XTC: All Along The Watchtower

XTC - White Music (1978)

XTC – White Music (1978)

Das ist doch das Lied von Jimmi Hendrix? Nein, Pearl Jam! Oder doch Eric Clapton? – Stimmt alles, aber das Original stammt von Bob Dylan aus dem Jahr 1967 und XTC haben es 1978, elf Jahre später, auf ihrem Debütalbum „White Music“ auch gecovert. Und wie!

Statt der ursprünglichen 2:31 Minuten haben XTC die Länge des Lieds1 mehr als verdoppelt. Mit schwummrig-verzerrten Keys angefangen, welche an eine Hammond-Orgel erinnern, kommt die Melodie zum Vorschein. Dann wird die originale Bassline mit einem schon fast funkigen Rhythmus versetzt. Und natürlich darf bei einem Dylan-Cover die Mundharmonika nicht fehlen. Doch das Tüpfelchen auf dem I ist der Gesang von Andy Partridge. Er macht Dylan alle Ehre (oder eben nicht), in dem er dessen „Anti-Belcanto“2 parodiert. Da ist zum einen Dylans Markenzeichen, den Ton nicht halten zu wollen, zum anderen mischt Partrigde abgehackte Wörter, lässt ganze Silben weg und zum Schluss erinnert der Gesang mehr an Lautmalerei als an den Originaltext und die dazugehörige Melodie. Ein „All Allong The Watchtower“ ist nur noch als „A Ooo Aa Tsch Tsch Oo“ zu erkennen. Ab Mitte des Liedes leitet dann der Synthesizer mit einem disharmonischen Klangteppich den noch „freien“ Teil ein. Zum stotternden Keyboard und Gesang spielt der Bass nur noch einzelne Töne und das Schlagzeug reduziert den Rhythmus auf ein Minimum.

XTC zeigten mit ihrem ersten Album3 und vor allem mit diesem Lied4, ihre Fähigkeit mit Musik zu spielen. Ironie und Kritik gehören da genauso dazu, wie das verwischen verschiedener Genres. (mj)

Zum Vergleich noch Dylans Original:


Frank Zappa – Dancin‘ Fool (1979)

Zappa - Dancin'FoolWäre Frank Zappa Koch gewesen, würde Gordon Ramsay heute vermutlich Dönerreste aus altem Frittenfett puhlen. Zum einen weil er quer durch E- und  U-Musik hindurchkomponierte und sich stilistisch keine Grenzen setzte, zum andern weil er sowohl rhythmisch wie auch tonal gesehen zu den absoluten Innovatoren der Musik des 20. Jahrhunderts gezählt werden muss – einer, der immer wieder bis dahin Ungehörtes in seine Musik einbaute[1][2]. Eine der wenigen Konstanten, die immer wieder auftaucht, ist sein ironischer, mitunter auch beissender Humor[3]. Ein gutes Beispiel ist das Lied Dancin‘ Fool[4], welches als Single von seinem ´79er Album „Sheik Yerbouti“ ausgekoppelt wurde. Inhaltlich dreht sich das Lied um seine Abneigung gegenüber der Disco Kultur der 70er Jahre, genauer gesagt um das Tanzen. Der Hauptcharakter im Text weiss zwar dass er nicht tanzen kann, tut es aber trotzdem, was im Text unter anderem als „social suicide“ bezeichnet wird. An anderer Stelle singt Zappa „the beat goes on and I’m so wrong“[5]. Zusätzlich werden weitere Aspekte auf die Schippe genommen, beispielsweise wird im Text beschrieben, wie Stolz der Hauptcharakter auf seine Kleidung und seine Schuhe ist und wie er vollkommen der Konformität der Discobewegung entspricht. Am Ende des Songs besingt Frank Zappa seine Abneigung gegenüber Männern, die sich für unwiderstehlich halten, indem er beschreibt, wie der Hauptcharakter eine Frau nach Hause nimmt. Um das ganze abzurunden, ist der Song rhythmisch und ästhetisch wie ein typischer Discosong gehalten. Im ersten Moment klingt das Lied nicht im Geringsten wie eine Persiflage. Erst mit beginnendem Text und später auch mit dem überdrehten Einsatz Disco-typischer Elemente wird der überaus ironische Zugang von Frank Zappa zur Discomusik der 1970er Jahre erkennbar[5][6].
(MR)

 

Quellen:
[1]http://en.wikipedia.org/wiki/Zappa,_Frank (Wikipedia Frank Zappa, abgerufen 08.12.2013)
[2]Brackett, Nathan; Hoard, Christian, eds. (2004), The New Rolling Stone Album Guide: Completely Revised and Updated 4th Edition, New York, NY: Fireside, p. 903, ISBN 0-7432-0169-8.    
[3]The National Recording Registry 2005, National Recording Preservation Board, The Library of Congress, May 24, 2005.
[4]http://www.youtube.com/watch?v=1p_Yw2T3YUI (Youtube – Dancin‘ Fool)
[5]http://en.wikipedia.org/wiki/Dancin’_Fool (Wikipedia Dancin’ Fool, abgerufen 08.12.2013)
[6]http://www.lyricsfreak.com/f/frank+zappa/dancin+fool_20056815.html (Lyrics, abgerufen 08.12.2013)

Falco: Rock me Amadeus – Video (1985)

Die schwarze Kutsche fährt vor die barocken Tore eines Wiener Palais. Die Tür öffnet sich, ein Gentleman im Smoking steigt aus. Er wird von edlen Damen und Herren in schicker Rokoko-Kleidung mit freundlichen Hofknicksen empfangen. Der Herr im Smoking ist der Wiener Superstar Falco. Doch die Menge wartet auf einen noch viel größeren „Rockstar“: Wolfgang Amadeus Mozart.

