Falco: Rock me Amadeus – Video (1985)

Die schwarze Kutsche fährt vor die barocken Tore eines Wiener Palais. Die Tür öffnet sich, ein Gentleman im Smoking steigt aus. Er wird von edlen Damen und Herren in schicker Rokoko-Kleidung mit freundlichen Hofknicksen empfangen. Der Herr im Smoking ist der Wiener Superstar Falco. Doch die Menge wartet auf einen noch viel größeren „Rockstar“: Wolfgang Amadeus Mozart.

Dieser vergnügt sich, mit bunter Perücke bestückt und kaugummikauend, lieber mit harten Biker-Typen in Lederjacken in der Kneipe um die Ecke statt der tobenden Menge eine Audienz zu gewähren. Während Falco als Platzhalter für den wahren „Punk“[1]dient, verteilt dieser leere Blätter an das Publikum, das in Ekstase darauf Noten zu erkennen scheint und in seinem Rausch den göttlichen Amadeus mit einem brüllenden Chor lobpreist.

Zum Schluss fährt Mozarts „Gang“ zwar in den Palais ein, der eigentliche Star glänzt aber weiterhin mit Abwesenheit. Während sich die barocke Gesellschaft mit den Rockern mischt und sich einem Rausch zweier verdrehter Jahrhunderte hingibt, setzt Falco sein Lied, von der feiernden Menge unbeachtet und in den Hintergrund gedrängt, bis zum Ende fort.

Das Video zum Lied „Rock me Amadeus“ wurde 1985 von den Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher produziert. Falco spielt darin eine Doppelrolle: Zum einen verkörpert er den Wolfgang Amadeus Mozart des 20. Jahrhunderts und den modernen Falco im Smoking in einer Art Rokoko-Zeit.[2] Der Song basiert lose auf den Film „Amadeus“ von Milos Forman, der 1984 erschien und eine wahre „Mozart-als-Rockstar“ -Hysterie in Wien auslöste. Einerseits parodiert Falco in seinem Song diese Neubetrachtung des Wunderkindes der klassischen Musik, andererseits nimmt er auch seine eigene kometenhafte Karriere und den Kult um seine eigene Person auf die Schippe. „Rock me Amadeus“ war das erste und bislang einzige deutschsprachige Lied, das sowohl in den amerikanischen Billboard Charts als auch in den britischen UK Top 40 die Spitzenplatzierung erreicht hatte.[3]

(mak)


Quellen:

[1] lyricsfreak: http://www.lyricsfreak.com/f/falco/rock+me+amadeus_20052765.html (abgerufen am 20.11.13)

[2] Falco wird Weltstar: http://www.falco.at/index.php option=com_content&view=article&id=62&Itemid=74 (abgerufen am 20.11.13)

[3] Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Rock_Me_Amadeus (abgerufen am 20.11.13)

(Ironie der) Anti-Ironie: The Reivers (Zeitgeist) – „Translate Slowly“ (1985)

Was lief schief? Obwohl plötzlich aus dem Nichts eine Welle von neuen Bands aus Austin anrollte und MTV und die „Rolling Stone“ prompt rechtzeitig vor Ort waren, um einen potentiellen musikalischen Tsunami von Geburt an zu dokumentieren, brach die Welle an den Klippen des Mainstreams. 0000455450_500Die erfolgreichste Austin Band war The Reivers (1987 wegen einem rechtlichen Konflikt mit einem Namensvetter von Zeitgeist in The Reivers umbenannt). Diese Bands werden der Strömung ‚New Sincerety’ zugeordnet, die sich gegen die ironischen bis zynischen Ansichten der damals prominenten Musikgenres wie Punkrock und New Wave wandte. The Reivers erstes Album „Translate Slowly“ ist ein Amalgam von Rock, Folk und Jangle Pop mit einem Hauch von Alternative. Spätestens bei der stilistischen Zusammensetzung jedoch, klingeln die Glocken wacher Sinne, denn die Anti-Ironie verweist in ihrem musikalischen Rückgriff trotz ihrer Kritik an der postmodernen Ironie  auf die Popmelodien der 60er Jahre – eine Art Ironie der Anti-Ironie also.

Während der Gitarren-Sound in „Translate Slowly“ die Grundmelodie untermauert, kreiert das Schlagzeug in einer hektischen Manier einen eigenen Stil, der The Reivers von anderen Bands unterscheiden lässt. Die Songtexte gleichen literarischen Verweisen eines Anglistik Studenten und sind in gewisser Hinsicht impressionistisch – gleichermassen poetisch, amüsant und ernst. Es wird aber stets gemieden, eine gradlinige Geschichte in den Songs zu erzählen, stattdessen wird ein Ansatz verfolgt, der aufrütteln soll (vgl. „Freight Train Rain“ oder „Cowboys“). Es scheint, als ob The Reivers die Fangstellen des Folkrocks-Revivals umschifft und die Musik mit ihren eigenen Ideen geflutet haben. Trotzdem hat die Band mit keinem ihrer vier Alben kommerziellen Erfolg erreicht. Es spricht vieles dafür, dass die Ziele der ‚New Sincerety’ Bewegung, die in gewisser Hinsicht stark wie ein Rückgriff auf die Hippie-Ästhetik der 60er Jahre erinnert, nicht mit Kommerz vereinbar sind. Wie Ralf von Appen (Musikwissenschaftler an der Universität Giessen) vermutet, spielt bei kommerziell erfolgreichen Popstars die Authentizität gar keine so grosse Rolle.1 Wenn aber doch, könnte man ja Echtheit immer noch inszenieren, damit aus „turn off your mind, relax, and float downstream2,” „turn off your mind, relax, and float mainstream,” wird. (el)


