Frank Zappa – Dancin‘ Fool (1979)

Zappa - Dancin'FoolWäre Frank Zappa Koch gewesen, würde Gordon Ramsay heute vermutlich Dönerreste aus altem Frittenfett puhlen. Zum einen weil er quer durch E- und  U-Musik hindurchkomponierte und sich stilistisch keine Grenzen setzte, zum andern weil er sowohl rhythmisch wie auch tonal gesehen zu den absoluten Innovatoren der Musik des 20. Jahrhunderts gezählt werden muss – einer, der immer wieder bis dahin Ungehörtes in seine Musik einbaute[1][2]. Eine der wenigen Konstanten, die immer wieder auftaucht, ist sein ironischer, mitunter auch beissender Humor[3]. Ein gutes Beispiel ist das Lied Dancin‘ Fool[4], welches als Single von seinem ´79er Album „Sheik Yerbouti“ ausgekoppelt wurde. Inhaltlich dreht sich das Lied um seine Abneigung gegenüber der Disco Kultur der 70er Jahre, genauer gesagt um das Tanzen. Der Hauptcharakter im Text weiss zwar dass er nicht tanzen kann, tut es aber trotzdem, was im Text unter anderem als „social suicide“ bezeichnet wird. An anderer Stelle singt Zappa „the beat goes on and I’m so wrong“[5]. Zusätzlich werden weitere Aspekte auf die Schippe genommen, beispielsweise wird im Text beschrieben, wie Stolz der Hauptcharakter auf seine Kleidung und seine Schuhe ist und wie er vollkommen der Konformität der Discobewegung entspricht. Am Ende des Songs besingt Frank Zappa seine Abneigung gegenüber Männern, die sich für unwiderstehlich halten, indem er beschreibt, wie der Hauptcharakter eine Frau nach Hause nimmt. Um das ganze abzurunden, ist der Song rhythmisch und ästhetisch wie ein typischer Discosong gehalten. Im ersten Moment klingt das Lied nicht im Geringsten wie eine Persiflage. Erst mit beginnendem Text und später auch mit dem überdrehten Einsatz Disco-typischer Elemente wird der überaus ironische Zugang von Frank Zappa zur Discomusik der 1970er Jahre erkennbar[5][6].
(MR)

 

Quellen:
[1]http://en.wikipedia.org/wiki/Zappa,_Frank (Wikipedia Frank Zappa, abgerufen 08.12.2013)
[2]Brackett, Nathan; Hoard, Christian, eds. (2004), The New Rolling Stone Album Guide: Completely Revised and Updated 4th Edition, New York, NY: Fireside, p. 903, ISBN 0-7432-0169-8.    
[3]The National Recording Registry 2005, National Recording Preservation Board, The Library of Congress, May 24, 2005.
[4]http://www.youtube.com/watch?v=1p_Yw2T3YUI (Youtube – Dancin‘ Fool)
[5]http://en.wikipedia.org/wiki/Dancin’_Fool (Wikipedia Dancin’ Fool, abgerufen 08.12.2013)
[6]http://www.lyricsfreak.com/f/frank+zappa/dancin+fool_20056815.html (Lyrics, abgerufen 08.12.2013)

Forschungsüberblick: Patti Smith

Biografie

Patti Smith, live, 2007

Patti Smith, 2007.Biographie

Patricia Lee „Patti“ Smith (geb. 30.12.1946) gilt als eine der einflussreichsten weiblichen Rock’n’Roller überhaupt. Smiths Musik wurde als die aufregendste Fusion von Rock und Poesie seit Bob Dylan gehandelt: ehrgeizig, unkonventionell und herausfordernd. Ihre avantgardistischen Ausflüge beinhalten Improvisationen wie wir sie vom Jazz kennen, doch ihre eigentlichen Wurzeln liegen im lärmenden, primitiven Drei-Akkord Rock’n’Roll. Wenige Rock’n’Roller waren so sehr mit der Rockgeschichte verbunden wie Patti Smith. Ihr Debütalbum „Horses“ (1975) verdeutlicht, wie ihre Musik paradoxerweise rückwärts in die Zukunft galoppiert: als brillante Umgestaltung von Rock. Die künstlerischen sowie die amateurhaften Elemente ihrer Musik hatten beide einen grossen Einfluss auf die Punk- und New-Wave-Bewegung. Smith wurde zur Ikone für Rockerinnen, nicht weil sie besonderen Wert auf Sexappeal gelegt hätte, sondern weil sie Intellektualität und Kreativität in einer schlanken und androgynen Musikerin vereinte.

