Connan Mockasins Zuckerstück: Caramel

Man nehme ein wenig Soul, ein wenig R’n’B, eine Stimmlage, die teils beinahe die Grenze des Hörbaren überschreitet, eine grosse Portion Gefühl, etwas zuckersüsse Melodie, eine breit gefächerte Ton- und Geräuschkulisse, einen den Moment lebenden Virtuosen und gebe alles in einen Synthesizer. Dann erhitze man das Gemengsel unter ständigem, unkonventionellen Rühren bis es nach 39 Minuten und 38 Sekunden die ersehnte Konsistenz eines Albums hat: Fertig ist Caramel!

Doch während Connan Mockasins zweites Album, das im Jahr 2013 beim Label Phantasy Sound1 erschien, zwar weniger eine süsse Versuchung für deinen Magen ist, ist es dafür um so mehr Balsam für deine Ohren, katapultiert deinen Geist in die Schwerelosigkeit und schickt deine Gedanken auf Wanderschaft.

Caramel – diesen Titel bestimmte Connan Tant Hosford für sein Werk schon bevor er auch nur einen einzigen Ton aufgenommen hatte und das aus ganz einfachem Grund: Er mag das Wort! Der neuseeländische Musiker lebt nach der Philosophie „Die erste Idee ist die Beste!“ und sein Album Caramel ist die Manifestation dieser Lebenseinstellung.2 Von Delphinlauten und Ozeanblubbern in „Nothing lasts forever“, herzerwärmenden Tonabfolgen in „Caramel“, verstörendem Voyerismus und funkigem Sound in „I’m the man, that will find you“, einer fünf Titel langen Komposition von Outer-Space-Erfahrung, Autocrash und Herzschmerz in „I’ts your Body“(1–5) bis hin zu Connans letzten Worten des Albums im Titel „I wanna roll with you“: Und um Connans letzte Worte gleich aufzunehmen: „Thank you very much!“! Das Album bildet in seiner Rohfassung ein unglaublich geniales Ganzes, das mit seiner Einzigartigkeit Bekanntes unbekannt werden zu lassen vermag.

Songbeispiel: I’m the man that will find you

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Teyy1A_AJso[/youtube]

Action Bronson: Blue Chips 2 (2013)

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Eine ruhige, langweilige Autofahrt, im Radio läuft irgend ein Lied, nichts Besonderes. – Doch dann beginnt jemand auf dem Rücksitz zum Lied aus dem Radio zu rappen. Es ist vorbei mit der Ruhe, der Langeweile weicht Gelächter und der Unterhaltungswert der Fahrt steigt.
Action Bronson müsste dieser Jemand sein, der mit einer Leichtigkeit über die von Youtube stammenden Samples rappt.1 Party Supplies, der das Album produziert hat, macht sich nicht die Mühe, die Herkunft seiner Samples zu vertuschen. Eher umgekehrt. So rapt Bronson im Lied Silverado leicht erkennbar über den geloopten Anfang von Elton Johns „Island Girl“, in „Pepe Lopez“ über den Partyhit „Tequilla“ von the Champs,  und  in „Through the eyes of a G“ über den geloopten Beginn von Quincy Jones „Summer in the city“.2 Neben der leichten Erkennbarkeit der Samples, sind es aber vor allem die Reime, die den grossen Unterhaltungswert des Mixtapes ausmachen. Auch wenn die sonst so üblichen Foodporn Referenzen spärlicher ausfallen, so rapt er immer vor allem über das Highwerden, Nutten charmieren und Geld schmuggeln3 Aber nicht nur; die eingestreuten Metaphern, zur rapüblichen Selbststilisierung, sind oft von einer seltenen Absurdität und seine Punchlines kommen oft ohne dramaturgische Klimax aus dem Nichts. Zum Glück kommt dabei auch die Selbstironie nicht zu kurz, wenn er rappt, „why the fu** would i have a bodyguard, when I look like the muthafu**ing bodyguard“.

