1.2 Von Rock und Soul bis Punk – eine kommentierte Playliste

SOLOMON BURKE: IF YOU NEED ME (1963)
Soul: Solomon Burke zeigt in „If You Need Me“ die für den Soul charakteristische Mischung aus Gospel und Rhythm and Blues. Burkes starke Stimme steht im Kontrast zu den Backing-Vocals. Ab 00:42 kommen diese im Lied erstmals zur Geltung. Ab da beginnt das Spiel zwischen Solist und Chor, wobei Burke immer freier und virtuoser singt. (mj)

THE CRYSTALS: THEN HE KISSED ME (1963)
Die amerikanische „Girl Group“ The Crystals wurde von Produzent Phil Spector entdeckt und in den Himmel der Popcharts befördert, denn noch heute ist ihr Hit „Then He Kissed Me“ in the Top 500 des Rolling-Stone-Magazins und sie gelten mitunter als Favoritinnen des Girl-Group-Sounds der Sechziger. Als LaLa Brooks neu in der Band die Leadvocals übernahm, bekam die Band neue Energie und die dramatische Jugendromanze, die im Song erzählt wird, erreichte in den US Charts #6. In Grossbritannien wurde der Song ebenfalls in die Charts katapultiert (#2) und dies zu einer Zeit als britische Acts dominierten, bevor sie den Sprung in die USA machten. „Then He Kissed Me“ gilt in Grossbritannien zusammen mit dem Crystals-Hit „Da Doo Ron Ron“ als beliebtester amerikanischer Rock-’n‘-Roll-Song aus den Sechzigern, was sich an der grossen Anzahl an Covers zeigt.123 (sak)

TEMPTATIONS: MY GIRL (1964)
Als typische Vertreter der kultivierten „Motown Guy Groups“ wurden die Temptations vor allem durch ihre durchchoreographierten Auftritte bekannt. Ihre Songs wurden (charakteristisch für Motown Künstler) explizit für ein weisses, gebildetes Publikum geplant. Dadurch wurden erstens Crossovers in den Popmarkt ermöglicht und zweitens Covers von Weissen für Weisse vorgebeugt4 (lc)

THE WHO: MY GENERATION (1965)
The Who veröffentlichen im Sommer 1965 ihre Single „My Generation“ und katapultieren sich damit auf den zweiten Platz der Singlecharts. Der Song wurde dank seinem unverblümten Liedtext zur Hymne der damaligen Jugendkultur der Mods. Den Einfluss des Rhythm and Blues wird durch das „Call and Response“ Muster deutlich, mit dem der Leidtext gesungen wird: Auf den Call des Sängers antwortet die Band als Chor. Mit elektrischen Gitarren, Bass und Schlagzeug zelebrierten die vier Briten den typischen Rockbeat, der von den Beatles geprägt wurde. (fe)
My Generation erschien im Jahr 1965 als Vorab-Single und insgesamt dritte Single der britischen Rockband The Who. Einen Monat später erschien das gleich betitelte Debütalbum. Der Song beginnt mit gewohntem Beat, wie ihn auch die frühen Beatles spielten, der Text wird als „Call and Response“ vorgetragen: während Sänger Roger Daltrey stotternd – und damit die Unsicherheiten einer jungen Generation ausdrückend – jeweils einen ersten Teil des Verses singt, antworten dann Pete Townshend und John Entwistle als Background-Sänger. Zum einen der ersten Male wird auf starkes Gitarrenfeedback zurückgegriffen und kreiert so einen neuen Sound, der Grundstein für spätere Werke des Rock wird. (the)

BOB DYLAN: LIKE A ROLLING STONE (1965)
1965 auf dem Album „Highway 61 Revisited“ veröffentlicht, erhielt der Song bereits im Jahr seiner Veröffentlichung erstaunliche Beachtung, löste am Newport-Festival einen Skandal aus, landete auf Platz 2 der amerikanischen Charts. Dies erscheint zunächst nicht verwunderlich, war Dylan 1965 doch – zumindest was seine Alben betraf – bereits ein anerkannter Künstler mit Publikumserfolg und mehreren Platinumauszeichnungen in der Tasche. Was den Song jedoch bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass es sich, nicht wie für eine Rock-Single der Zeit üblich, um einen griffigen Dreiminuten-Song mit einem in der Rock-’n‘-Roll-Tradition verhafteten Text über Freud und Leid der Liebe handelt. Im Gegenteil: „Like A Rolling Stone“ erzählt über mehr als sechs Minuten eine Geschichte von Freiheit, Einsamkeit, vom Verlust der Heimat (in einem ganz materialistischen Sinne). Beispielhaft steht der Song für die Emanzipation der Rockmusik von ihren thematischen Schranken.567 (mf)

