Skip Spence – Oar (1969)

Skip Spence – Oar

Alexander Lee „Skip“ Spence liefert mit „Oar“ den Soundtrack zur Schizophrenie. Genialität trifft auf Wahnsinn. Niemand ausser dem psychedelischen Renaissance Mann hätte ein vergleichbares Album kreieren können. Aufgrund seiner Krankheit und übermässigem Drogenkonsum lebte er ein surrealistisches Leben und dies kommt in seiner Musik sehr stark zum Ausdruck.1

Bevor Skip Spence als Solokünstler das Projekt „Oar“ in Angriff nahm, war er als Schlagzeuger der erfolgreichen Band Jefferson Airplane tätig, welche zu den Hauptvertretern des Psychedelic Rock gehörten. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums, verliess er die Band jedoch bereits wieder, um Moby Grape zu gründen und seine Künste als Gitarrist unter Beweis zu stellen. Diese Geschichte endete hingegen unglücklich. Während den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album versuchte Spence unter Drogeneinfluss seine Bandkollegen mit einer Axt zu attackieren. Er wurde daraufhin ins New York Bellevue Hospital eingeliefert, wo die Krankheit Schizophrenie diagnostiziert wurde.2 Nach seiner Entlassung startete er seine Solokarriere und veröffentlichte im Jahre 1969 „Oar“.

Spence kehrte auf seinem Album die Verhältnisse um: Er spiele auf dem Album „Oar“ weniger Musik, als eher die Musik mit ihm spiele, beschreibt der britische Musiker und Journalist Julian Cope den Sound.3 Jeder Song des Albums hört sich an, als hätte er seinen eigenen Fingerabdruck. Ein herausragendes Beispiel stellt „War in Peace“ dar, in welchem er von auferstehenden Toten und kosmischen Dingen singt. Dabei kommt auch sein mentaler Zustand sehr gut zum Ausdruck. Die psychedelischen Elemente mischt Spence gekonnt mit traditionellen Musikstilen wie dem Folk oder dem Blues.

Als „Oar“ im Jahre 1969 von Columbia Records veröffentlicht wurde, ging es als eines der schlechtestverkauften Alben in die Geschichte des Labels ein. Erst Jahre später wurde Skip Spences grossartiges Werk gewürdigt. 1991 kam es zur ersten Wiederveröffentlichung des Albums durch Sony Special Products und 1999 erschien die Sundazed Version, welche zusätzliche bisher unveröffentlichte Songs beinhaltet. Im selben Jahr wurde dem Werk zudem ein Tribute Album gewidmet, an welchem viele namhafte Künstler mitwirkten.4

Skip Spence – War in Peace: [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=e-ZOjZztGzs[/youtube]

(gi)


Quellen:

 

  1. Allmusic: Oar. URL: http://www.allmusic.com/album/oar-mw0000263110 (Abgerufen: 3.12.2013).
  2. Altmusic: Skip Spence. URL: http://altmusic.about.com/od/1960s/fr/skipspence.htm (Abgerufen: 3.12.2013).
  3. Cope, Julian: Alexander Spence-Oar. Head Heritage. URL: http://www.headheritage.co.uk/unsung/thebookofseth/alexander-spence-oar (Abgerufen: 3.12.2013).
  4. Wikipedia: Oar (Album). URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Oar_(album) (Abgerufen: 3.12.2013).

Nick Drake: Five Leaves Left (Island, 1969)

Five_Leaves_Left

Five Years Left hatte der britische Folk-Sänger und Gitarrist Nick Drake noch, als im September 1969 sein Debütalbum „Five Leaves Left“ erschien. Ende 1974 verstarb er, sechsundzwanzigjährig, an einer Überdosis Antidepressiva. Im Song „Fruit Tree“ singt er: „Safe in your place deep in the earth / That’s when they’ll know what you were really worth.“ Eine Zeile, die im Rückblick auf Drakes Leben geradezu prophetisch anmutet.
Drei Alben veröffentlichte er zu Lebzeiten: „Five Leaves Left“ (1969), „Bryter Layter“ (1970) und „Pink Moon“ (1972). Keines davon avancierte zum Verkaufserfolg. Erst mehr als ein Jahrzehnt danach erhielt seine Musik ein breiteres Publikum, nicht zuletzt da Musiker wie Robert Smith (The Cure) oder Peter Buck (R.E.M.) sich als von Drake beeinflusst outeten1