Action Bronson, der Sohn eines albanischen Immigranten und einer New Yorker Jüdin, dessen Stil oft mit dem von Ghostface Killer verglichen wurde, emanzipiert sich zusehends von diesem Vergleich und manifestiert mit diesem Mixtape seine Eigensinnigkeit. Es ist sein achtes Projekt in den letzten drei Jahren und bei so einem Output muss man mitunter zügig arbeiten. Dies hört man Blue Chips auch an, es ist kein konzeptionell durchdachtes Album. Frei vom Anspruch ein Meisterwerk liefern zu müssen, ist es vielmehr ein Mixtape, dass mit einer eigenwilligen Leichtigkeit daherkommt und mit einer Prise Absurdität bestens unterhält. (Stg)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=O5KtVd07fcc[/youtube]

Wooden Shjips: Back to Land (ma)

Wooden Shjips

Wooden Shjips

Wooden Shjips ist eine Band aus San Francisco, den USA, die zu den populärsten neuen Bands des Psychedelic Rocks zählt. Die Amerikaner haben ihr letztes Album Back to land im Oktober 2013 veröffentlicht. Es ist das erste Album, das ausserhalb von San Francisco entstanden ist. Der Umzug der Band nach Portland scheint seine Spuren hinterlassen zu haben. Das Sound-Reportoire der Band hat sich verändert.1

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Das Album: Back to Land

Das Musikalbum überrascht mit acht Songs, die auf der Grundlage von vorwärtstreibenden Schlagzeugsounds aufgebaut sind, sowie mit „verzerrten Fuzz-Gitarren mit langsamem Flanger-Effekt, repititiven Orgel-Linien und Gitarrensoli, die als kurze Einsprengsel wie Erinnerungsfetzen aufblitzen.“2 Back to Land wird von vielen Musikkritikern als perfekter Kompromiss zwischen Drone-Kunst und Hippie-Melodien bezeichnet. Zum ersten Mal trauen sich die vier Amerikaner aus ihrem düsteren Drogensound heraus und präsentieren einprägsamste Melodien.3 Obwohl Psychedelic- und Space Rock weiterhin das Grundgerüst der Songs bilden, erweitert die Gruppe auf dieser Platte ihr musikalisches Spektrum, indem sie sich teilweise an alternativen oder an klassischen Rock annähern.4 Im Vergleich zu früheren Platten wie z.B. West ist der Sound hier um einiges heller, klarer und harmonischer, wie bei dem Titeltracks des Albums Back to Land 5:

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[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=o5qddnGj3f0[/youtube]

Obwohl sich der Horizont des Quartetts musikalisch und geografisch deutlich erweitert hat, bleiben Wooden Shjips eine tolle Band, die interessante Musik für die zahlreichen Fans aktuelle psychedelischer Musik machen.[6]


Four Tet: „Beautiful Rewind“ (2013)

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„No pre order, no youtube trailers, no itunes stream, no spotify, no amazon deal, no charts, no bit coin deal, no last minute rick rubin“1 – mit diesen Worten kündigte Four Tet im July 2013 sein neues Album auf Twitter an.

Das im Oktober erschienene Werk erinnert an einen akustischen Van Gogh mit distinkter musikalischer Textur und psychedelisch luftigem Gefühl. Kieran Hebden und Van Gogh teilen beide die Faszination, verschiedene (Klang)Farben und Beschaffenheiten zu einer schlichten Komposition verschmelzen zu lassen. Mit einer schier grenzenlosen Kreativität mischt Kieran Samples aus verschiedensten Stilrichtungen wie Hip-Hop, Electronica, Techno, Grime, Jazz, Folk und Jungle zu inspirierter House-Musik. Mit selbst eingespielten Schlagzeugsampeln und einfachen Gitarrenharmonien wird diese Platte zu Hebdens ganz persönlicher, pasticheartigen Hommage an die House-Subkultur.

ft_text025lp_beautifulrewind_550pxDie etwas chaotische und urbane Eröffnung durch „Gong“, einer Kollaboration mit Burial, wird durch das mechanische Geklimper und die dampfige Stimmung von „Parallel Jalebi“ etwas beruhigt. „Kool FM“ spielt auf eine legendäre UK-Piraten-Radiostation während der Rave- und Jungle-Ära an und abstrahiert den abgehackten Rhythmus und den kernigen Sound der Masters of Ceremonies der Zeit.2 „Aerial“ präsentiert sich als tanzbare, kreative und psychedelische Mischung zu konstanten Rhythmen, wenn auch die gesprochenen Fetzen soweit verfremdet wurden, dass sie zu einer unfokussierten Geräuschkulisse werden. Im Gegensatz dazu steht „Unicorn“, ein schimmernder Pool aus verschiedenen Melodien, bei dem Hebden als Zauberer von OZ hypnotische Kräfte entfesselt und ein musikalisches Dampfbad erzeugt. Die einzelnen Elemente von „Beautiful Rewind“ sind zu einer Klang-Collage zusammengeschnipselt worden und vereinen sich als eine rastlose, romantische Erinnerung an vergängliche Augenblicke der neueren Popmusikgeschichte – als träumerischen Chillout-Moment für 2013 nur zu empfehlen.