DIANA ROSS & THE SUPREMES: YOU CAN’T HURRY LOVE (1966)
In diesem 1966 erschienen Track geht es darum, dass eine Mutter ihrer Tochter den Rat gibt, dass man Liebe nicht erzwingen kann, sondern geduldig sein muss. Diese Lyrics entspringen höchstwahrscheinlich aus Gospel-Phrasen, welche im Soul und R’n’B einen grossen Einfluss fanden. Ausserdem setzt der Song auf treibende Rhythmen und einen eingängigen Gesang, der zum Tanzen einlädt, wie das vom Hörerpublikum der damaligen Zeit sehr geschätzt wurde.89 (nana)

JEFFERSON AIRPLANE: SOMEBODY TO LOVE (1966)
„Somebody To Love“ ist ein Lied von Grace Slick, welche zunächst die Sängerin der Band The Great Society war und dann später mitsamt dem Song zur Band Jefferson Airplane wechselte. Aufgenommen und veröffentlicht wurde der Song im Jahre 1966 in San Francisco, der Hauptstadt der Hippiekultur der 60er Jahre.
„Somebody To Love“ öffnet mit einem einschlägigen A-cappella-Schlachtruf von Grace Slick („When the truth is found!“). Danach bewegt er sich, durch seine klirrenden Gitarren und den coolen San-Francisco-Sound, mit einer Pop-Intensität und eindringlichen Lyrics („when the garden flowers baby are dead, yes, and your mind, your mind is so full of red“), welche essenziell für das Gefühl dieser Zeit waren1011. (mak)

BOB DYLAN: VISIONS OF JOHANNA (1966)
Im frühen Rock fingen die Musiker an ihre Musik selber zu schreiben und aufzuführen, denn dadurch konnten sie authentisch sein. Das Vorbild dieser Zeit war Bob Dylan. Er sah den Popsong als Medium für die Verarbeitung und Mitteilung individueller Erfahrungen, und begann Texte mit hohem literarischen Rang zu schreiben. „Visions of Johanna“ (1966) ist ein vielschichtiger Text, der von der Diskrepanz zwischen Realismus und Idealismus handelt, wobei der Idealismus in Johanna verkörpert wird. Am Ende des Songs erkennt der Sänger die Vergänglichkeit des Idealismus.1213 (ys)

SIMON AND GARFUNKEL: THE SOUND OF SILENCE (1966)
Die Originalversion von „The Sound of Silence“ bestand nur aus den Stimmen von Simon und Garfunkel, begleitet von akustischer Gitarre; bei der späteren, überarbeiteten und somit Folk-Rock-typischen Version kamen E-Gitarre, Bass und Schlagzeug dazu (Überarbeitung durch den Produzenten Wilson, der auch mit Bob Dylan gearbeitet hatte). Inhaltlich wendeten sich die Texte vom Teenage-Slang ab, hin komplexeren oder auch politischen Themen; dabei gilt Bob Dylan als einer der Vorreiter der Folksongs in Rockversionen, dessen Einfluss auf „The Sound of Silence“ Simon & Garfunkel auch gerne bekennen. (li)

THE BEATLES: STRAWBERRY FIELDS FOREVER (1967)
„Strawberry Fields Forever“ wurde von Lennon und McCartney geschrieben und 1967 herausgebracht. Es war eine der erfolgreichsten Veröffentlichungen der Beatles. Das Lied gilt als das psychedelische Lied schlechthin und ist deshalb exemplarisch für die Zeit der Rockmusik, in der viel experimentiert wurde, sowohl mit Musik als auch mit Drogen Im Songtext wird ein LSD-Trip beschrieben und diese Droge wird oft unzertrennbar mit der Zeit der psychedelischen Musik angesehen. (jl)

