen Melodien.
„Trans Europe Express“ ist das Titelstück ihres gleichnamigen sechsten Albums. Die Band kreiert ihren Sound mit Synthesizern und elektronischem Schlagzeug, der Gesang wird durch einen Vocoder erzeugt und bleibt damit ausdruckslos mechanisch. Der Rapper Afrika Bambaataa liess sich vom Grundbeat des Songs beeinflussen und benutzte ihn als Basis für seine Hip-Hop-Single „Planet Rock“.12 (fe)

HARALD GROSSKOPF: SO WEIT SO GUT (1980)
Der Schlagzeuger von Klaus Schulze zeigt in seinem Solo-Debutalbum, dass er auch einen Moog bedienen kann und zur Produktion einer Ambient-Platte ganz im Stile der Berliner Schule fähig ist. Die ständigen Ostinati und die graduelle, schichtartige Progression in „So Weit So Gut“ verkörpern für mich das Ambiente der elektronischen Musik von Tangerine Dream oder Günter Schickert, allerdings mit dem Gebrauch echter Schlagzeugklänge und in reduzierter Tracklänge. (lb)

DEPECHE MODE: JUST CAN’T GET ENOUGH (1981)
Zu Beginn der Achtzigerjahre als Singleauskopplung ab Depeche Modes Debütalbum veröffentlicht, geschrieben von einem zwanzigjährigen Vince Clarke, markiert „Just Can’t Get Enough“ eine Rückkehr zu jenem popmusikalischen Gestus, den Gillett (bezogen auf den Rock ‘n’ Roll der Fünfziger) als „self-centered pleasure“ bezeichnet. Der kompakte, etwas mehr als dreiminütige Song mit seinem prägnanten Keyboardriff frönt textlich einem Ich-bezogenen Hedonismus, wie er typisch werden sollte für die Populärmusik des anbrechenden Jahrzehnts.34 (mf)

JUAN ATKINS: TECHNO CITY (1984)
Die Suburbs von Detroit. Drei junge Männer, Juan Atkins, Kevin Saunderson und Derrick May („The Belleville Three“). Die Grundelemente des Technos und ein Schlafzimmerlab. Das war der Anfang des anerkannten „Godfather of Techno“ Juan Atkins. Da seine Musik in den U.S. aber keinen Anklang fand, wechselte er den Kontinent und schickte ausgehend von London einen unvergesslichen Impuls in die Welt der Elektronischen Musik hinaus.5 (jas)

SLINT: BREADCRUMB TRAIL (1991)
Das 1991 erschienene Album „Spiderland“ der Chicagoer Band Slint wird gemeinhin mit der Geburtsstunde des Postrock gleichgesetzt – eine Art Gegenreaktion auf die traditionelle Rockmusik.6 Die instrumentale Besetzung der Postrock-Bands blieb zwar grösstenteils dieselbe, der Sound hingegen wandte sich weit experimentelleren Feldern zu.7 Der erste Track von „Spiderland“, „Breadcrumb Trail“, steht sinnbildlich für diese neue Musikrichtung, die auf viele Konventionen verzichtet; Der Song begibt sich stattdessen auf eine surrealistische Odyssee durch eine düstere Traumwelt. (kbr)

MASSIVE ATTACK: UNFINISHED SYMPATHY (1991)
Neue Technologien bilden neue Musikstilrichtungen: Massive Attack ist nur eine von zahlreichen Bands, die hier zu nennen wären. Die Band ist dem Trip-Hop zuzuordnen, einer elektronischen Stilrichtung, die an den Hip-Hop anknüpft. Langsame Tempi und melancholische Klänge bilden die Grundlage dieses Stils.8 Massive Attack mischt Elemente des Hip-Hop, des House, des R’n’B und des Dub und bildet daraus eine neue Form mit einer ganz eigenen Handschrift: entspannende Melodien, die zum Träumen anregen. (pl)