Dieser vergnügt sich, mit bunter Perücke bestückt und kaugummikauend, lieber mit harten Biker-Typen in Lederjacken in der Kneipe um die Ecke statt der tobenden Menge eine Audienz zu gewähren. Während Falco als Platzhalter für den wahren „Punk“[1]dient, verteilt dieser leere Blätter an das Publikum, das in Ekstase darauf Noten zu erkennen scheint und in seinem Rausch den göttlichen Amadeus mit einem brüllenden Chor lobpreist.

Zum Schluss fährt Mozarts „Gang“ zwar in den Palais ein, der eigentliche Star glänzt aber weiterhin mit Abwesenheit. Während sich die barocke Gesellschaft mit den Rockern mischt und sich einem Rausch zweier verdrehter Jahrhunderte hingibt, setzt Falco sein Lied, von der feiernden Menge unbeachtet und in den Hintergrund gedrängt, bis zum Ende fort.

Das Video zum Lied „Rock me Amadeus“ wurde 1985 von den Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher produziert. Falco spielt darin eine Doppelrolle: Zum einen verkörpert er den Wolfgang Amadeus Mozart des 20. Jahrhunderts und den modernen Falco im Smoking in einer Art Rokoko-Zeit.[2] Der Song basiert lose auf den Film „Amadeus“ von Milos Forman, der 1984 erschien und eine wahre „Mozart-als-Rockstar“ -Hysterie in Wien auslöste. Einerseits parodiert Falco in seinem Song diese Neubetrachtung des Wunderkindes der klassischen Musik, andererseits nimmt er auch seine eigene kometenhafte Karriere und den Kult um seine eigene Person auf die Schippe. „Rock me Amadeus“ war das erste und bislang einzige deutschsprachige Lied, das sowohl in den amerikanischen Billboard Charts als auch in den britischen UK Top 40 die Spitzenplatzierung erreicht hatte.[3]

(mak)


Quellen:

[1] lyricsfreak: http://www.lyricsfreak.com/f/falco/rock+me+amadeus_20052765.html (abgerufen am 20.11.13)

[2] Falco wird Weltstar: http://www.falco.at/index.php option=com_content&view=article&id=62&Itemid=74 (abgerufen am 20.11.13)

[3] Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Rock_Me_Amadeus (abgerufen am 20.11.13)

Stereolab – Peng! (1992)

Stereolab – Peng!

Mit ihrem ersten Studioalbum „Peng!“ kreiert die britische Band Stereolab auf spielerische Art und Weise eine einzigartige Form von experimenteller Popmusik. Bei der Verbindung verschiedener Musikstile beziehen sie Elemente der Popmusik aus den 60er-Jahren, des Krautrocks, des Dream Pops und der Lounge Musik mit ein. [1]

Beispielhaft für das Album „Peng!“ ist der Song „Perversion“, welcher einen schweren Dance-Beat mit Gitarrenriffs von Velvet Underground und einer Beach Boys-Harmonie vereint. [2]

Der historisch-utopische Bezug zur Musik, den die Band herstellt, erklärt, weshalb sie auch als ultimative Plattenkollektion-Rocker bezeichnet werden. Das Sammeln von Musik scheint für sie die gleiche Bedeutung zu haben, wie die Welt zu retten und an diesem Punkt lässt sich die Ironie in ihrer Haltung zur Musik herauslesen. Die Band fasziniert sich für den Optimismus für die Zukunft und die unbegrenzten Möglichkeiten, welche sich in der Musik der 60er Jahre widerspiegelten. Zugleich beziehen sie sich selbst jedoch in ihrem Musikschaffen auf die Vergangenheit, weil ihre Möglichkeiten keineswegs mehr unbegrenzt sind. [3]

Ein weiterer ironischer Aspekt an der Rückbesinnung zu älteren Musikstilen von Stereolab ist die Tatsache, dass ihr experimenteller Sound des Albums „Peng!“ sich dennoch futuristisch anhört. [4] Somit erfüllen sie in gewisser Weise selbst den optimistischen und hoffnungsvollen Zweck der Musik, den sie an ihrer Plattensammlung so schätzen.

(gi)

Quellen:

[1]+[2] Phares, Heather: Review Peng!-Stereolab. Allmusic. URL: http://www.allmusic.com/album/peng!-mw0000177293 (Abgerufen: 18.11.2013)

[3]+[4] Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 149-150.