THE BEATLES: A DAY IN THE LIFE (1967)
Von John Lennon als „peak“ der Schaffensphase zwischen ihm und Paul McCartney bezeichnet, und vom Rolling Stone Magazine zum „Greatest Beatles Song“ gekürt, ist A Day in the Life bis heute eines der schillerndsten Lieder der Rockmusik.14 Dabei wurden zwei Song-Fragmente – das eine von Lennon, das andere von McCartney – zu einem Stück zusammengefügt, um eine Ganzheit zu kreieren, die grösser als nur die blosse Summe zweier Teile ist.15 Lennons verträumter, eher trübseliger erster Part von A Day in the Life wird nach einem dramatischen Intermezzo von McCartneys klarem Gesang abgelöst, der wiederum von verzerrten Piano- Trompeten- und Schlagzeugklängen unterbrochen wird, und schliesslich in einer einzigartigen Klimax endet. A Day in the Life ist als dramatischer Höhepunkt und Abschluss des Werks „Sgt. Peppers Lonely Heart Club Band“ charakteristisch für den neuen Ansatz, ein Konzeptalbum als ganzheitliche Einheit

SCOTT MCKENZIE: SAN FRANCISCO (BE SURE TO WEAR SOME FLOWERS IN YOUR HAIR) (1967)
„San Francisco (Be Sure To Wear Some Flowers In Your Hair)“ erschien am 10. Mai 1967 und erreichte den vierten Platz der US-Hitparade. Gesungen von Scott McKenzie blieb der Song ein One-Hit-Wonder, symbolisiert aber einen Meilenstein in der Musikgeschichte. Der Song ist ein Portrait der gesamten Flower-Power-Bewegung der ausgehenden 70er und verherrlicht die Hippie-Kultur: „For those who come to San Francisco / summertime will be a love-in there / in the streets of San Francisco / gentle people with flowers in their hair.“ Zudem fängt der Song die damalige Stimmung ein: „“All across the nation / such a strange vibration / people in motion.“ Denn die Jugend von damals („people in motion“) wandte sich mit einer grossen Experimentierfreude („such a strange vibration“) gegen den Mainstream und verbanden San Francisco als Schmelztiegel für Hippies, Psychedelic- und Folkrockbands untrennbar mit der Geschichte der Hippies.16171819

ALBERT AYLER QUARTET: TRUTH IS MACHING IN (1967)
New York zeichnet sich in den 1970 durch kreative Kunstschaffende aus, die die Strasse als Bühne nutzen. So entstand eine neue experimentelle Stimmung die anspornte und inspirierte, für die Recordlabels jedoch eine Schwierigkeit darstellte, da das Publikum nach experimentellen Künstlern verlangte. So entstand das 1962 neu gründete Independant Label „ESP Disk“, welches Albert Ayler, einen der wichtigsten Figur der Free-Jazz-Bewegung vertrat.20 (mwa)

ARETHA FRANKLIN: RESPECT (1967)
Die Sängerin begann ihre Karriere bereits in den 50er Jahren und schaffte erst, ein Jahrzehnt später, ihren kommerziellen Durchbruch mit Hits wie „I never loved a man“ (1967) und „Respect“ (1967). Die „Queen of Soul“ sang unter anderem mit James Brown, Elton John und George Michael, spielte selbst Piano, gründete ihr eigenes Label (Aretha’s Records) und veröffentlichte insgesamt 50 Alben. Vom Rolling Stones Magazine wurde sie zur Besten Sängerin aller Zeiten gewählt.21 (mw)

JIMI HENDRIX: PURPLE HAZE (1967)
Das ist Jimi Hendrix: Ein 1960er, der in seinen Texten Krieg und Drogen verarbeitet, einer der einflussreichsten Gitarristen der Musikgeschichte, der aus purer Intuition eine immense Menge an Sounds auf seiner Gitarre produziert, ein Virtuose unter den Rockmusikern mit einer ganz persönlichen und unverwechselbaren Signatur.22 (jas)