Four Tet: Beautiful Rewind

Tracks: 1. Gong (3:14), 2. Parallel Jalebi (3:53), 3. Our Navigation (3:53), 4. Ba Teaches Yoga (3:19), 5. Kool FM (5:09), 6. Crush (2:25), 7.Buchla (4:11), 8. Aerial (5:56), 9. Ever Never (0:31), 10. Unicorn (3:30), 11. Your Body Feels (4:03)

Label: Text Records

Spieldauer: 40:04

Erschienen: 15. Oktober 2013

(el)


Literaturhinweise:

  1. Battaglia, Andy: http://www.rollingstone.com/music/albumreviews/beautiful-rewind-20131018 (Abgerufen: 15.06.2014).
  2. Gaerig, Andrew: Four Tet – Beautiful Rewind. http://pitchfork.com/reviews/albums/18649-four-tet-beautiful-rewind/ (Abgerufen: 15.06.2014).
  3. Kellman, Andy: Four Tet – Beautiful Rewind.   http://www.allmusic.com/album/beautiful-rewind-mw0002579685 (Abgerufen: 15.06.2014).

Fussnoten:

Review: Pearl Jam „Lightning Bolt“ 2013

Gut Ding hat Weile… nach diesem Motto hat die Grunge-Band Pearl Jam gemeinsam mit dem Produzenten Brendan O’Brien nach über drei Jahren Produktionszeit ihr jüngstes und zehntes Album „Lightning Bolt“ veröffentlicht. Wie ein Blitz ist das neue Werk jedoch nicht eingeschlagen und musste einige Kritik einstecken. In der Überbrückungszeit zwischen den Neuveröffentlichungen gab es Re-releases von alten Werken und Sammelalben, was die Fans freute, nicht jedoch die Musikkritiker.

Pearl Jam, Lightning Bolt, Cover

Lightning Bolt Cover ©Pearl Jam

 

Hier nun einige Gründe, warum es sich dennoch lohnt, das Album ganz durchzuhören:

1. Eddie Vedders Stimme: Nur wenige Männer haben eine solch voluminöse und tiefe Stimme, selbst die Schreie tragen Melodien in sich! Trotz Lautstärke kann der Sänger stimmlich an die Emotionalität seiner Soloprojekte anknüpfen.

2. Gitarrensoli: Saiten klirren, schwingen und singen, wie in alten Zeiten. Trotz einiger Pianoriffs und Synthesizerklänge dominiert die Gitarre: Sie unterstützt das Leiden, den Ärger oder das Glück in der Stimme und übernimmt diese Emotionen oft in einem Solopart, bei ‚Sirens’ sogar im Doppel: elektronisch und klassisch.

3. Abwechslungsreiche Lautstärke: Das Album wirkt von A bis Z durchdacht. Es ist eine ideale Kombination von laut und leise. Mal sind die Songs wild, mal ruhig, mal beides. Laute Drums und harte Griffe in die Saiten werden von samtiger Stimme und klassischer Gitarre abgelöst. Obwohl das Album teils stark an kalifornischen Poprock erinnert mit Sonne, Sommer und Spass, wird es durch depressiven Dauerregen und bombastische Gewitter mit Blitz und Donner aufgelockert.

 

http://www.youtube.com/watch?v=jWQYYavheUA

 

„Lightning Bolt“ kann gut über Kopfhörer, auf voller Lautstärke im Wohnzimmer oder live am Konzert gehört werden. Das Konzept wirkt frisch: kombiniert werden alte Grungeelemente mit kalifornischem Rock, philosophischen Texten und einer tragenden Bassstimme. Pearl Jam hat zwar nichts neu erfunden, dafür Altes auf eine angenehme und clevere Weise aufgefrischt und wieder zusammengefügt.

Pearl Jam „Lightning Bolt“ | Monkeywrench | 2013 | Dauer: 47:14

Review: Katy Perry – PRISM (2013)

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„PRISM“, erschienen am 18. Oktober 2013, ist das vierte und neuste Album der US-amerikanischen Pop-Sängerin Katy Perry.1 Im Gegensatz zu ihrem vorhergehenden Album „Teenage Dream“ (erschienen 2010) wirkt „PRISM“ erwachsener und reifer, die zentralen Themen des Albums sind das Leben in der Gegenwart, Beziehungen und Selbstbestimmung.2 Dies zeigt sich unter anderem auch bereits schon am Cover, welches nicht mehr im quietschbunten Candy-Look daherkommt, sondern Katy Perry von einer natürlicheren Seite zeigt.

„Roar“ ist die erste Single, welche bereits im August vor dem Album veröffentlicht wurde.3 Die poppige Mid-Tempo Nummer ist wohl einer der eingängigsten Tracks auf „PRISM“. Einflüsse verschiedener Rock-Subgenres, wie beispielweise dem Folk Rock, Arena Rock oder Glam Rock, sind auszumachen.4 Im dazugehörigen Musikvideo sind deutliche Retro-Indizien erkennbar, startet es doch schon mit dem Indiana-Jones-Schriftzug und steht ganz im Zeichen eines klassischen Abenteuerfilms.

Neben klassischen Pop-Elementen ist auf „PRISM“ ein starker Einfluss des gegenwärtigen Electropops spürbar, speziell in den Stücken „Walking on Air“ und „This Is How We Do“. Shirley Halperlin beschrieb letzteres als einen „sunny 80s throwback“-Song.5 Dies liegt nicht zuletzt an dem schwedischen Songwriter Klas Åhlund, der auch für seine Zusammenarbeit mit Pop-Grössen wie Robyn oder Madonna bekannt ist. Åhlund wirkte als Co-Writer sowie Produzent an „PRISM“ mit.6Auch in weiteren Songs sind klare Electro-Elemente zu erkennen, wie unter anderem in der 2. Singleauskopplung und Pop-Rock-Ballade „Unconditionally“.

Der poppige respektive Electropop-Stil wirkt nicht eintönig. So bietet „Dark Horse“ (feat. Juicy J) einen Electro-Hip-Hop-Trap-Mix7und „Legendary Lovers“ vereint Einflüsse aus Country und orientalischer Musik8. „PRISM“ kommt mit seinen vielseitigen Bezügen als abwechslungsreiches und durchaus hörenswertes Electropop-Album daher. (bw)

The Avett Brothers – Magpie And The Dandelion

Gemütliche Lagerfeuer-Atmosphäre, eingängige Gespräche unter Freunden und fröhliches Beisammensein: Magpie and the Dandelion, das neue Album der Avett Brothers stahlt Intimität aus. Trotz sieben vorangegangenen Alben scheinen den Folk-Rock-Jungs die Ideen für tolle Songs noch lange nicht auszugehen.

Gerade mal ein gutes Jahr nach ihrem letzten Album The Carpenter veröffentlicht die Folk-Rock-Band The Avett Brothers ihr achtes Album Magpie and the Dandelion. Die Songs dazu entstanden schon während den Aufnahmen des vorangegangenen Albums. Die berechtigte Befürchtung, in diesem Werk könnten sich bloss die gesammelten Mängelexemplare der letzten Studio-Session wiederfinden wird aber glücklicherweise nicht bestätigt. Melancholische Cowboy-Akkorde und Harmoniegesang treffen auf fröhliche Tanzmusik und die Avett Brothers spielen sich direkt in unser Herz.

Das Album startet poppig und fröhlich mit „Open-Ended Life“. Mundharmonika, Banjo, Fiedel und Gitarre lassen es krachen und machen Lust auf mehr. Der Text handelt vom Streben nach verantwortungsfreier Heimatlosigkeit, der Freiheit, alle Zelte abzubrechen und zu reisen. Darauf folgen verschiedene Balladen, allesamt herzzerreissend und tiefgehend. Sie treffen den richtigen Nerv, geben das Gefühl, ein guter Freund teile seine Sorgen, Ängste und Erfahrungen mit. Dabei sticht „Morning Song“ mit seinem epischen Finale aus Chor, Streichern und Klavier hervor. Die dem Album vorausgegangene Single „Another Is Waiting“ unterbricht die Serie der Balladen. Der übermütige Song hat eine rockig eingängige und ausgelassene Melodie und mit dem Harmoniegesang geht die Post ab. „Bring Your Love To Me“ wirkt daneben vergleichsweise seicht und eher langweilig im Klang und wird seiner romantischen Botschaft nicht gerecht. Das wiederum ist bei „Good To You“ durch den gefühlvollen Harmoniegesang absolut gelungen. „Vanity“ überrascht dann wie „Another is Waiting“ im rockigen Kleid. So finden die Avett Brothers in diesem Album die richtige Balance zwischen Melancholie und Ausgelassenheit.