 

(Ironie der) Anti-Ironie: The Reivers (Zeitgeist) – „Translate Slowly“ (1985)

Was lief schief? Obwohl plötzlich aus dem Nichts eine Welle von neuen Bands aus Austin anrollte und MTV und die „Rolling Stone“ prompt rechtzeitig vor Ort waren, um einen potentiellen musikalischen Tsunami von Geburt an zu dokumentieren, brach die Welle an den Klippen des Mainstreams. 0000455450_500Die erfolgreichste Austin Band war The Reivers (1987 wegen einem rechtlichen Konflikt mit einem Namensvetter von Zeitgeist in The Reivers umbenannt). Diese Bands werden der Strömung ‚New Sincerety’ zugeordnet, die sich gegen die ironischen bis zynischen Ansichten der damals prominenten Musikgenres wie Punkrock und New Wave wandte. The Reivers erstes Album „Translate Slowly“ ist ein Amalgam von Rock, Folk und Jangle Pop mit einem Hauch von Alternative. Spätestens bei der stilistischen Zusammensetzung jedoch, klingeln die Glocken wacher Sinne, denn die Anti-Ironie verweist in ihrem musikalischen Rückgriff trotz ihrer Kritik an der postmodernen Ironie  auf die Popmelodien der 60er Jahre – eine Art Ironie der Anti-Ironie also.

Während der Gitarren-Sound in „Translate Slowly“ die Grundmelodie untermauert, kreiert das Schlagzeug in einer hektischen Manier einen eigenen Stil, der The Reivers von anderen Bands unterscheiden lässt. Die Songtexte gleichen literarischen Verweisen eines Anglistik Studenten und sind in gewisser Hinsicht impressionistisch – gleichermassen poetisch, amüsant und ernst. Es wird aber stets gemieden, eine gradlinige Geschichte in den Songs zu erzählen, stattdessen wird ein Ansatz verfolgt, der aufrütteln soll (vgl. „Freight Train Rain“ oder „Cowboys“). Es scheint, als ob The Reivers die Fangstellen des Folkrocks-Revivals umschifft und die Musik mit ihren eigenen Ideen geflutet haben. Trotzdem hat die Band mit keinem ihrer vier Alben kommerziellen Erfolg erreicht. Es spricht vieles dafür, dass die Ziele der ‚New Sincerety’ Bewegung, die in gewisser Hinsicht stark wie ein Rückgriff auf die Hippie-Ästhetik der 60er Jahre erinnert, nicht mit Kommerz vereinbar sind. Wie Ralf von Appen (Musikwissenschaftler an der Universität Giessen) vermutet, spielt bei kommerziell erfolgreichen Popstars die Authentizität gar keine so grosse Rolle.1 Wenn aber doch, könnte man ja Echtheit immer noch inszenieren, damit aus „turn off your mind, relax, and float downstream2,” „turn off your mind, relax, and float mainstream,” wird. (el)


Literaturhinweise:

  1. 80music.about.com: http://80music.about.com/b/2013/02/03/this-weeks-forgotten-gem-of-the-80s-the-reivers-formerly-zeitgeist-cowboys.htm (Abgerufen: 19.11.13)
  2. Allmusic.com: http://www.allmusic.com/artist/the-reivers-mn0000419947 (Abgerufen: 19.11.13)
  3. Covach, John: The Hippie Aesthetic: Cultural Positioning and Musical Ambition in Early Progressive Rock. http://www-3.unipv.it/britishrock1966-1976/testien/cov2en.htm (Abgerufen: 19.11.13)
  4. Thereivers.net: http://thereivers.net/about/press-interviews/album-reviews/review-translate-slowly-1/ (Abgerufen: 19.11.13)
  5. Thereivers.net: http://thereivers.net/about/press-interviews/articles-about-the-band/reivers-and-the-spirit-of-85/ (Abgerufen: 19.11.13)
  6. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Reivers_%28band%29 (Abgerufen: 19.11.13)

Fussnoten:

Bryan Ferry – I put a spell on you (1993)

Bryan Ferry Musikerkarriere startete 1970 mit der Band Roxy Music. 1973 veröffentlichte er seine erste Solo LP ohne deshalb seine Band zu verlassen . [1] Seine ersten beiden Alben „These Foolish Things“ (1973) und „Another Time, Another Place“ (1974), enthielten beinahe auschliesslich Cover-Versionen bekannter Hits. Danach folgte mit „In your Mind“ (1977) erstmals ein Album mit eigenen Kompositionen, das von den Kritikern wohlwollend aufgenommen wurde.

Nach der endgültigen Trennung von Roxy Music im Jahr 1985 veröffentlichte Ferry „Boys and Girls“. Die LP wurde zu einem UK-Nummer 1 Album und wurde zu seinem grössten Erfolg. Es folgte die LP „Bête Noir“ 1987 mit derer er an den Erfolg anknüpfen konnte. Nach der ausgedehnten Tournee verschwand Bryan Ferry aus der Öffentlichkeit und gönnte sich eine fünfjährige Pause von der Musikindustrie.

Danach meldete sich Bryan Ferry mit dem Album „Taxi“ 1993 zurück. [3] Ferry hielt sich dabei an altbewährtes, somit enthielt die Platte wieder Cover-Versionen bekannter Songs, darunter auch „I put a spell on you“ von Screamin‘ Jay Hawkins. Ferry modellierte den Song ohne Scham völlig um: Die markante Melodie des Saxophons wurde gestrichen, stattdessen ertönt ein weicherer Gitarrenpart. An die Stelle der rauchigen Stimme von Screamin‘ Jay Hawkins, tritt die sanft, schmelzige Stimme von Bryan Ferry. Das Video zeigt Nachtclub-Tänzerinnen in Grossaufnahmen und erinnert durch die Lichteffekte an einen Film Noir. Hier spielt Ferry auf vergangene Zeiten an, er tut dies aber nicht ohne Ironie: die Art der Präsentation und des Gesangs zeugen von einem Augenzwinkern an die alteingessesene Tradition von früher.

misanthropicsob: Screamin Jay Hawkins – I Put A Spell On You, 24.08.2006, http://www.youtube.com/watch?v=orNpH6iyokI (Abgerufen am 19.11.2013).

Bryan Ferry: Bryan Ferry – I put a spell on you, 26.02.2010, http://www.youtube.com/watch?v=ESJxRt9I-Ag (Abgerufen am 19.11.2013).

[1] Biographie: http://www.allmusic.com/artist/bryan-ferry-mn0000524050/biography (Abgerufen am 18.11.2013).

[2] Biographie/Diskographie: http://de.wikipedia.org/wiki/Bryan_Ferry (Abgerufen am 18.11.2013).

[3] Biographie/Diskographie: http://de.wikipedia.org/wiki/Bryan_Ferry (Abgerufen am 18.11.2013).

Julian Cope (ma)

Julian Cope

Julian Cope

Julian Cope, geboren 1957 in Deri, Mid Glamorgan, Wales, ist ein englischer Musiker, Songwriter und Autor. Seine musikalische Karriere begann in 1977 in Liverpool, wo er zusammen mit seinen Freunden Pete Wylie (Gitarrist), Stephen Spence (Schlagzeug) und Ian McCulloch (Sänger) eine Band namens Crucial Three gründete.[1]

Nach einer kurzen Pause von der Musikszene und einigen weiteren Bands, bei denen Cope Mitglied war, gründet er im Jahre 1978 die Band The Teardrop Explodes zusammen mit Mick Finkler (Gitarrist), Paul Simpson (Keyboarder) und Gary Dwyer (Schlagzeuger).[2] Aufgrund ihrer Musik, die durch einzigartige Mischung von psychedelischem Rock und elektronischem Pop charakterisiert werden kann, können The Teardrop Explodes zu den einflussreichsten Gruppen der frühen 80er Jahren gezählt werden.[3]

In 1983 startete er seine Solo-Karriere und arbeitete an mehreren musikalischen Projekten wie z.B. Queen Elizabeth, Black Sheep und Brain Donor.[4] laut Peter Lau gilt Cope als ein „Musterbeispiel des genialen Irren“, da seine Live-Auftritte häufig exzessiv waren und seine Songtexte etwas verquer klangen.[5] In seinen Liedern, in denen nicht nur von Ausserirdischen, Bäumen oder neuen Männern erzählt wird, verschwinden häufig die Grenze zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit.[6]

World shut your mouth ist einer der berühmtesten und erfolgreichsten Songs von Julian Cope, der in seinem dritten Album Saint Julian veröffentlicht wurde und zugleich den Namen seines ersten Albums trägt:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=2UJbz-pp6GQ[/youtube]

Quellen:

http://userserve-ak.last.fm/serve/_/165674/Julian+Cope.jpg (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.rollingstone.de/das-archiv/article141305/print/julian-cope-interpreter.html (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.ox-fanzine.de/web/itv/575/interviews.212.html (Abgerufen am 15.11.2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Cope (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.headheritage.co.uk/julian_cope/storyofthedrude/ (Abgerufen am 15.11.2013)

Negativland – „U2“ (1991)

Bild

Titelbild der Single "U2" von Negativland

Diese Single oder EP der experimentellen Band Negativland kam 1991 in die Läden, das Titelbild geziert mit einem Spionageflugzeug, sowie der täuschenden, grossen Aufschrift U2 und nur ganz klein geschrieben Negativland. Später wurde argumentiert, dass dieser Umstand der Grössenverhältnisse der Schrift, Fans der Band U2 dazu verleitet werden, die EP zu kaufen in dem Glauben, U2 habe eine neue Platte herausgebracht.[1]

 

Auf der EP waren zwei Tracks zu finden, wobei beide den gleichen Titel trugen: „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“. Der erste Track war ein A Capella Mix von 1991 (7:15), der zweite ein Special Edit Radio Mix (5:46).[2]

Bei der Schaffung der Tracks bedienten sich Negativland der Collagen- und Samplingtechnik.[3] Die Tracks bestehen einerseits aus Aussschnitten aus dem Originallied als auch Aufnahmen der Radiosendung „America’s Top 40“ sowie Outtakes des Moderators der Sendung, Casey Kasem, der sich über alles Mögliche beklagt und beschwert.[4]

Negativland hat nicht nur den Titel des bekannten U2 Songs genommen, sondern auch die Melodie und Teile des Textes in ihre Version einfliessen lassen.

[youtube]http://youtu.be/xqse3vYcnaU[/youtube]

So hört man am Anfang des ersten Tracks, welcher oben via Youtube gehört werden kann, Bono (Sänger von U2) das Originallied singen, doch nur im Hintergrund, während im Vordergrund fragende Kommentare darüber gesprochen werden. Auch später kommt die Melodie des Originals wieder zum Zuge. Ausserdem wird immer wiederholt, dass jemand nach etwas sucht, dies aber einfach nicht finden kann (zum Beispiel: ‚And I still haven’t found it. What I’m looking for, that is. I just don’t know where the Hell it is… I just can’t seem to find it.’), was wiederum eine klare Anspielung auf den Titel des Tracks ist.

[youtube]http://youtu.be/dV3hfdf01Xc[/youtube]

Beim zweiten Track, der oben als via Youtube gehört werden kann, erklingt zuerst die Stimme von Casey Kasem, was das Ganze wie eine ganz normale Radioshow klingen lässt. Aber dann verliert dieser den Faden und in diesem Moment beginnt die Musik in den Vordergrund zu treten. Es folgen weitere Aussagen von Kasem, wie zum Beispiel das im ersten Track oft wiederholte „That’s the Letter U and the numeral 2“, sowie dem peinlichen Moment, wo Kasem sagt: „… this is bullshit, nobody cares… these guys are from England, and who gives a shit?!“. Er spricht dabei über U2, die aber nicht aus England stammen, sondern aus Irland. Ein grober Schnitzer für einen Radiomoderator.

Wie zu vermuten war, führte die schamlose Anspielung auf U2 (sowohl auf dem Titelbild als auch in den Tracks), sowie die unerlaubte Benutzung von Ausschnitten aus „America’s Top 40“ und den Outtakes des Moderators, zu einem Rechtsstreit.[5] Nach einem langen Kampf um den Erhalt ihrer EP, mussten Negativland schliesslich ihre Single zurückrufen und zerstören.[6] Deswegen kann man diese Single heutzutage nirgends mehr kaufen und sie ist dadurch zum Sammlerobjekt geworden. Einige Jahre später brachte die Band ein Magazin mit CD unter dem Titel „The Letter U and the Numeral 2“ heraus, worin sie ihren Konflikt, der über die Single „U2“ entstanden war, genauestens erklärten (aus ihrer Sicht). Das Magazin war in limitierter Auflage nur kurze Zeit auf dem Markt und geriet wiederum ins juristische Schussfeld.[7]

Alles in allem wird gesagt, dass diese Tracks die Besten der Band sind, mit ihrer Parodisierung und ihrem Humor, der nicht bei jedem gut angekommen ist.[8]

(nana)

Quellen:

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Negativland (Abgerufen am: 19.11.2013)

[2] http://en.wikipedia.org/wiki/U2_(EP) (Abgerufen am: 19.11.2013)

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Negativland (Abgerufen am: 19.11.2013)

[4] http://www.allmusic.com/album/u2-mw0000272341 (Abgerufen am: 19.11.2013)

[5] http://deuceofclubs.com/write/negativl.htm (Abgerufen am: 19.11.2013)

[6] http://www.allmusic.com/album/u2-mw0000272341 (Abgerufen am: 19.11.2013)

[7] http://en.wikipedia.org/wiki/The_Letter_U_and_the_Numeral_2 (Abgerufen am: 19.11.2013)

[8] http://www.allmusic.com/album/u2-mw0000272341 (Abgerufen am: 19.11.2013)

Paul McCartney: Temporary Secretary (1980)

„Mister Marks can you find for me
Someone strong and sweet fitting on my knee?
She can keep her job if she gets it wrong
Ah, but Mister Marks I won’t need her long

All I need is help for a little while
We can take dictation and learn to smile
And a temporary secretary
Is what I need for to do the job“1

Was sich liest wie die Stellenausschreibung eines dubiosen Arbeitgebers, der sich bereits mehrmals wegen sexueller Belästigung verantworten musste, ist in Wirklichkeit ein Teil der Lyrics von Paul McCartneys Song „Temporary Secretary“.

Der Track ist auf dem Album „McCartney II“, das 19802 erschien zu finden und dient als gutes Beispiel für McCartneys musikalische Diversität. Der ehemalige Beatles Sänger und Bassist liefert hier seine Interpretation von New Wave und versucht sich auch an einem Sequenzer3. Die recht dümmlichen Lyrics, der teilweise übertriebene Akzent und der grösstenteils atonale Gesang lassen allerdings das Gefühl aufkommen, dass McCartney die Sache selber nicht ganz ernst nimmt. Er parodiert mit „Temporary Secretary“ das damals aktuelle New Wave Genre und zeigt dabei den jüngeren Generationen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.  In den 80er Jahren gab es diverse Artisten, die frühere Musikstile mit einer Prise Ironie wieder aufgriffen oder jene sogar parodierten. Paul McCartney dreht mit seinem Song den Spiess nun um.

Die Kritiken und Kommentare zu „Temporary Secretary“ könnten vielfältiger nicht sein. Die einen nennen es futuristisch anmutend und loben die eingängige Melodie.4 Andere wiederum sind enttäuscht und scheinen nicht verstehen zu können, wie der Mann, der die Lyrics von Titeln wie „Yesterday“, „Let it be“ und „Yellow Submarine“ verfasste, bloss so etwas zusammenschreiben konnte5. Dabei liegt doch genau darin der Witz!

