Dino Valente: Vom Hitschreiber der Hippieszene zum psychedelischen Drop-Out

Was geschieht, wenn ein Album zu obskur wird für die Psychedelic-Folk-Szene? Es geht beinahe vergessen… respektive erhält verkappt Kultstatus unter Kennern.

Chet Powers schrieb den Hit „Everybody Get Together“ (Eingespielt von Youngbloods, Jefferson Airplane oder Kingston Trio), war Sänger und Herzstück der Quicksilver Messenger Services (Acid Rock Band 1965-1986) und veröffentlichte solo unter dem Namen Dino Valente eine gleichnamige LP. Chet Powers, Dino Valente, Dino Valenti, Jesse Oris Farrow:1 viele Namen, ein Musiker – one of a kind. Das Album erschien 1968 (1998 auf CD) und gehört zu den „übersehenen, experimentellen Songalben“2 seiner Zeit.

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Im August 2013 wurde die Platte in überarbeiteter Tonqualität als Vinyl3 neu aufgelegt und spät, Valente starb 1994, wird das Album als eines der besten Sechzigerjahre Psychedelic Folk Alben anerkannt und Dino Valente als ursprünglicher Einfluss des Musikgenres. Eine Mischung aus San Franciscanischer Psychodelia und neuartigem Countryfolk macht die Klangfarbe des Albums einzigartig und bleibt noch heute auf Grund seiner Aufarbeitung auf Vinyl, anstelle von einer digitalen oder CD-Neuauflage, ein Unikat seiner Art. Die Lyrics kreieren einen direkten Dialog, lassen Bilder entstehen bei jeder gesungenen, melancholisch klingenden Zeile.4 Gitarrenklänge, Poesie, eine schweifende Männerstimme, vereinzelte weitere, sphärisch klingende Instrumente: „Just like a breath of morning. Purple magic dawning. Can you know the dreams I always will dream…“ Entspannung, Zeitlosigkeit und Genuss. Sanft bahnt die Musik einen Weg in unsere Psyche und entführt unseren Verstand tief in ein magisches Land der Träume.


  1. Unterberger, Richie: Artist Review. http://www.allmusic.com/artist/dino-valente-mn0000823867/biography (Abgerufen: 03.12.2013).
  2. Diederichsen, Diederich: Sehnen, Nerven und Fleisch. Die Tageszeitung.  http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2013%2F10%2F19%2Fa0034 (Abgerufen: 03.12.2013).
  3. Gallacher, Alex: Dino Valente – First ever Vinyl Re-issue. http://www.folkradio.co.uk/2013/09/dino-valente-first-ever-vinyl-re-issue/ (Abgerufen: 03.12.2013).
  4. Fong-Torres, Ben: Dino Valente. In: Rolling Stone Magazine. February 1st, 1969. http://www.penncen.com/quicksilver/valente/stone.html (Abgerufen: 03.12.2013).

The Band: „Music from Big Pink“ (1968)

Music from Big Pink

Das Album „Music from Big Pink“ kam 1968 als schockierende Überraschung mit einer radikal vom damaligen Mainstream divergierenden musikalischen Aussage auf den darauf unvorbereiteten Markt. Während „The Weight“, die einzige Single des Albums, gerade mal Platz 63 der US Billboard Charts erreichte, erhielt der Song international wesentlich mehr Beachtung (Kanada: #35, England: #21). Mit dem Hintergrund des Vietnamkriegs, der Ermordung von Bobby Kennedy und Martin Luther King sowie des Kent-State-Massakers singen The Band in einer subtilen und knappen Erzählweise über Familie, Glaube, rurales Leben und das Gefühl der Entfremdung durch die damalige politische und sozio-kulturelle Situation. Mit biblischen Anspielungen, rätselhaften Zeilen und kultigen Charakteren zugleich haben The Band einen Song mit postmodernem Handwerksgeschick geschaffen, der in keinem amerikanischen Gesangsbuch fehlt. Doch trotz der damals geringen Rezeption in den Charts, beeinflusste das Album damalige Künstler wie Eric Clapton, George Harrison von den Beatles oder Aretha Franklin grundlegend: Roger Waters (Pink Floyd) beschrieb „Music From Big Pink“ gegenüber der „Dallas Morning News“ als eine für ihn alles verändernde Platte:

„After Sgt. Pepper, it’s the most influential record in the history of rock and roll. It affected Pink Floyd deeply, deeply, deeply. Philosophically, other albums may have been more important, like Lennon’s first solo album. But sonically, the way the record’s constructed, I think Music from Big Pink is fundamental to everything that happened after it.“1

Obwohl die Band aus bescheidenen Neben-Männern bestand, wurden sie zu einem der kreativsten und massgebendsten Vertreter des Root Rocks. „Music from Big Pink“ fühlte sich nicht nur wegen der erfrischenden Akkordfolgen wie eine ‚kulturelle Entgiftung’ der Exzesse von „Sgt. Pepper’s“ und „Are You Experienced“ an2, sondern gilt als Pionier der back-to-the-Rock-’n’-Roll-roots-Bewegung. Eine Neuausrichtung war nach der Hippieära dringend nötig und zwar nicht nur als schamloser Rückgriff auf bereits durchgekautes musikalisches Material, sondern als neuartige Fusion von Gospel, Blues, Country, Soul und Rock Musik. (el)


Literaturhinweise:

  1. Bowman, Rob: http://theband.hiof.no/history/part_5.html (Abgerufen: 27.10.13)
  2. Perusse, Bernhard: http://o.canada.com/entertainment/music/grace-potter-on-ghostbusters-rock-n-roll-and-not-wearing-pants/ (Abgerufen: 27.10.13)
  3. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 282-283.
  4. rollingstone.com: http://www.rollingstone.com/music/lists/500-greatest-albums-of-all-time-20120531/the-band-music-from-big-pink-20120524#disqus_thread (Abgerufen: 27.10.13)
  5. Ruhlmann, William: http://www.allmusic.com/album/music-from-big-pink-mw0000189052 (Abgerufen: 27.10.13)
  6. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/Music_from_Big_Pink (Abgerufen: 27.10.13)
  7. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Band#Music_from_Big_Pink_and_The_Band (Abgerufen: 27.10.13)
  8. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Weight#cite_note-autogenerated1-5 (Abgerufen: 27.10.13)

Weiterführende Medien:

  1. TV-Dokumentation auf Youtube: The Band Documentary 1: HOSHINOBUTA さんのチャンネル: „The Band Documentary of 4 – Clapton, Ringo, Harrison, Harris react to The Band“ 08.05.2012. http://www.youtube.com/watch?v=_RVBeQn9C7I (Abgerufen: 15.06.2014)

Fussnoten:

  1. http://www.progarchives.com/forum/forum_posts.asp?TID=48181 (Abgerufen: 27.10.13).
  2. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction To Ist Own Past. London: Faber & Faber 2011, 282.

Werkbeschreibung: The Beatles – The white Album (THE BEATLES) (ma)

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The Beatles – The White Album (The Beatles) 1968

Das neunte offizielle britische und das fünfzehnte amerikanische Album von den Beatles, „THE BEATLES“, wurde im Jahre 1968 veröffentlicht. Das war das erste volle Album-Projekt der Band seit dem Tod ihres Managers Brian Epstein und zählt zu den meistverkauften Alben aller Zeiten (mehr als 20 Millionen Kopien).

Aufgrund seines weissen und schlichten Designs, das von Richard Hamilton entworfen wurde, wird es auch „Das weisse Album“ („The White Album)“ genannt. Das ist die einzige Hülle eines Beatles Studioalbums, auf der nicht die vier Mitgliedethe-beatles-e28093-white-albumr der Band zu sehen sind.

Das „White Album“ bleibt in der Musikgeschichte dasjenige Album der Band, das die meisten Auszeichnungen der RIAA (Recording Industry Association of America) in den USA erhalten hat. Es wurde in der deutschen Ausgabe des Rolling Stone Magazins  auf Platz 5 der besten Alben aller Zeiten platziert.

In „The White Album“ handelt sich um eine Sammlung von Liedern in unterschiedlichen Stillen:Psychodelica, Rock `n` Roll, Blues etc.. Genau diese Vielseitigkeit wird von vielen Kritikern zugleich als die grösste Stärke und Schwäche des Albums bezeichnet. Das Weisse Album ist weniger ein Gruppenprojekt, als eine Vermischung von individuellen Auftritten. Lieder wie Back in The U.S.S.R, Bungalow Bill oder Rocky Racoon entsprechen der typischen Rock`n`Roll Tradition und zählen zu den Klassikern der Gruppe.