Literaturhinweise:

  1. 80music.about.com: http://80music.about.com/b/2013/02/03/this-weeks-forgotten-gem-of-the-80s-the-reivers-formerly-zeitgeist-cowboys.htm (Abgerufen: 19.11.13)
  2. Allmusic.com: http://www.allmusic.com/artist/the-reivers-mn0000419947 (Abgerufen: 19.11.13)
  3. Covach, John: The Hippie Aesthetic: Cultural Positioning and Musical Ambition in Early Progressive Rock. http://www-3.unipv.it/britishrock1966-1976/testien/cov2en.htm (Abgerufen: 19.11.13)
  4. Thereivers.net: http://thereivers.net/about/press-interviews/album-reviews/review-translate-slowly-1/ (Abgerufen: 19.11.13)
  5. Thereivers.net: http://thereivers.net/about/press-interviews/articles-about-the-band/reivers-and-the-spirit-of-85/ (Abgerufen: 19.11.13)
  6. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Reivers_%28band%29 (Abgerufen: 19.11.13)

Fussnoten:

Dire Straits: Money for Nothing (1985)

Rockige Riffs und eine rauchige Stimme – Dire Straits vom feinsten!

Dire Straits - Money for Nothing

Money for Nothing Cover (Allmusic.com)

Die raue Melodie prägt sich vom ersten Moment an ins Gedächtnis ein. Wenn man jedoch genau auf den Text hört, sieht alles plötzlich ganz anders aus: Sänger Mark Knopfler singt nämlich aus der Perspektive einer Person, welche sich über das damalige Verhalten und die fragwürdigen Zustände der Musikindustrie aufregt1.

Worum es im Song geht, zeigt sich besonders klarim Musikvideo, in welchem 3D-animierte Handwerker einer Band (Dire Straits selbst) bei einem Live-Auftritt im Fernsehen betrachten. Die Arbeiter reagieren empört und wenden immer wieder ein: „That ain’t workin“. Es ärgert sie besonders, dass, während sie selbst eine harte Arbeit verrichten (Refrain: „We gotta install microwave ovens / Custom kitchens deliveries / We gotta move these refrigerators /We gotta move these colour TV’s“), die so genannten „Rockstars“ viel Geld und Ruhm dafür ernten, dass sie lediglich etwas Gitarre spielen und einen Hit auf MTV landen. Deshalb der Titel: „Money for Nothing … and chicks for free“. Mit einem Hauch von Bedauern wird hinzugefügt, dass die besagten Musiker deshalb gar nicht so blöd seien („that’s the way you do it / Lemme tell ya them guys ain’t dumb“), und dass sie selber anstatt Handwerker zu sein lieber auch hätten Musiker werden sollen („I shoulda learned to play the guitar / I shoulda learned to play them drums“).

Die Idee zu dem Song hatte Mark Knopfler eines Tages, als er in einem Elektroladen zwei Arbeiter beobachtete2, welche sich genervt über den Auftritt einer Band auf MTV unterhielten und die Mitglieder in ihrer Darbietung als „schwul“ bezeichneten (was Knopfler zur Authentizität direkt in den Text übernommen hat), wofür der Song dann aufs schärfste kritisiert und beispielsweise in Kanada verboten wurde3.

Der selbstironische Ton des Liedes zeigt sich dadurch, dass Knopfler durch die Figur eines Arbeiters die Musikszene anprangert, welcher er selbst angehört. Im Musikvideo macht sich der fiktive Arbeiter zudem über die verwöhnten und verweichlichten Rockmusiker im Fernsehen lustig, wobei die gezeigte Band Dire Straits selber ist. Es geht nur noch um die Show, das Oberflächliche, was nicht zuletzt MTV zu verdanken ist.

Musikvideo:
[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=wTP2RUD_cL0[/youtube]

Songtext:
z.B. auf Azlyrics.com

Weitere Infos zum Titel:
– Eintrag Wikipedia (en)
– Eintrag auf Musikzimmer.ch
– Eintrag von Soundonsound.com

(mwu)

  1. http://www.jochenscheytt.de/popsongs/moneyfornothing.html
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Money_for_Nothing
  3. http://www.rollingstone.com/music/news/dire-straits-money-for-nothing-banned-in-canada-20110114