APHEX TWIN: PAC-MAN (ORIGINAL FULL VERSION) (1992)
Breakbeats: Hier wird der bekannte Pacman-Sound mit Breakbeats unterlegt. Die Originalmusik wird in ihre Einzelteile zerlegt und wieder neu zusammengesetzt. Einzelne Samples werden in Loops wiedergegeben; die zugrunde liegende Melodie wird nur bedingt verändert. Apex Twin arbeitet in diesem Lied mit einem sauberen 4/4-Takt, charakteristisch für die Breakbeats- / Electronica-Anfänge. (mj)

DR. DRE & SNOOP DOGG: NUTHIN’ BUT A ‘G’ THANG (1992)
Der Song „Nuthin’ But A ‘G’ Thang“ stammt vom US-amerikanischen Rapper Dr. Dre (feat. Snoop Dogg), erschien auf dessen Debütalbum „The Chronic“ (1992) und wird als erstklassiges Beispiel für das Album angesehen.
Dr. Dre gilt als Begründer des G-Funk, ein Stil des Hip-Hop, der in den frühen Neunzigern an der Westküste der Vereinigten Staaten entstand.In „Nuthin’ But A ‘G’ Thang“ wurden zudem die beiden Lieder „Uphill (Peace of Mind)“ von Kid Dynamite sowie „I Wanna Do Something Freaky to You“ von Leon Haywood gesampelt.91011 (bw)

PORTISHEAD: SOUR TIMES (1994)
„Sour Times“ erschien im Jahr 1994 auf dem Debüt-Album der Band aus Bristol. Portishead hängt seit Beginn ihres Schaffens eine gesteigerte Lust am Traurigen nach. Eine Konzertreview trägt den Titel: „For Portishead, It’s Always Sour Times“, natürlich mit der Anspielung auf die zweite Single der Gruppe um Geoff Barrow und Beth Gibbons. Die zutiefst schwermütige und doch engelsgleiche Stimme Gibbons, gepaart mit elektronischen Downbeats und natürlichem Bass- und Gitarrenspiel und Zeilen wie: „’Cause nobody loves me/It’s true/Not like you do“, stehen elementar für eine dunkle Spielart des gelegentlich Trip-Hop genannten Genres, welches sich durch die Vermischung von sehr langsamen Hip-Hop-Beats gepaart mit Elementen aus Funk und Soul und Dub auszeichnet. (the)

ARMAND VAN HELDEN: WITCHDOCTOR (1995)
Arman Van Helden veröffentlichte im Jahr 1995 fast ausschliesslich Relief inspierierten Sound. Songs wie Witchdoctor, mit seinen schmetternden Sirenenklängen, rauhen Trommeln und brüllenden vocals sind Zeugnisse der neuen Aggression in der Housemusik.12 (ys)

CROOKLYN DODGERS ’95: THE RETURN OF THE CROOKLYN DODGERS (1995)
Die Supergroup Crooklyn Dodgers, diesmal bestehend aus den MCs Chubb Rock, Masta Ace, O.C., Jeru da Damaja und DJ Premier liefert hier ein goldiges Musterbeispiel für einen guten Hip-Hop-Track. Der Beat besteht aus einem geloopten Jazz-Sample, darüber eine Sequenz aus Drum-Samples. Ganz im Stile von Primo besteht der Hook aus verschiedenen gescratchten Samples aus anderen Hip-Hop-Tracks. Die MCs rappen auf höherem Niveau, wie es im East Coast Hip-Hop der frühen 90er-Jahren üblich war. (lb)

ICE-T: I MUST STAND (1996)
Ice-T war Rapper der ersten Stunde. Als Hip-Hop-Pionier der Westküste wollte er sowohl schwarze wie auch weisse Musikhörer ansprechen um seine Platten verkaufen zu können. Trotzdem blieb Ice-T immer ein schwarzer Musiker, der schwarzen Hip-Hop veröffentlichte und dem Realness aber auch Crosscovern wichtig war. So coverte er beispielsweise Lieder wie „Superfly“ von Curtis Mayfield.13 (mwa)