Berufsbezeichnungen
Singer-Songwriterin, Lyrikerin, Schriftstellerin, Essayistin, Ikone… Künstlerin – nicht Musikerin „… ich definiere mich zumindest nicht als Musikerin, eher als Amateur. Vielleicht auch als eine Künstlerin, die gerne Texte schreibt. Von all den Fertigkeiten, die man als Musiker haben sollte, besitze ich nichts.“1

Band: Patti Smith Group – Gruppenmitglieder nach RateYourMusic (04.11.2013)

  • 1974: Lenny Kaye (guitar, 1974-79, 1996-present)
  •           Richard Sohl (keyboards, 1974-79, 1988)
  • 1975: Ivan Král (bass, 1975-79)
  •           Jay Dee Daugherty (drums, 1975-79, 1988, 1996-present)
  • 1978: Bruce Brody (keyboards, 1978)
  • 1988: Fred „Sonic“ Smith [Frederick Dewey Smith] (guitar, 1988)
  • 1996: Tony Shanahan (bass, keyboards, 1996-present)
  •           Oliver Ray (guitar, 1996-2004)
  •           Jackson Smith (guitar, bass) – Patti Smiths Sohn
Assoziierte Musiker nach Allmusic und RateYourMusic (04.11.2013)
  • Back in Spades (Die Band von Patti Smith‘ und MC5s Fred Smith‘ Sohn Jackson Smith).
  • Eastern Bloc (Projekt von Ivan Kral, der als Bassist an vier Patti-Smith-Alben mitwirkte)
  • Hilly Kristal (Gründer des New Yorker Club CBGB, wo Patti Smith‘ Karriere startete)
  • Lenny Kaye (Patti Smith‘ Gitarrist)
  • MC5 und Sonic’s Rendezvous Band (Patti Smith‘ Ehemann Fred „Sonic“ Smith war Gitarrist dieser beiden Bands).
  • Tom Verlaine (Frontmann der Band Television, datete Patti Smith in den Siebzigerjahren; arbeitete auch mit Fred Smith zusammen.)

Viele Künstler von Patti Smiths Generation, Freundeskreis und Familie sind bereits verstorben, jüngst Lou Reed von The Velvet Underground. Hier ihr Nachruf veröffentlicht am 28.10.2013: http://www.timescolonist.com/entertainment/magic-and-loss-patti-smith-reflects-on-her-late-friend-fellow-poet-musician-lou-reed-1.675065 (Abgerufen: 04.11.2013).

Bibliographische Hinweise für Biographie
online

print
  • Bockris, Victor: Patti Smith. London: Fourth Estate, 1988. – Umfassende Biografie des berühmten Rock-Biografen und ehemaligen Verlegers von Patti Smith‘ Poesie.
  • Noland, Carrie Jaurès: Rimbaud and Patti Smith: Style as social deviance / Carrie Jaurès Noland.  S. 581-610. In: Critical inquiry. No. 21, 1994/1995. – Artikel zur Beziehung von Smith und Rimbaud, der entscheidenden Einfluss auf ihre Poesie hatte.
  • Smith, Patti: Just Kids. Die Geschichte einer Freundschaft. Frankfurt a.M.: Fischer-Taschenbuch-Verl., 2011. – Patti Smith‘ Erinnerungen an die Freundschaft mit dem Fotografen Robert Mapplethorpe. FAZ-Rezension zu diesem Buch (17.03.2010).
  • Stefanko, Frank: Patti Smith. American-Artist. Berlin: Schwarzkopf und Schwarzkopf, 2006. – Fotografisches Portrait von Patti Smith zwischen 1970 und 1980, ca. 150 Abbildungen, Vorwort von Lenny Kaye
  • Thompson, Dave: Dancing Barefoot: The Patti Smith Story. Chicago: Chicago Review Press 2011. – Umfangreiche Biografie, basierend auf Aussagen von Patti Smith‘ sowie Interviews ihrer Weggefährten.