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=ehqKpPmVcK4[/youtube]

 


Primal Scream – Screamadelica (1991)

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„Screamadelica“ ist das dritte Album der schottischen Band Primal Scream, erschien am 23. September 1991 und stellte den Durchbruch für diese dar. Mitte der 80er gehörte Primal Scream zu den wichtigsten Vertreter der Indie-Pop Szene. Die Band nahm immer mehr auch Elemente des Psychedelic und Garage Rock auf, später solche der Dance Music.- z.B. auch auf „Screamadelica“.[1] Zudem finden sich auch viele Bezüge zur früheren Rock- und Popmusik:

So klingt Opener „Movin‘ on Up“ wie ein Titel der Rolling Stones und die ersten beiden Zeilen stammen von Can’s „Yoo Doo Right“ (1969).[2] „Slip Inside this House“ ist eine Coverversion des 1967 veröffentlichten Songs von 13th Floor Elevators.[3] „Higher Than the sun“ sampelt (unter anderem) Young-Holt Unlimiteds „Wah-Wah Man“ von 1971.[4]

„Loaded“ war die erste Singleauskopplung des Albums „Screamadelica“. [5] Im Song  ist Peter Fonda in einem Ausschnitt aus dem Film „The Wild Angels“ zu hören.[6] Der Film stammt aus den 60er Jahren und handelt von einer Bikergang, welche ein gestohlenes Motorrad wieder zurückholen will. [7] Der Titel bezieht sich jedoch nicht nur auf den Film, sondern auch auf Primal Scream selber. So ist „Loaded“ einen Remix von „I’m Losing More Than I’ll Ever Have“ (erschienen auf dem Album „Primal Scream“) dar.[8]

Doch trotz all dieser Zitate hat das Album einen ganz eigenen Sound. Oder wie Ian Wades es beschreibt: «[…]Screamadelica still sounds like nothing else, yet all things at once [..]“[9] (bw)

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Primal_Scream (aufgerufen 18.11.13)
[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Screamadelica (aufgerufen 18.11.13)
[3] http://en.wikipedia.org/wiki/Slip_Inside_This_House (aufgerufen 18.11.13)
[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Screamadelica (aufgerufen 18.11.13)
[5] http://en.wikipedia.org/wiki/Screamadelica (aufgerufen 18.11.13)
[6] http://en.wikipedia.org/wiki/Screamadelica (aufgerufen 18.11.13)
[7] http://www.moviepilot.de/movies/die-wilden-engel (aufgerufen 18.11.13)
[8] http://en.wikipedia.org/wiki/Screamadelica (aufgerufen 18.11.13)
[9] http://www.bbc.co.uk/music/reviews/f4qv (aufgerufen 18.11.13)

Nick Cave & The Bad Seeds – In the Ghetto

Im Jahr 1984 brachte Nick Cave mit seinen Bad Seeds eine Coverversion von dem berühmten Elvis-Klassiker In the Ghetto raus. Das direkte Zitat war durchaus bewusst gewählt, da Nick Cave selbst ein begnadigter Elvis-Fan ist (in Caves Musik bestehen auch weitere Verweise auf Presley, so zum Beispiel der Song Tupelo (Geburtsort von E. Presley), vgl. Reynolds 2012, S. 132). Die Fetischisierung der Vergangenheit äussert sich in In the Ghetto also in einem durchgehenden Zitat. Der Text thematisiert die Tragik und die Verzweiflung im Ghetto: ein Ghettodrama in dem Sinne. Das Lied zeigt unverschönernd die Probleme im Ghetto auf und wie die Lebensumstände die Menschen dazu zwingen, Verbrecher zu werden: „So he starts to roam the streets at night and he learns how to steal and he learns how to fight in the ghetto“, oder „Then one night in desperation the young man breaks away, he buys a gun and steals a car, he tries to run but he don’t get far“. Die Interpretation von Nick Cave ist rauer, schwerer und ungeschliffener als jene von Elvis Presley. Cave lässt sich völlig von der Musik treiben: an manchen Stellen nehmen sich die Instrumente fast komplett zurück und so auch Caves Stimme. Dann wieder schafft er es einzelne Zeilen mit Bedeutung zu füllen – und passend dazu setzen dramatische Schlagzeugschläge ein (bspw. „[…] and his hunger burns […]“). Jedes gesungene Wort von ihm wirkt authentisch und mitfühlend.

Elvis Presley singt In the Ghetto wie jedes andere seiner Lieder; warm, soulig und stets begleitet von einer Prise Kitsch. So mögen seine Gesangsfähigkeiten vielleicht jene von Nick Cave übersteigen, aber im Gegenzug gelingt es Cave den Lyrics die Aufmerksamkeit zu verleihen, welche sie verdienen. Der Ausdruck in seiner Stimme ist unverwechselbar und bringt einem dazu, wirklich zuzuhören.

Elvis erzählt in seiner Version eine Geschichte. Nick Cave schafft es eine Tragödie daraus zu machen.

Literatur:

Simon Reynolds (2012): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber.

The Jesus and Mary Chain – Phil Spectors Wall of Sound im Stile des Noise-Rock

«Too much echo? What does that mean?», Spector asked. There could never be too much echo.1

Washington Heights, Manhattan, zu Beginn der 60er-Jahre. Drei junge Frauen mit identisch schlichter, gleichwohl eleganter Kleidung und derselben schicken Hochsteckfrisur treten gemeinsam als «The Ronettes» auf. Mit dem Song Be My Baby landet die Girl-Group 1963 ihren ersten Hit, produziert wird das von Phil Spector, Jeff Barry, und Ellie Greenwich geschriebene Lied komplett in Spectors typischer Vision des Wall of Sound2: Eine Pop-Symphonie, die mit jedem Vers mehr Schwung aufbaut, getrieben von galoppierenden Kastagnetten und gedämpften Piano-Akkorden, und die schliesslich ihre maximale Dichte in einer majestätischen Konvergenz von Gesang, Streicher, Bläsern und donnernder Perkussion erreicht.3

Die Brüder Jim und William Reid

Die Brüder Jim und William Reid um 1985.

Gut 20 Jahre später in East Kilbride im Süden Schottlands: Die Brüder Jim und William Reid veröffentlichen 1985 mit ihrer Band The Jesus and Mary Chain die Singleauskoppelung Just Like Honey.4 Mit dem berühmten «Be My Baby»-Schlagzeug-Intro, das hier jedoch vielmehr wie ein verzweifelter Schrei aus einem düsteren Keller klingt, beginnt diese verzerrte Hommage an Phil Spectors Wall of Sound. Seine Idee, alle Instrumente dicht zusammenzudrängen, um einen umfassenden Sound, einen «Klangwall» zu kreieren5, interpretieren die Reids hier komplett neu: Es entsteht ein nicht definierbarer, nicht fassbarer Wall of Sound, der mittels «Kreissägen-Gitarren»6 konstruiert wird, und dessen subtile Ironisierung dank der urcoolen, beinah teilnahmslosen Songpräsentation sowie den Steckdosen-Frisuren der Bandmitglieder gleich noch einen Tick wirkungsvoller erscheint.

 

  1. Thompson, Dave: The Biography of Phil Spector. Wall of Pain, 2004, S. 64.
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/The_Ronettes#.22Be_My_Baby.22 (18.11.2013
  3. http://www.allmusic.com/song/be-my-baby-mt0010957979 (19.11.2013)
  4. http://www.laut.de/The-Jesus-And-Mary-Chain (18.11.2013)
  5. Thompson, Dave: The Biography of Phil Spector. Wall of Pain, 2004, S. 65.
  6. http://www.allmusic.com/song/just-like-honey-mt0008553522 (19.11.2013)

Beastie Boys: (You Gotta) Fight for Your Right (To Party!)

„(You Gotta) Fight for Your Right (To Party!)“ wurde 1986 mit dem Debüt-Album Licensed to Ill der Beastie Boys veröffentlicht. Es war der erste grosse Hit der New Yorker Hip-Hop-Band und ist noch immer einer ihrer bekanntesten Songs. Er erreichte Platz #7 der Billboard 100 Charts und wurde in die Rock and Roll Hall of Fame’s 500 Songs that Shaped Rock and Roll aufgenommen. Diese Tatsache an sich ist schon ironisch, denn der Sinn des Textes liegt ursprünglich darin, die Party-Attitüde der Rocker-Szene zu parodieren.1 Die Beastie Boys machen sich über die Rocker-Szene und deren Vertreter mit ihren stumpfsinnigen Party-Anthems lustig und beziehen sich dabei auf Songs wie „Smokin‘ in the Boys Room“ von Brownsville Station und „I Wanna Rock“ von Twisted Sister.2 Sie verhöhnen Einstellung und Haltung der Rockerszene bezüglich sinnloser Party-Macherei und Protestkultur. Der trotzige Ausruf „You Gotta Fight for Your Right To Party!“ steckt also voller Ironie, die  durch das Video noch unterstützt werden soll. Es zeigt eine Party, die ausartet, als plötzlich die „bösen Jungs“ auftauchen. Sie verkörpern die überspitzte Darstellung der dümmlichen Rocker-Attitüde, welche die Beastie Boys verabscheuen.

Der intendierte Spott ging jedoch bei den Hörern verloren: Fight for Your Right was the group’s first hit and helped establish the persona of the badass, take-no-shit, hard-rocking party boys that they totally weren’t, at all.3
Mike D, Gründungsmitglied der Beastie Boys, äusserte sich dazu folgendermassen: The only thing that upsets me is that we might have reinforced certain values of some people in our audience when our own values were actually totally different. There were tons of guys singing along to ‚Fight for Your Right‘ who were oblivious to the fact it was a total goof on them.“4

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Quellen

  1. Wikipedia (en). (You Gotta) Fight for Your Right (To Party!). http://en.wikipedia.org/wiki/(You_Gotta)_Fight_for_Your_Right_(To_Party!) (Abgerufen: 15.11.2013).
  2. Wikipedia (en). (You Gotta) Fight for Your Right (To Party!). http://en.wikipedia.org/wiki/(You_Gotta)_Fight_for_Your_Right_(To_Party!) (Abgerufen: 15.11.2013).
  3. Murdock, Colin. 6 Classic Songs That Were Supposed to Be Jokes. 2011. http://www.cracked.com/article_19420_6-classic-songs-that-were-supposed-to-be-jokes.html (Abgerufen: 15.11.2013).
  4. Wikipedia (en). (You Gotta) Fight for Your Right (To Party!). http://en.wikipedia.org/wiki/(You_Gotta)_Fight_for_Your_Right_(To_Party!) (Abgerufen: 15.11.2013).

Ciccone Youth – The Whitey Album

Das siebte Album von Sonic Youth ist in vielerlei Hinsicht eine Collage verschiedener Ideen und Elemente. An der Oberfläche verweist die Benennung des Albums unmittelbar auf das „The BEATLES“ bzw. „The White Album“, das 1968 erschienen war. Ursprünglich hätte das Konzept der Gruppe darin bestanden, eines Tages eine Coverversion eben jenes Albums zu veröffentlichen. [1] Dieses Vorhaben schlägt sich dann aber nicht wirklich im Endprodukt nieder, da das Album gleichzeitig ein (ziemlich augenzwinkerndes) Tribut an Madonna und an den Pop der 80er-Jahre darstellen sollte [2]. Dies zeigt sich zunächst in der Namensgebung, da die Band für diese Veröffentlichung kurzerhand ein Pseudonym adaptierte und zwar Ciccone Youth, denn Madonna wurde im richtigen Leben auf Madonna Louise Veronica Ciccone getauft. Ausserdem ist ihr Gesicht in übergrosser Nahaufnahme als Frontseite des Albums zu sehen. Musikalisch wird die Imitation besonders in Into The Groovey offensichtlich, welches eine Coverversion von Madonnas Into The Groove darstellt und welches auch Samples aus dem Original verwendet [3].

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gHZKaiuOvE0[/youtube]

Mit diesem Stil schliesst die Band an einen Trend der späten 80er-Jahre an, der aus ironischer Nachahmung, Covers und einem ausgeprägten Einsatz von Samplings bestand. In „The Whitey Album“ prallen die denkbar unterschiedlichsten Musikstile der 80er-Jahre aufeinander: der Punk-Untergrund und der Mainstream-Pop [4].

 

[1] SonicYouth. In: http://www.sonicyouth.com/mustang/lp/lp7.html (Abgerufen: 17.11.2013).

[2] Wikipedia. The Whitey Album. In: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Whitey_Album (Abgerufen: 17.11.2013).

[3] Allmusic. In: http://www.allmusic.com/album/the-whitey-album-mw0000199600 (Abgerufen: 17.11.2013).

[4] Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 147ff.

Laibach: Across the Universe (1988).

 Das Lied „Across the Universe“ stammt ursprünglich von den Beatles und wurde auf deren Album „Let it be“ im Jahr 1970 veröffentlicht. Paul McCartney und John Lennon schrieben den Song zwei Jahre zuvor in Indien.1 Die Zeilen des Songs sind überaus poetisch und formen als Ganzes ein Gedicht: Fliessende Wörter, Wellen der Freude, Bilder gebrochenen Lichts und ruhelose Gedanken bewegen sich kreuz und quer durchs Universum. Unterbrochen wird der Fluss des Gedichts nur durch das Mantra „Jai Guru Deva (Om)“ einerseits, was mit „glory to the shining remover of darkness“2 übersetzt werden kann, was aus der Transzendentalen Meditation stammt und durch die Aussage „nothing’s gonna change my world“ andererseits. Der angefügte Videoclip zum Lied zeigt Aufnahmen von den Beatles im indischen Rishikesh, unter Anderem beim Guru Maharishi Mahesh Yogi,3 den die Band im Jahr 1967 kennen lernte4 [youtube width=“600″ height=“350″]http://www.youtube.com/watch?v=Tjq9LmSO1eI[/youtube]

Während der Songtext völlig unverändert bleibt, entfaltet die slowenische Band Laibach im Video zu ihrem Cover von „Across the Universe“ aus dem Jahr 1988 eine völlig andere Dimension: Im Zentrum des Clips stehen die Leadsängerin, gekleidet in ein rotes, ans Mittelalter erinnerndes Kleid, und ein vierköpfiger Knabenchor in grüner Militäruniform. Höhlenmalereien, Tonplastiken, projizierte Tierschatten und eine künstlerische Skifahrerszene bilden den ersten Teil des Videos. Danach folgt ein zweiter Teil, bei dem ein dahinhüpfender Frosch durch ein Stiefelpaar auf Metallspringfedern zerdrückt wird. Dann kommen an Silchfäden aufgehängte Tiefseefische vor einer Meereswellen- und später Sternenhimmelkulisse ins Bild um dann abgelöst zu werden von der Sängerin in rot, die zwischen Pfützen und Wasservögeln stehend ihre Vocals performt. Der dritte Abschnitt des Clips besteht aus einem Skispringer im Flug und einer sich drehende Weltkugel – alles in schwarz-weiss. Der krönende Schlussteil zeigt einen schwarz-rot gekleideten Ritter in Naziuniform, der knatternd den letzten Ton des Liedes („Om“) von sich gibt. Diese Bilder stehen in grösst möglichen Kontrast zu denjenigen aus dem Video der Beatles.

Laibach zeichnete sich von Anfang an durch ihre interdisziplinarische Gesamtkunstwerk-Praktik aus. Durch ihre Bezüge auf avant-garde, Nazis und sozialen Realismus innerhalb ihres Kunstschaffens, erzeugten sie Kontroversen, die starke Reaktionen seitens politischer und staatlicher Autoritäten provozierten. Zudem griffen sie mit ihren Auftritten in Uniform das Thema der De-Individualisierung im existierenden System auf. Laibach erfand und definierte auch den Begriff „retro-avant-garde“. Mit diesem hinterfragten sie Inbesitznahme, Zitieren und Copyright, was sie in ihrer ad absurdum geführten Coverversion von „Across the Universe“ galaktisch gut demonstrieren.5.

Quellen:

  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Across_the_Universe <18.11.13>
  2. http://www.introtomeditation.com/jaigurudeva.html <18.11.13>
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Transcendental_Meditation <18.11.13>
  4. http://www.beatlesbible.com/songs/across-the-universe/ <18.11.13>
  5. http://www.laibach.org/bio/<18.11.13>