Janis Ian

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Ein Leben unterteilt in verschiedene Phasen, eigentlich Akte eines Dramas, wie es nur das Dasein selbst schreiben kann: Im Jahr 1966, mit fünfzehn Jahren, schreibt Ian den Folksong „Societys Child“, der von der Liebe eines schwarzen Jungen mit einem weissen Mädchen handelt. Sie sang das Lied in einer Fernsehshow und war auf einen Schlag berühmt.1 Mit der Bekanntheit konzentrierte sich aber auch der Hass der Konservativen auf sie, den sie in Form von Schmähbriefen und Spucke zu spüren bekam.2 Innerhalb von knapp vier Jahren veröffentlichte Janis Ian drei weitere Alben, tourte mit Janis Joplin, kannte Jimi Hendrix und verteilte ihr Geld grosszügig an ihre Freunde. Nachdem sie von der Highschool geflogen war, hatte sie reiche Jahre voller Konzerte und Aufnahmen. Mit „At Seventeen“ gewann sie sogar einen Grammy. Doch dann, ab Anfang der Achtzigerjahre, ging es mit ihrer Karriere steil bergab. Die Platten „Night Rains“ (1979) und „Restless Eyes“ (1981) verkauften sich sehr schlecht und darum liess ihr Label sie fallen.3

Janis Ian verschwand von der Bildfläche, heiratete einen gewalttätigen Mann, schied sich wieder von ihm, verfolgte andere Projekte und kam 1993 nach Jahren auf die Bühne zurück. Mit dem Erscheinen des Albums „Breaking Silence“, dessen Release mit ihrem Coming-Out zusammenfiel, fand sie den Weg zurück ins Showbusiness. Sie wollte nie mehr vom Musikbusiness abhängig sein und Gründete deshalb ihr eigenes Label mit dem Namen „Rude Girls Records“. Es folgten weitere Alben, ein Kinderbuch und eine Autobiografie.4

Neben dem Talent, dem Engagement für die Lesbenbewegung und ihrer Entschlossenheit auf eigenen Füssen zu stehen, haben ihre Lebensgeschichte und ihre Freundschaften einen nicht unwesentlichen Teil zu der Befeuerung ihres Comebacks beigetragen.

Aus der heutigen Perspektive war ihr Debüt natürlich ein Happening mit unglaublicher sozialer Sprengkraft, der Grundstein einer tollen Geschichte. Janis Joplin und Jimi Hendrix hatten es beide geschafft durch ihre Musik und ihr frühes Ableben unsterblich zu werden. Da ist es natürlich sehr förderlich, wenn man sich zu deren Weggefährten zählen kann. , Für in Vergessenheit geratene Genies und Menschen, die durch eine harte Zeit zu ihrem wahren Ich gefunden haben,  ist die Gesellschaft sehr empfänglich.

Schliesslich ist Janis Ian aber wohl zu grossen Teilen ihres eigenen Glückes Schmied, nicht zuletzt weil sie es schaffte, mit ihrem Label und der Distribution von mp3 fortschrittliche Wege zu gehen. So fasste sie das Internet nicht als Feind, sondern als Freund auf.5 (Stg)

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