THE VELVET UNDERGROUND: HEROIN (1967)
Heroin stammt von The Velvet Undergrounds Debütalbum „The Velvet Underground & Nico“, das aufgrund des Covers auch als ‚Bananenalbum‘ bekannt ist und als ein Klassiker der Rockmusik gilt.
Zu seiner Zeit wurde das Album jedoch kaum beachtet – The Velvet Underground hatten ja auch so gar nichts mit der Love & Peace-Haltung der Hippies gemeinsam und waren zudem vom damaligen Rockideal weit entfernt. Vielmehr waren sie ihrer Zeit voraus, gelten, nicht zuletzt wegen ihrer desillusionierenden und provokanten Texte über Themen wie Drogenabhängigkeit (u.a. „Heroin“) und Sadomasochismus („Venus in Furs“), als wichtiger Vorreiter der Punks der Siebzieger- sowie vieler Indiebands der Achtziger-Jahre.2324 (bw)

LED ZEPPELIN: WHOLE LOTTA LOVE (1968)
„Whole lotta Love“ wurde die erste grosse Hit-Single von Led Zeppelin. Bekanntheit erlangte der Song durch seine charakteristischen Gitarren Riffs25 und dem verwendeten „backward echo“-Effekt.26 „Whole lotta Love“ ist einer der Songs, die sich immer wieder in den Top 100-Rock-Listen auf Platz 1 finden lassen. (sf)

ROLLING STONES: GIMME SHELTER (1969)
„“Gimme Shelter“ von den Rolling Stones widerspiegelt auf dramatische Weise die Angst vor einer Apokalypse und ist aufgrund der misslichen Weltlage typisch für seine Erscheinungszeit. Die Gesellschaft wird durch die Massenmedien tagtäglich mit Bildern des Vietnamkrieges, der Rassenunruhen oder der Studentenproteste konfrontiert. Die drastische Stimmung des Songs äussert sich nicht nur in den Lyrics, sondern auch in der Musik selbst. Der typisch rockige Delta-Blues-Sound der Band wird angereichert durch düster-dramatische Elemente, welche sich im Refrain steigern und dadurch noch wuchtiger und kraftvoller wirken. Zudem verleiht die Gastsängerin Merry Clayton mit ihrer lauten, kräftigen Stimme dem Refrain eine zusätzliche dramatische Steigerung.27 (gi)

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL: BAD MOON RISING (1969)
Die Musik von CCR, so auch „Bad Moon Rising“ (erschienen: 1969), bilden einen Mix aus Rock, Country, Blues und Southern-Elementen – auch Swamp Rock genannt. Achtet man ausschließlich auf die melodischen Aspekte des Liedes, könnte man fast meinen, „Bad Moon Rising“ sei ein Lied aus der Zeit des Rockabilly. Hört man sich jedoch die gesungenen Zeilen etwas genauer an, findet man ein typisches Merkmal der Rockmusik, nämlich die schweren, progressiven Themen, welche in den Lyrics behandelt werden. Zu Zeiten des Rock ‘n’ Rolls hätte es solche fast schon apokalyptischen Texte, bei einer so fröhlich klingenden Musik, nicht gegeben. Typisch Rock ist an diesem Lied also der Text, in der Melodie findet sich eher ein Revival der Rock-’n‘-Roll-Zeit, was jedoch gut darstellt, dass sich Rock aus Rock ‘n’ Roll entwickelt hat und wie die beiden Zeiten ineinander übergehen.282930 (Lh)

BLACK SABBATH: IRON MAN (1970)
Der Song wurde vom 1970 erschienenen Album „Paranoid“ ausgekoppelt und wird bis heute bei den Liveshows von Black Sabbath und Ozzy Osborne gespielt. Textlich handelt das Stück nicht vom Superhelden sondern beschäftigt sich mit Endzeitszenarien. Eingeleitet wird der Track durch ein stark verzerrtes gesprochenes „I am Iron Man“, bevor das charakteristische Riff auftaucht. Im Jahr 2000 erhielt die Band für den Song einen Grammy.31 (MR)

SANTANA: OYE COMO VA (1970)
Nach dem Durchbruch des Rock ‘n’ Roll differenzierte sich das Feld durch progressive Gitarrenvirtuosen wie Carlos Santana immer weiter aus. Mit seiner Combo, bestehend aus Musikern verschiedenster Nationalitäten, schuf Santana mit einer Mischung von Rockmusik und lateinamerikanischem Substream den Latin-Rock. „Oye como va“ zeigt diese Synthese besonders in der Instrumentalisierung durch die Kombination von klassischen Instrumenten einer Rockgruppe mit Elementen der lateinamerikanischen Perkussion32. Diese bildet die pulsierende Grundlage für den Song, da sie durchgehend zu hören ist, was übrigens auch das Tanzen des kubanischen Cha-Cha-Cha zu diesem Stück ermöglicht. Santanas Spiel erweitert und kontrastiert diese Basis, was den neu entstandenen Stil wiederum verdeutlicht. (jo)

JAMES TAYLOR & CAROLE KING: YOU’VE GOT A FRIEND (1971)
„You’ve Got A Friend“, gesungen von James Taylor, zeigt wunderbar, mit welchen stilistischen Elementen amerikanischer Folk-Rock arbeitet: Ehrlichkeit und Authentizität33. You’ve got a Friend kommt völlig ohne grosse Bühneninszenierung aus und erhält seinen Charme durch die ruhigen Stimmen Taylors und Kings. Taylor verkörpert das klassische „strumming-and-singing“ des Folk und ein zweiter Musiker begleitet ihn auf der elektrischen Gitarre, was dem Lied den von Covach und Flory bezeichneten „American music-style“ verleiht. Das Lied stammt aus der Feder von Carol King, welche Taylor nicht nur als Pianistin und Vocalistin begleitete, sondern eine eigene Version ihres Songs veröffentlichte34. (nw)

LED ZEPPELIN: STAIRWAY TO HEAVEN (1971)
Wie viele Led-Zeppelin-Songs war „Stairway To Heaven“ bis heute Gegenstand unzähliger pophistorischer Exegesen, technischer Untersuchungen und nicht zuletzt von Urheberrechts-Fragen. Der Song, oftmals als Kronjuwel des mystischen Albums „Led Zeppelin IV“ betitelt, hat eine Länge von mehr denn acht Minuten und ist in klar voneinander abgetrennte Abschnitte unterteilt; er wurde ganz bewusst für Livekonzerte konzipiert, wo er sich beliebig variieren und ausdehnen lässt. Mehr noch als die musikalische Komplexität, sind bis heute die Lyrics Gegenstand des Interesses. Es existieren ungezählte Interpretationsversuche. Grob umschrieben handelt der Song von spiritueller Erleuchtung, einem in diesem Jahrzehnt omnipräsenten Thema in der Lyrik der Popmusik. „Stairway To Heaven“ markiert, wenn nicht den Beginn so doch den ersten bedeutenden Wegpfeiler der Emanzipation der Popmusik vom Weltlichen, den Aufbruch des Pop ins Unendliche des Universums.353637. (mf)

MAGMA: RIAH SAHILTAAHK (1971)
Jazz-Fusion: Jazz und Brass Elemente werden mit Rock vermischt, das technische Beherrschen der Instrumente rückt nun auch in der Rockszene in den Vordergrund. Was daraus entsteht: Jazz-Fusion oder auch Jazz-Rock. Elektronische Geräte bekommen einen höheren Stellenwert, vor allem das Keyboard und der elektrische Bass. Um noch mehr psychedelische Elemente einfliessen zu lassen, kreierten Magma sogar eine eigene Sprache. (mj)

T-REX: GET IT ON (1971)
Obwohl Marc Bolans britische Band T-Rex mehr für ihren glamigen Rock bekannt waren, ist „Get It On“ für mich ein typischer Rock-’n‘-Roll-Track. Dies hat mit dem Chuck Berry Riff zu tun, wie auch mit der instrumentalen Besetzung, die an frühere Rock-’n‘-Roll-Beispiele erinnert. (lb)

DEEP PURPLE: SMOKE ON THE WATER (1972)
Selbst diejenigen, denen der Titel des Songs auf den ersten Blick nichts sagt, werden spätestens wenn sie das charakteristische Gitarrenriff hören, wissend mit dem Kopf nicken: Ja, das Lied kenne ich.
„Smoke On The Water“ ist ein Vertreter des Hard Rocks. Typisch für dieses Genre sind der 4/4-Takt und das Liedschema von Strophe, Zwischenspiel und Refrain, was in dem Song auch so vorzufinden ist. Des Weiteren enthalten viele Stücke ein Solo, im Fall von „Smoke On The Water“ ist es das E-Gitarrensolo von Ritchie Blackmore und am Ende des Stückes das Orgelsolo von Jon Lord.
Deep Purple’s „Smoke On The Water“ ist auch heute noch populär und wird in vielen Listen aufgeführt, wie beispielsweise in jener des Rolling Stone: The 500 Greatest Songs of All Time.38 (dm)

DAVID BOWIE: ZIGGY STARDUST (1972)
David Bowie inszenierte 1972 mit seinem Alter Ego Ziggy Stardust eine Kunstfigur, welche die ästhetischen Merkmale des Glamrocks der 70er Jahre perfekt zur Geltung bringt. Ziggy Stardust ist ein Gesamtkunstwerk: Bowie experimentiert nicht nur mit Klängen, sondern auch mit visuellen Reizen. So widersetzt sich Ziggy Stardust provokativ de gängigen Schönheitsvorstellungen und reizt mit Bühnenoutfits und Makeup Genderkonventionen aus39. Ziggy Stardust, sowohl als Kunstfigur, als auch als Song („Making love with his ego, Ziggy sucked up into his mind“) treibet das für den Glamrock bezeichnende Spiel mit verschiedenen Identitäten gekonnt auf die Spitze40. (nw)

STEVIE WONDER: SUPERSTITION (1972)
Stevie Wonders Musik ist ein brodelnder Kochtopf aus Funk, Soul, Jazz, Reggae und Rock ‘n’ Roll, der durch sein Dampfen Lebensfreude in jedem Raum ausbreitet. Rassistische, spirituelle oder soziale Probleme mit denen er in seinem Leben konfrontiert wurde, löste er mit Hilfe seiner positiven Musik. Durch Vervielfachen seiner Stimme anhand des Synthesizers, erschien der Mann als Band in einer einzigen Person. So revolutionierte er den R&B der 70er Jahre. Stevie Wonder: Ein Pionier und eine weitaus geliebte Ikone.41 (jas)

WAR: LOW RIDER (1975)
Rock, Soul und eine Prise Funk vereinen sich in diesem Lied. Afroamerikanische Rhythmus-Einflüsse mischen sich hier mit funkigen Bass- und Gitarrenklängen. War ist eine Band, die ihre Musik aus den unterschiedlichsten Quellen schöpft. Inhaltlich gesehen spricht der Song klar die kalifornische Kultur der 60er und 70er Jahre an. Einerseits probiert sich War mit ihren Texten mit gesellschaftspolitischen Zuständen auseinanderzusetzen und so an den Zeitgeist anzuknüpfen. Andererseits erzeugen sie mit ihren Melodien eine entspannte, lockere Atmosphäre. Die Hybridformen in Wars Musik sind typisch für die Musikströmung zu dieser Zeit.42 (pl)

PINK FLOYD: WISH YOU WERE HERE (1975)
Mit „Wish you were here“ gelang Pink Floyd wohl eines ihrer stimmungsvollsten Songs. Nach dem Rauschen eines Radios, verlorenen sprechenden Stimmen und dem Aufblitzen eines Schnipsels von Tschaikowskis vierter Symphonie50, erklingt eine folkig klingende Gitarre.
„Wish you were here“ ist ein Song, der oft als Liebeslied missverstanden wurde. In Wirklichkeit ist das Lied aber dem ehemaligen Bandmitglied Syd Barrett gewidmet. Barrett musste aus der Band ausgeschlossen werden, weil er durch seinen Drogenkonsum irgendwo in einer Zwischenwelt hängengeblieben war.51
Dieses Gewahrwerden der Kehrseite von Drogen ist bezeichnend für die Zeit um 1975, als sich die Träume der Hippies mit der Realität abzugleichen begannen. Doch am Ende ist der Song vielleicht trotzdem ein Liebeslied, weil er einen Schmerz ausdrückt, den man nur haben kann, wenn das Fehlen eines geliebten Menschen unerträglich wird.