Einen weiteren Überblick über Patti Smith Bücher befindet sich hier: http://www.oceanstar.com/patti/bio/refs.htm (04.11.2013).

Veröffentlichungen

Smiths erstes Studio-Album „Horses“ (1975) mit der Patti Smith Group gilt als das erste seiner Art, ein Art-Punk Album und ermöglichte ihren Aufstieg zur Godmother of Punkrock. Auf dem Album ist eine Fusion aus lyrischem Sprechgesang, viel Improvisation und Rockmusik zuhören, mit einem Van Morrison Cover als Einstieg. Der Auftakt von „Gloria“ mit den Worten „Jesus died for somebody’s sins but not mine“2 verweist auf den unorthodoxen Charakter des Albums. Das Albumcover von Horses erreichte Symbolstatus in der Punkszene.

Patti Smith, Horses, 1975, Albumcover

Patti Smith Horses – Albumcover.

Albumrezensionen diverser Webseiten sind hier aufgelistet

Umfassende Diskografien sind in den dafür üblichen Onlinequellen einsehbar:

Direkter Draht zur Künstlerin hier:
http://www.pattismith.net/ (Abgerufen: 04.11.2013).

Ihre Schriften und ihre Kunst (Ausstellungskataloge) wurden in unterschiedlichen Sprachen veröffentlicht im Druck.
  • Smith, Patti: Patti Smith – written portrait. Vitoria-Gasteiz: Artium, Centro-Museo Vasco de Arte Contemporáneo, 2008. Online: http://www.artium.org/English/TheCollection/Loans/tabid/329/articleType/ArticleView/articleId/388/language/en-US/Patti-Smith-Written-portrait.aspx (Abgerufen: 04.11.2013)
  • Smith, Patti: camera solo / edited and with an interview by Susan Lubowsky Talbott with the   assistance of Erin Monroe. Hartford, Conn.: Wadsworth Atheneum Museum of Art, c2011. – Camera Solo: Ausstellung von siebzig Fotografien, einer Installation („Arthur Rimbaud’s Litter“) und einem Film.
  • Smith, Patti: Land 250. Paris: Fondation Cartier pour l’art contemporain, 2008. – Ausstellung von Patti Smith‘ Polaroid-Aufnahmen.
  • Smith, Patti: Patti Smith complete. London: Bloomsbury , 2006.
  • Smith, Patti: The coral sea / Patti Smith. New York: Norton, 2012. – Buch, das gemeinsam mit einem Live-Album veröffentlicht wurde. Unter Mithilfe von Kevin Shields (My Bloody Valentine). Hommage an Robert Mapplethorpe.
  • Smith, Patti: Woolgathering / Patti Smith. New York, N.Y.: New Directions Publishing, 2011.

Weitere Werke über ihre Werke
Faulstich, Werner: Patti Smith, „Land“ (1975) : Beschreibung, Analyse, Deutung / Werner Faulstich. Siegen: Forschungsschwerpunkt Massenmedien und Kommunikation an der Universität-Gesamthochschule, 1982.
Heatley, Michael und Frank Hopkinson: We Three – Patti Smith. In: The Boy in the Song. The True Stories Behind 50 Rock Classics. Chicago, I.L.: Chicago Review Press, 2012.

Fazit

Es war vor allem das Image von Patti Smith, das nachfolgende Musikerinnen-Generationen beeinflusste und dazu führte, feministische Überzeugungen in die Musik einfliessen zu lassen. Patti Smith war ein Star, der erst durch die Selbstreflexivität von Rock möglich wurde. Punk startete zunächst als Zeitschleife durch und war als Restauration, nicht als Revolution gedacht. Der Antrieb Rockmusik zu machen, war ein anderer, als in den Fünfzigern und Sechzigern: es ging nicht mehr darum, sich oder die Gesellschaft zu verändern, sondern darum die Rocktradition weiterzuführen. Smiths Bandkollege Lenny Kaye sagte zu diesem Phänomen, „Sometimes I think of us as the last of the sixties bands. We liked those long rambling songs, we liked twenty minutes of improvisation.”3

Anlass für Forschungsbericht und Quelle

Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 250-259.