MASSIVE ATTACK: TEARDROP (1998)
Die britische Band gilt als eine der stilbindenden Bands in Trip-Hop-Genre. Massive Attack beeinflusste dieses Genre sowohl mit ihrer anspruchsvoll konstruierten Musik, wie auch mit ihren Musikvideos. Im 1998 bekam das Video zu „Teardrop“, in dem ein singendes Kind im Mutterleib zu sehen ist, den Preis für das beste Video bei den „MTV Europe Music Awards“. (ma)

GLORIA ESTEFAN: OYE! (1998)
Nach der neuerlangten Popularität des Salsa knüpfte Gloria Estefan an die aktuellen musikalischen Entwicklungen der Discomusik an und kreierte aufgrund der Trends die neue Richtung des Latin-Pop14. Bereits die Kombination der Sprachen Englisch und Spanisch weist in Oye! auf die neue Mischform hin. Weiter wird der Popbeat mit bestimmten Elementen des Salsa, besonders mit typischen Riffs der Blasinstrumente unterlegt. Der Song stieg in den USA auf Platz Eins in die Charts auf. Damit war die Erfolgsbasis für weitere lateinamerikanische Sängerinnen wie beispielsweise Jennifer Lopez gelegt15. (jo)

DR. DRE: STILL D.R.E. (1999)
Auch wenn das Album 2001 nicht so zukunftsweisend war wie der Name im Jahre 1999 vielleicht noch suggeriert hatte, ging von ihm eine grosse Anziehungskraft aus. Das lag wohl am grossartigen Erstling Dres und auch daran, dass es die Gepflogenheiten des Gangstaraps pointiert wiedergeben konnte. Die Beats und die Produktion schlossen an die Qualität des
Vorgängers an, während die Qualität der Rapper eher belächelt wurde.22 Doch mit dem speziellen Rap-Stils Snoop Doggs, hat Dr. Dre zumindest auf diesem Track einen Hochkaräter als „Featuring-Artist“. Auch wenn dieser Track kein Meilenstein in der Rapgeschichte darstellt, so ist er doch ein perfekte Vertreter des Gangstarap-Genres. Am Ende ist es aber der Beat, der eine besondere Magie besitzt und so vergeht auch im Jahre 2014 kein Skilager, ohne dass der Track nicht mindestens einmal gespielt wird.

FATBOY SLIM: RIGHT HERE RIGHT NOW (1999)
Mit Songs wie „Right Here Right Now“ war Norman Cook, alias Fatboy Slim, massgeblich daran beteiligt, dass das elektronische Musik-Genre Big Beat Ende der 90er Jahre grosse Popularität erreichte. Typisch für das Big-Beat-Genre wird der Song von einem schweren Breakbeat getragen und enthält Synthesizer-Elemente. Mit der dramatischen Melodie des Samples entsteht dadurch ein kraftvoller und temporeicher Song.16 (gi)

FATBOY SLIM: WEAPON OF CHOICE (2001)
Berühmt ist dieser im Jahr 2001 erschienene Song hauptsächlich durch das dazugehörige Video geworden, musikalisch gesehen gehört er zur elektronischen Tanzmusik, die ihre Einflüsse aus z.B. Hip-Hop, Techno und House bezieht. In seinem Lied sampelte Fatboy Slim verschiedene Parts aus anderen Musiktracks, was in dem Genre gerne gemacht wird. Vorgetragen wird dies vom Funk-Sänger Bootsy Collins, dessen Stimme im Verlauf des Liedes zum Teil technisch vertieft wurde. Eine Technik, die in der elektronischen Musik gerne zum Zug kommt.1718(nana)