Das „White Album“ entstand in der Spätphase der Beatles, indem sich das Ende der Band langsam abzeichnete. Allein die Tatsache, dass dies das einzige Doppelalbum des Bands ist, weist darauf hin, dass die Unstimmigkeiten innerhalb der Band grösser wurden.

Quellen:

Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. Faber and Faber   Ltd, 2011, 453-460.

http://www.thewhitealbumproject.com/ (Abgerufen am 27.10.2013)

http://de.wikipedia.org/wiki/The_Beatles_(Album) (Abgerufen am 27.10.2013)

Bildverzeichnis:
http://palabrasdealgodon.files.wordpress.com/2012/11/the_beatles_-_white_album_disco1-2.jpg (Abgerufen am 27.10.2013)

http://bettylivin.files.wordpress.com/2012/05/the-beatles-e28093-white-album.jpg (Abgerufen am 27.10.2013)

Jimi Hendrix: Electric Ladyland (1968)

Cover EL  Bild: 1001albums.ericdumas.com (abgerufen: 22.10.2013)

Cover EL [1]

EL ist zweifellos eines der bedeutendsten und einflussreichsten Alben in der Geschichte des Gitarrenrocks. Hendrix‘ letztes Studioalbum zu Lebzeiten überzeugt vor allem mit grosser stilistischer Vielseitigkeit, einer ausgiebigen Instrumentierung und dem virtuosen Gitarrenspiel des Autodidakten.
Als „Einstieg“ – besonders für Hörer, die mit dem Werk von Hendrix noch nicht vertraut sind – eignet sich Track 15: All Along the Watchtower. Es handelt sich um eine Coverversion eines Dylan-Klassikers. Das Stück bietet einen etwas mehr mainstream-orientierten Gesamteindruck als die zumeist eher psychedelisch- oder bluesrockartigen restlichen. Hendrix setzt Dylans Song aber so gekonnt in Szene, verziert ihn mit virtuosen Soli und verleiht ihm eine völlig neue Grösse, sodass Dylan selbst diese Version als beste Interpretation seines Stückes überhaupt beschreibt.
Ganz anders, nämlich in typischer Hendrix-Manier präsentiert sich Track 4: Voodoo Chile. Mit diesem über 15 minütigen Epos zeichnet Hendrix die Geschichte des Blues nach. Der Anfang klingt wie ein Delta Blues dann folgen Einflüsse des elektrischen Blues von Muddy Waters und John Lee Hooker, der B.B. King Stil und schliesslich Elemente der Jazz Legende John Coltrane. Durch die teils psychedelischen, teils mythischen Lyrics wird diese Erfahrung noch verstärkt, so beginnt das Stück mit: „Well the night I was born – lord I swear the moon turned a fire red“ …
Ein weiteres Highlight ist Track 11: 1983… (A Merman I Should Turn to Be). Er besticht nicht nur dank technisch innovativer Produktionsdetails – so wurden Bandschlaufen geloopt und verfremdet um eine Geräuschkulisse zu erstellen – sondern auch durch psychedelische Lyrics. Diese beschreiben eine Vision, in welcher er sich für ein Leben unter Wasser entschliesst, obwohl dies für unmöglich und gegen Gottes Wille gehalten wird.
Track 3: Crossstown Traffic hingegen präsentiert sich als fast schon poppiger und durchaus tanzbarer Song mit rhythmischen Gitarrenriffs und charakteristischen Hintergrundgesängen.
In wunderbar vielseitiger Weise finden sich auf Electric Ladyland sämtliche hendrixtypischen Stilelemente. Sei dies sein gekonntes Spiel mit Rückkopplungen, sein virtuos eingesetztes Wah-Wah Pedal oder der typische verzerrte Gitarrensound. Auch diverse technische Spielereien, welche damals mühsam manuell realisiert werden mussten, prägen den einzigartigen Sound dieses Albums.
EL ist das Meisterwerk von Jimi Hendrix und der Höhepunkt seines Studioschaffens. Noch heute dient es zahllosen Gitarristen als Lehrstück und Musikfans aller Couleur als Referenzwerk in der Sammlung.
(MR)

 

[1] Bildquelle: 1001albums.ericdumas.com (Abgerufen 22.10.2013)