Das Debüt „Five Leaves Left“ stellt einen Musiker vor, dessen unverkennbare Stimme, klar wie Kristall, und präzises Gitarrenspiel – jede einzelne Note ist hörbar! – eine einzigartige Stimmung schaffen. Die Songs, pendelnd in Grenzbereichen zwischen Folk, Jazz, Blues und Klassischer Musik, sind oft unterlegt von Streicherarrangements. Diese haben Robert Kirby, dessen Debüt als Arranger das Album ebenfalls ist, respektive Harry Robertson im Falle von „River Man“ beigesteuert.

Obschon ein typisches Kind seiner Zeit, hat „Five Leaves Left“, abseits aller Marihuana-Euphemismen2 und Feld-Wald-und-Wiesen-Ästhetik, Qualitäten, die es auch fast 45 Jahre später noch zu einem modernen Album – man könnte auch „zeitlos“ sagen – machen. Es sind mystische Qualitäten, beispielhaft vorhanden in „‘Cello Song“, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Das Konzept ist simpel: Drakes Gesang, ein rastloses Gitarren-Pattern, dezent eingesetzte Congas und eine rasiermesserscharfe Cellomelodie, die das Ganze von Zeit zu Zeit durchschneidet – die Stimmung, die hierbei von den beteiligten Musikern sowie von Produzent Joe Boyd erzeugt wird, liegt fernab mir geläufiger Worte, lässt sich nur hörend erfahren:

Es ist gerade diese Sprachlosigkeit, die Atmosphäre, die Worte transzendiert, ja überflüssig macht, die Drakes Musik auch anno 2013 noch faszinierend und modern erscheinen lässt.


  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Drake
  2. „The Thoughts of Mary Jane“. Vgl. Humphries, Patrick. Nick Drake: The Biography. Bloomsbury Publishers: 2012; 94.

Werkbeschreibung: Sha na na mit „At The Hop“ live am Woodstock Festival

Es ist früh morgens 5. 30 Uhr. Die Sonne ist bereits aufgegangen und hinterlässt einen goldenen Schimmer auf den Körpern der feiernden Menge. Wer es selbst einmal erlebt hat, weiss wie sie sich anfühlen: Die ersten Sonnenstunden nach durchtanzter Nacht.

Drei Kameras stehen bereit1, als die wenig bekannten Sänger der Gruppe Sha na na lässig auf die Bühne joggen und sich in Pose bring: Die Beine breit auseinander gestellt, die Hände übereinander in den Schritt gelegt, den Kopf gesenkt. Es erinnert an trauernde Soldaten oder an einen ängstlichen Torwart. Der Pianist haut in die Tasten, das Schlagzeug zieht mit, die Stimmen singen und plötzlich tanzen zwei zappelnde Figuren in goldig schimmernden Bikerjacken wild im Morgenlicht. Die Sänger singen klatschend: „Lets go to the Hop!“ Der Rhythmus drängt vorwärts, reisst mit und beim Klaviersolo wackelt die ganze Band wie verrückt mit ihren Hintern, Armen und Köpfen.

Es ist ein Feuerwerk, welches Sha-na-na, eine Gruppe Studenten der Columbia University2 ohne Plattenvertrag3 da entzündet. Aus der ursprünglich politischen Idee, studentische Befürworter und Gegner des Vietnamkriegs mit Rock’n Roll wieder zu vereinen, entsteht ein Revival des Rock’n’Roll.4 (mwa)

Literatur:

Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to Ist Own Past. London: Faber and Faber, 2011.

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Woodstock-Festival(Abgerufen: 25. 10. 2013).
  2. Reynolds 2011, 283.
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Woodstock-Festival (Abgerufen: 25. 10. 2013).
  4. Reynolds 2011, 283.

The Hollies, Words And Music By Bob Dylan

Bild des Plattencovers The Hollies, Words And Music By Bob Dylan

Künstler: The Hollies

Line-up: Allan Clarke / lead singer; Tony Hicks / lead guitar, vocals ; Terry Sylvester / rhythm guitar, vocals; Bobby Elliott / drums;  Berine Calvert / bass guitar, piano

Medium: Vinyl / Auch als CD unter dem Namen „The Hollies Sing Dylan“ erhältlich

Stil: Pop/Rock

Label: Epic Records

Erschienen: 1969

Tracks Side 1: 1. When The Ship Comes In (2:40) 2. I’ll Be Your Baby Tonight (3:24) 3. I Want You (2:12) 4. This Wheel’s On Fire (2:52) 5. I Shall Be Released (3:23) 6. Blowin‘ In The Wind (3:25)

Tracks Side 2: 1. Quit Your Lowdown Ways (2:41) 2. Just Like A Woman (4:01) 3. The Times They Are A-Changin‘ (3:14) 4. All I Really Want To Do (2:22) 5. My Backs Pages (2:57) 6. The Mighty Quinn (2:26)

Stell dir vor, du legst die Nadel vorsichtig auf die sich gemächlich drehende Schallplatte, du erfreust dich an dem angenehm ruhigen Kratzgeräusch, welches die Nadel auf der Einlaufrille der LP hinterlässt und wartest gespannt auf das Einsetzen der Musik. Plötzlich wirst du aus deinem nostalgisch-träumenden Zustand von einer wilden Horde junger Briten aufgeweckt: „Like the stillness in the wind / For the hurricane begins“!  Die ersten paar Takte des eröffnenden Tracks (When The Ship Comes In) mögen, zugegeben, für einen Hollies-Ersthörer etwas überrumpelnd daher kommen. Anstatt den Hörer mit sanften und ruhigen Klängen an ihr Werk heran zu führen, setzten die Hollies auf ein rassiges Gitarren-Intro, welches vom Klang her stark an den amerikanischen Countryrock der Zeit erinnert. Die klare und starke Stimme Allan Clarkes passt aber wundervoll zu den Banjo-ähnlichen Akorrden und spätestens bei der zweiten Strophe wird der Hörer mit dem charakteristischen Merkmal der Hollies bekannt gemacht: Die perfekt aufeinander abgestimmten Vocals von Hicks, Sylvester und Clarke. Wem When The Ship Comes In zu unruhig war, der kann sich zu I’ll Be Your Baby Tonight erholt zurücklehnen und geniessen. Clarkes charakteristische Stimme kommt bei diesem langsamen Track ausgezeichnet zur Geltung, er bringt die Lyrics authentisch und überzeugend rüber. Die smooth gesungene Bridge dieses Tracks ist ein Höhepunkt des Albums: Nach dem aufgeweckt gesungenen “You won’t regret / You won’t forget -“ drosseln die Hollies überraschendend das Tempo und streicheln dem Zuhörer mit  „to get your shoes on / Do not fear / Bring that bottle over here” mit Harmonien förmlich über den Rücken. Es lohnt sich auf jeden Fall, Words And Music By Bob Dylan komplett durch zu hören, denn mit Blowin’ In The Wind, sorgen die Hollies für eine musikalische Erfrischung. Die besungene Antwort fliegt bei Clarke, Sylvester und Hicks nicht nur leblos im Wind, sondern wird von einem Brass-Ensemble begleitet. Die Art und Weise wie das Trio die Lyrics genuss- und schwungvoll auskostet (“The answer my friend / Is blo-woh-woh-woh-wohing in the wind”), verleitet stark zum Mitsingen – auch wenn man sich dem Lied als Schüler im Musikunterricht bereits abgeschworen hatte.

Words and Music ist ein abgerundetes Werk, welches durch die Kombination aus ruhigen Harmonien und rassigen Akkorden für absolute Zufriedenheit sorgt – die Vorfreude lohnt sich! (nw)