BOSTON: MORE THAN A FEELING (1976)
1976 erschien dieser Track und überzeugt mit schöner elektrischer Gitarrenmusik, begleitet von einer Bass-Gitarre und einem Schlagzeug. Es besteht aus einer typischen, aber sehr eingängigen Vers-Refrain-Form, die man im Genre des Rocks oft findet. Rock-Musik wird oft mit weissen Musikern assoziiert, was sie vom vorgängigen, von der Black Music abstammenden, Genre des R’n’B unterscheidet. 43 (nana)

ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA: MR. BLUE SKY (1976)
„Mr. Blue Sky“ ist ein Song der britischen Rockband Electric Light Orchestra, welcher 1976 in der Schweiz nach einer langen Regenperiode geschrieben und im selben Jahr veröffentlicht wurde. Die Band wurde in den 70er Jahren oft mit dem Vorwurf zurückgewiesen, lediglich ein Imitat der Beatles in ihrer psychedelischen Zeit zu sein.
Obwohl diese Spuren tatsächlich nachweisbar sind, gehörte Electric Light Orchestra zum 70er-Progressiv Rock, welcher populäre Genres wie Rock- und Popmusik, Blues und Rock & Roll aufgriff und um stilistische Merkmale anderer Musikgattungen erweiterte. In Mr. Blue Sky mixt die Band Chor-Gesänge, Streicher, Overdub-Stimmen und wummernde Piano-Klänge in eine mit Sorgfalt arrangierte Pop-Symphonie welche zu einem Top-40 Hit in den USA der 70er Jahre wurde.4445. (mak)

PINK FLOYD: ANOTHER BRICK IN THE WALL, PT. 2 (1979)
„Another Brick in the Wall, Part 2“, veröffentlicht am 23. November 1979, ist der zweite Teil der Song-Trilogie „Another Brick in the Wall“ der Britischen Rockband Pink Floyd. Das Album The Wall wurde Synonym für so genannte Konzept-Alben, d.h. in sich geschlossene Kunstwerke, bei denen jeder Song inhaltlich auf dem anderen aufbaut. Jeder der drei Teile von Another Brick in the Wall hat eine ähnliche Melodie, thematisiert jedoch unterschiedliche Themen und steigert sich von Traurigkeit im ersten, zum Protest im zweiten bis hin zur Rage im dritten Teil. Hauptkritikpunkt von Part 2 war das rigide Schulsystem in Grossbritannien und die damit verbundene Konformität: In einem apokalyptischen Big-Brother-Szenario wird eine fremdgesteuerte Gesellschaft dargestellt, in der das Individuum zur Maschine geworden war. Doch das Album The Wall markierte auch den Endpunkt der Progressiv-Ära – Punk war einfach nicht als Rocktheater gedacht.4647. (el)

FUNKADELIC: (NOT JUST) KNEE DEEP (1979)
Dieser Track von der legendären Gruppe Funkadelic verkörpert den gesamten Funk von George Clinton in einem Disco-artigen Groove. Alles von der groovigen Synthesizer-Bassline, tanzbare Grundrhythmik bis hin zu den vom Jazz beeinflussten Klavierakkordabfolgen machen diesen Track zu einem Musterbeispiel für Funk. De La Soul’s Prince Paul würde zehn Jahre später den Track für „Me Myself and I“ sampeln. (lb)

DIRE STRAITS: MONEY FOR NOTHING (1985)
Inspiriert wurde der Song „Money for Nothing“ von einer Konversation zweier Straßenarbeiter, welche Mark Knopfler, Kopf der britischen Band Dire Straits, 1985 zufällig mitgehört hatte. Darin geht es um die „Schwuchteln auf MTV“, welche ihr „Geld für nix“ bekämen (den Song schrieb er auf ein Stück Papier, welches er vom Restaurant ausleihen musste). MTV startete im Jahre 1981 in Amerika und prägte die Musikindustrie nachhaltig. Ironischerweise hatte genau dieser Song, welcher als Seitenhieb auf das Musik- und Mediengeschäft gedacht war, das erste komplett computeranimierte Video, welches zu dieser Zeit als bahnbrechend betrachtet wurde und als erstes Video auf dem 1987 aufgeschalteten MTV Europe gezeigt wurde.4849 (mak)

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  48. http://de.wikipedia.org/wiki/Money_for_Nothing (Abgerufen: 18.10.13).
  49. http://de.wikipedia.org/wiki/MTV (Abgerufen: 18.10.13).
  50. http://de.wikipedia.org/wiki/Wish_You_Were_Here_(Lied) (Abgerufen 18.6.14).
  51. http://www.allmusic.com/song/wish-you-were-here-mt0042077832 (Abgerufen 18.6.14).

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