TALLA 2XLC: COME WITH ME (2002)
Talla 2XLC gilt als Pionier und einer der wichtigsten Vorläufer der kommerziellen deutschen und internationalen Techno/Trance-Szene. „Come with me“ ist ein typischer Technosong, da er mit Hilfe von elektronischen Geräten erzeugt wurde. Es ist ein eher rhythmusorientierter Tanzsong, der vor allem mit Synthesizer und Keyboard produziert wurde, was charakteristisch für den Techno-Stil ist. Der Text ist, wie es für diese Art von Musik kennzeichnend ist, von Ängsten vor der Zukunft geprägt.19 (jl)

2PAC: GHETTO GOSPEL (2004)
Auf seinem ersten Album „2Pacalypse“ (1991) thematisierte der Rapper Tupac Shakur, kurz 2Pac, das Ghettoleben und seine Probleme. Er verkörperte als einer der ersten Rapper das Bad-Boy-Image mit Songs wie „I’m a Soldier“ oder „I’m a Hustler“, wobei er gleichzeitig auch Themen wie die Diskriminierung, ansprach. Dies geschah besonders anhand seines berühmten (postum erschienenen) Songs „Ghetto Gospel“, welchen er an einen Hit von Elton John („Indian Sunset“)21 anlehnte. Er repräsentierte als einer der ersten den Aufstieg eines in armen Verhältnissen aufgewachsenen afroamerikanischen Jungen, der sich bis nach oben durchgekämpft hat, was fortan als Inspiration für weitere junge Rapper diente sich zu verwirklichen indem sie ihre eigene Sprache zum Ausdruck zu bringen, mit welcher sie sich identifizieren. (mw)


  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Trans-Europe_Express_%28song%29 (Abgerufen: 21.10.2013).
  2. http://www.allmusic.com/song/trans-europe-express-mt0012280373 (Abgerufen: 21.10.2013).
  3. http://songmeanings.com/songs/view/5807/ (Abgerufen: 20.10.13).
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/Just_Can%27t_Get_Enough_(Depeche_Mode_song) (Abgerufen: 20.10.13).
  5. Saphiro 2000.
  6. http://www.allmusic.com/style/post-rock-ma0000002790 (Abgerufen: 20.10.2013).
  7. http://www.allmusic.com/song/breadcrumb-trail-mt0008849294 (Abgerufen: 21.10.2013).
  8. http://en.wikipedia.org/wiki/Trip_hop (Abgerufen: 20.10.13).
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/G-Funk (Abgerufen: 21.10.2013).
  10. http://en.wikipedia.org/wiki/Nuthin%27_but_a_%27G%27_Thang (Abgerufen: 21.10.2013).
  11. http://www.allmusic.com/artist/dr-dre-mn0000805274/biography (Abgerufen: 21.10.2013).
  12. Shapiro, Peter (Ed.): Modulations. A History Of Electronic Music: Throbbing Words On Sounds. Caipirinha Productions in Assoc. with Distributed Art Publishers 2000; S. 78.
  13. Büsser 2013; S. 142f.
  14. Biography. Gloria Estefan. http://www.biography.com/people/gloria-estefan-9542436 (Abgerufen: 19.10.2013).
  15. Starr, Larry & Waterman, Christopher: American Popular Music. From ministrelsy to MP3. Third Edition. Oxford: University Press 2009; S. 462ff.
  16. http://en.wikipedia.org/wiki/Norman_Cook (Abgerufen 21.10.2013).
  17. http://de.wikipedia.org/wiki/Weapon_of_Choice (Abgerufen: 21.10.13).
  18. http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Beat (Abgerufen: 21.10.13).
  19. http://de.wikipedia.org/wiki/Talla_2XLC (Abgerufen: 21.10.2013). http://de.wikipedia.org/wiki/Techno#Die_Bezeichnung_.E2.80.9ETechno.E2.80.9C_in_den_1980er-Jahren (Abgerufen: 21.10.2013).
  20. http://en.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Gospel.
  21. http://www.allmusic.com/album/2001-mw0000040094 (Abgerufen: 14.06.2014).

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