  1. Dallach, 2012.
  2. SongMeanings: http://songmeanings.com/songs/view/139500/ (Abgerufen: 04.11.2013).
  3. Reynolds, 2011: 252.

Love Rocks! „Crazy Little Thing Called Love“ by Queen

Crazy_little_thing_called_love_by_argentinian_queen

Freddie Mercury

Es ist das gesamte Klangbild, die unverwechselbaren rhythmischen Eigenheiten, Freddies lockeres Bein und nicht zuletzt der Text von „Crazy Little Thing Called Love“, der an „rocking and rolling“ erinnert. Der Song der Band Queen entsteht 19791, mehr als 20 Jahre nach der eigentlichen Blütenzeit des Rock’n’Roll2
Was ist so Rock ’n’ Roll-like an diesem Song? Das Spiel der Gitarre ist mit „double stops“ gespickt, d.h. zwei Noten werden gleichzeitig gespielt3. Rhythmisch ist der „shuffle“ herauszuhören (Achtelnoten werden, wie oft im Jazz, verzögert zwischen den taktgebenden Viertelnoten gespielt). Die akustische Gitarre verleiht dem Song einen Touch von Country-Musik; typisch Rock’n’Roll. Freddies Stimme springt, schleppt, der Stil ist am Rhythm’n‘Blues orientiert, die Basis des Rock’n’Roll. Teile der Performance erinnern an Elvis – die Verkörperung des Rock’n‘Roll schlechthin. So auch der Text des Songs: Besungen wird neben Liebesstress auch der Lebensstil der Jugend als Credo. Der Interpret singt von diesem seltsamen Ding genannt Liebe, sein Schatz lässt ihn schwitzen. Doch es gilt, cool zu bleiben, per Anhalter durchs Land ziehen. Damit setzt der Song bei der Essenz des Rock’n’Roll an, in dessen Dekade erstmals ein Musikstil ausschliesslich für die Jugend entstand, sich von der Elterngeneration abgrenzend, als Ventil und Symbol für die Irrungen und Wirrungen der Adoleszenz.
(LCI)

Abbildung: http://fc08.deviantart.net/fs8/i/2005/298/f/f/Crazy_little_thing_called_love_by_argentinian_queen.jpg

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Crazy_Little_Thing_Called_Love
  2. Simon Reynolds(2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To Its Own Past. London: Faber & Faber; 276-308.
  3. John Covach & Andrew Flory (2012): What’s That Sound? An Introduction To Rock And Its History. W. W. Norton & Co.; S. 74–153

Und der Vogel surft immer noch…

cramps

The Cramps – Gravest Hits 1979 Cover

Mit einem Rock’n’Roll-Hit die alten Zeiten aufleben lassen und der “lumpen music of the present (stadium metal) and its gentrified alternative (post-punk)” (Reynolds: 298) aus dem Weg gehen, das wollten The Cramps mit ihrer 1979 erschienenen EP und „Surfin’ Bird“ erreichen. Den Klassiker aus 1963 von The Trashmen, zwei Jahre zuvor bereits von den Ramones gecovert, haben The Cramps nochmals aufgenommen und ihren eigenen Standards angepasst. Der Surfsound bekam einen schon fast psychedelischen Tremolo an der Gitarre und einen verstärkten Reverb am Mikrofon. Den Bass liessen sie bei diesem Lied gleich ganz weg. Und mit über fünf Minuten verkündeten sie im Gegensatz zum Original auch fast doppelt so lange das Wort, bis es gegen Ende des Songs mehr einem Stöhnen ähnelte. Die Sexualität regte sich und der Rock’n’Roll der späten 50er und frühen 60er lebte auf. Der Vogel durfte nochmals surfen, und tut dies in der Popkultur bis heute. (mj)

Quellen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Gravest_Hits (27.10.2013)

http://en.wikipedia.org/wiki/Surfin’_Bird (27.10.2013)

http://en.wikipedia.org/wiki/The_Cramps (27.10.2013)

Simon Reynolds (2012): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber.