Werkbeschreibung: Gil Scott-Heron mit „I’m New Here“

 

Es ist spät. Er ist alt. Das Leben zieht in Bildern vorüber, eingebrannte Erinnerungen. Jeder hat seine Eigenen…

Sie läuft noch, die Zeit, gemächlich. Gitarrenseiten zählen Sekunden. Das Licht scheint aus der hinteren unteren Ecke. Schatten werden lang. Die Bilder laufen weiter, der Wand entlang und über die Tasten des Klaviers, das keinen Ton von sich gibt.

Der Mann auf dem Drehstuhl erzählt die Geschichte: Vom Leben, davon wer man ist, wen man sein will und kann. Er besingt die Möglichkeit umzudrehen und dem Leben eine neue Richtung zu geben: „Turn around“. Er erzählt fasziniert vom Gedanken, wieder neu an einem Ort sein zu können. Der Schalk steht ihm ins Gesicht geschrieben ob dieser grandiosen Idee. Die erkannte Chance, sich immer wieder selbst zu erfinden, sich zu häuten wie eine Schlange. Fast schon rebellisch spottet er sich erst verrückt um anschliessend mit gerecktem Kinn zu kontern, dass er nicht vernünftiger sein kann als er ist. Besungen wird das faszinierende Spiel des Inszenierens. Und immer bleibt die Möglichkeit sich umzudrehen. Egal was passiert ist. Er kann dem Leben immer wieder neu begegnen und eine neue Chance erhalten.

Doch dann schweift der Blick ab. Die Augen werden halb geschlossen. In tiefer Tonlage entfaltet sich das Timbre der Männerstimme.

Die Seiten der Gitarre zupft der Gitarrist noch immer. Das Tempo ist unverändert. Nur der Text gleicht mehr und mehr einem Mantra: „Turnaround, turnaround, turnaround – And you may come full circle. And be new here again.“

Gil Scott-Heron war mehr als ein Musiker. Seine beinahe gesprochenen Texte sind poetische Geschichten, die aus einem bewegten Leben erzählen. (mwa)

JD McPherson: North Side Gal (2012)

McPherson's howling vocals hail from a nitty, gritty, bygone era

Wenn sämtliche Gesetze der Biologie ausser Kraft wären und  es sich zugetragen hätte, dass Chuck Berry mit Little Richard ein Kind gezeugt hätte, dann würde dessen Stimme vermutlich so klingen wie die von JD McPherson.

In Wirklichkeit ist JD McPherson 1977 in Broken Arrow, Oklahoma geboren und kam dank seinem Vater bereits früh in Kontakt mit der Musik der Rock’n’Roll-Grösse Buddy Holly.1
Allerdings machte McPherson erst einen Abstecher in die Punkmusik und versuchte sich danach noch in der Kunstszene Tulsas bis er schliesslich zu der Musik kam, die er heutzutage macht.2

Das Lied „North Side Gal“ erschien 2010 auf JD McPhersons Debütalbum „Signs and Signifiers“. Der Song klingt, als hätte er in den 50er Jahren laut aus den Autoradios der coolen Kids gedröhnt. Durch den bluesigen Rhythmus, kreiert durch Schlagzeug, E-Gitarre und  Bass, entsteht ein Rock-’n’-Roll-Stück, das stark an die Wurzeln dieses Genres erinnert, an Begründer wie Fats Domino, Little Richard und Elvis Presley.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=aZGn4LncY0g[/youtube].

Das Lied erweckt das Gefühl, in eine Zeitmaschine gestiegen und zurück in die 50er Jahre gedüst zu sein und ist somit ein aktuelles Beispiel für das ‚ewige‘ Rock-’n’-Roll-Revival der letzten fünfzig Jahre.

(dm)

  1. Danton, Eric R: Album Stream: JD McPehrson, ’Signs & Signifiers’.

    http://www.rollingstone.com/music/news/album-stream-jd-mcpherson-signs-signifiers-20120417 (Abgerufen: 28.10.13)

  2. Bowers, Paul: JD McPherson heats up ’50s rock ’n‘ roll in a punk pressure cooker.

    http://www.charlestoncitypaper.com/charleston/jd-mcpherson-heats-up-50s-rock-n-roll-in-a-punk-pressure-cooker/Content?oid=4642696 (Abgerufen: 28.10.13)

Foals: Total Life Forever

Albumcover des Foals Album "Total Life Forever"Knapp zwei Jahre liegen zwischen dem Debüt „Antidotes“ und dem neuen Foals Album. In diesen Jahren wurde an ihren Konzerten viel getanzt und viel Bier verschüttet. Bei „Total live forever“ haben Foals das Tempo merklich gedrosselt. Heisst das nun Feuerzeug statt Bier?

6 Minuten und 50 Sekunden, so lange dauert „Spanish Sahara“ die Vorabsingle von „Total Live Forever“. Knapp sieben Minuten, in denen der Song gemächlich aufbaut und mit unnachgiebigen Gitarren seinen Höhepunkt erreicht. Dies ist deshalb so erwähnenswert, da Foals auf ihrem Erstling noch mit kurzen, streng getimten Songs überzeugten. Auf ihrem Nachfolger lassen sie sich mehr Freiheiten und nehmen sich dafür auch die Zeit: Ganze drei Songs durchbrechen die 6 Minuten Grenze.

Auf dem Opener „Blue Blood“ mischt sich die überraschend sanft erklingende Stimme des Frontmann Yannis Philippakis mit spährischen Gitarren. In „This Orient“ liessen sie sich vermutlich von ihren Tourpartnern „Bloc Party“ insprieren, denn dieser Song hätte genauso auf dessen Album „Weekend in the city“ erscheinen können. In “Black Gold“ zeigen sich wieder die altbekannten Foals, mit dem Hang zum Disco-Punk und der streng, mathematischen Rhythmik. Textlich wirkt das Album ernster als sein Vorgänger. “The future’s not what it used to be” ertönt es in “Black Gold”, „I know a place, where I can go when I’m low down“ in „Total life forever“.

Insgesamt entwickeln sich Foals in „Total live forever“ weiter: Die Lyrics sind tiefgründiger geworden und die Melodien eingängiger. Die Stärken des Albums sind die monumentalen, aufbauenden Songs, allen voran „Spanish Sahara“. Dennoch wird auch bei der Tour mit dem Zweitling keine Tanzfläche leer bleiben.

Puls Films, Foals – Spanish Sahara, 28.4.2011, http://vimeo.com/22990179 (Abgerufen am 19.11.2013).

LM.C – Wonderful Wonderholic

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Künstler: LM.C

Line-up: maya/ vocals ; Aiji/ guitar

Album: Wonderful Wonderholic

Medium: CD

Stil: Rock/elektronischer Pop, von ihnen selbst wird ihr Stil als „new century electrorock“ bezeichnet.

Label: PONY CANYON MUSIC INC.

Erschienen: 2010

Spieldauer: 51 Minuten

 

CD: Tracklist

1. ~A Sound Odyssey~ (0:46)

2. GHOST † HEART (3:35)

3. Space Wannabiez (3:36)

4. mosaïque city (3:39)

5. The Midnight Museum 4 (4:12)

6. DAYS (WFWH mix) (3:50)

7. ~Time Warp Reel~(0:50)

8. EDO FUNK (3:40)

9. Optimisland (2:59)

10. pOlyLifE (4:23)

11. meteorion (4:32)

12. PUNKY HEART (3:53)

13. 僕らの未来。(5:41)

14. It’s a Wonderful Wonder World (5:01)

 

Das zweite Studioalbum des japanischen Musikduos enthält typische elektronische Pop und Rock Elemente, aber auch interessante neue experimentelle Tracks.

Am Anfang des Ganzen steht ein Intro: ~A Sound Odysee~ baut Spannung auf, mit den zu Beginn feinen harfen-ähnlichen Klängen, die jedoch gegen Ende immer stärker werden. Abrupt endet das Intro, aber schon geht es rasant weiter. Mit GHOST HEART und Space Wannabiez folgen zwei rockige und sehr melodische Nummern, die eine verfemdete Atmosphäre kreiren – wie es auch sein soll, wenn die Lyrics in Betracht gezogen werden (‚I wish you were here and I could die, for you, but I am already dead’ – GHOST HEART). Gut zur Geltung kommt – wie in so ziemlich all ihren Songs- das Gitarrenspiel von Aiji, in Form von schönen, passenden Solos.

Wenn jedoch die ersten Takte von DAYS erklingen, kommt schnell die Erkennntnis, dass hier zwar immer noch auf Rock und elektronische Musik gesetzt wird, doch auch zwischendurch plötzlich sanftere, weichere Melodien angeschlagen werden. Es kündigt sich ein Wechsel an, der auch tatsächlich kommt, und zwar in Form eines kurzen Instrumentaltracks: ~Time Warp Reel~. Daraufhin folgt eine Begrüssung in Form von ganz anderen Klängen, wie dies der Fall war auf dem ersten Teil der CD. Mit EDO FUNK kommt ein sommerlicher gute Laune Song, der experimentiert mit traditionellen japanischen Instrumenten (wie Shakuhachi oder Taikotrommeln) und diese perfekt mit dem Gitarrenspiel und dem Elektronischen verbindet.

meteorion ist der erste balladenähnliche Track auf dem Album. Er fängt sanft an, wird lauter und es kommt zu einem schönen melodischen Zusammenspiel von rockiger Gitarre und ruhiger Gesangsstimme. Dann folgt ein Aufrütteln: PUNKY HEART, eine Hymne der Band, kommt rockig, frech und unglaublich dynamisch daher. Die Lyrics, die vom nicht-Aufgeben und vom sich-selbst-treu-sein handeln, werden durch die rebellisch wirkende Musik sehr schön wiedergegeben.

Nun folgt der einzige japanische beschriftete Titel des Albums: 僕らの未来。(gelesen wird dies bokura no mirai. Zu Deutsch in etwa ‚Unsere Zukunft‘). Dieser Track ist eine sehr schöne Ballade, die melodisch ist und kräftig daher kommt. Die Stimme von maya wechselt sich ab mit der Gitarre von Aiji und zusammen ergibt dies ein Stück von dynamischer, aber sanfter Kraft, welches zum Träumen einlädt

Mit It’s a Wonderful Wonder World lässt die Band am Ende noch einmal den Slogan des Albums aufleben. Gekennzeichnet ist er durch eingängige Melodien, Gitarrensounds und der einzigartigen Stimme von maya.

Quellen:

Album-Cover: http://www.japanfiles.com/images/detailed/0/lm_c-wonderful-wonderholic-300.jpg