„Taken as a whole, it feels like a calmly loving missive from friends who offer wise counsel, but know well enough to interrogate their own motives along the way.“1

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Quellen

  1. Stephen Thompson: First Listen. The Avett Brothers, ‚Magpie And The Dandelion‘. www.npr.com. 08.10.2013. http://www.npr.org/2013/10/03/228941827/first-listen-the-avett-brothers-magpie-and-the-dandelion#playlist (Abgerufen: 10.01.2014)

Skeletonwitch: Serpents Unleashed (2013)

Mächtig, voller Energie knallt der erste Schlag in die Realität, gefolgt von maschinell anmutenden Gitarrenakkorden, getaktet durch das Schlagzeug. Es betont immer den 1 Schlag des 4/8 Taktes und leitet diesen dadurch ein. Dann ein Gitarrenriff, aus dem eine hauchende Stimme auftaucht. Sie treibt das Lied vorwärts und verleiht ihm durch den monoton krächzenden Sprechgesang eine unverwechselbare Note. Unmelodiös und geisterähnlich, wie aus einem Grab hervor steigend. Mit Triolen webt die Elektrogitarre die Melodie in die Komposition. Beide, Stimme und Gitarre verfolgen den gleichen Rhythmus, schaukeln sich hoch. Dann fundiert die Stimme, während die E-Gitarre zunehmend virtuoser wird und die Tonleiter hoch und runter klettert. Derweil schreitet das Schlagzeug taktgenau weiter und akzentuiert immer wieder mit den Becken.

Es ist eine neue Welt die sich da auftut: „The darker side of life“ krächzt der Leadsänger von Skeletonwitch, Chance Garnette, in das Mikrophon. Die Elektrogitarre spielt unbekümmert ihre Triolen weiter und bildet ein Gegenstück zur Stimme, nur um sich gleich wieder mit ihr zu vereinen.

In der Mitte des Stückes, nach 1 Minute und 10 Sekunden übernimmt der Bass für acht Schläge und gestaltet mit Hilfe des Schlagzeuges einen Takt, der wie ein Herzschlag anmutet. „My soul…“ sprengt plötzlich die Stimme hinein. Sie singt sich krächzend aus und verschwindet mehr und mehr bis sie verstummt. Zurück bleiben nur noch Herzschläge.

Schliesslich kehrt das Muster zurück, mächtig. In sich stimmig schmettern die Instrumente Töne, die sich zu perfekt konstruierter Musik zusammen fügen.

Erstaunlich: Solide Musik mutet da an. Was sich auf den ersten Moment wie ein Durcheinander anhört, ist in Wirklichkeit ein minutiös durchdachtes Werk. Im Interview wird es von seinem Sänger liebevoll Baby genannt.[1]

 

 


[1] Skeletonwitch: The Making of „Serpents Unleashed“ (part 2): http://www.youtube.com/watch?v=iYyn9FhHg1Y (Abgerufen 4.1.2014).

Juana Molina – Wed 21: Schräg aber schön

Juana Molina - Wed 21

Juana Molina – Wed 21

Das neue Album von Juana Molina, Wed 21, kommt gut an. Das Online-Musikmagazin Pop Matters US schrieb zum Beispiel:  „If one adjective sums up Juana Molina’s recent work, it is ‚dreamlike’… like other great popular music musicians who toe the avant-garde line—Tom Waits comes to mind, as does Radiohead—there is a vision here“.1 Das sind hohe Töne, in denen hier gesprochen wird. Doch was liegt dahinter? Um das herauszufinden gibt es nur eins: Auf den Weg durch ihr neuestes Werk!

Zuerst stellt sich die Frage: Was bedeutet eigentlich Wed 21? Ist damit Mittwoch der 21. gemeint? Tatsächlich wurde das zweite Lied, welches auch wed 21 heisst, am 21. Nov. 2011 aufgenommen. Seither habe sich der Name nicht mehr gerändert.2 Und wie klingt das Lied? Schräge Töne und schöne Melodien vermischen sich, Keys werden verzerrt, Gitarre und Hintergrundgesang in Loops versetzt und darüber schwingt Juana Molinas ruhige und sanfte Stimme, teilweise verträumt. Eingängige Rhythmen und Bassline geben der ganzen Atmosphäre eine prägnante Kontur. Mit diesen Beats und ohne Gesang könnte die Musik genauso gut einem Remake eines 8-bit Spieles aus den 80 Jahren entnommen sein, nur schöner und runder. Aber der Effekt könnte der gleiche sein: Trance-artiges mitschwingen, tanzen und geniessen (oder eben mit Ansporn und tranceartiger Musik das nächste Level spielen). Das ganze Album kommt in seiner Art sehr natürlich herüber, als wäre es ein altbekanntes, und doch überrascht es mit einer Ästhetik die nichts dem Zufall überlässt. Molina experimentiert mit neuen Sounds; es ist, als würde sie die eine Hand auf die Tasten fallen lassen und mit der anderen Effekte ausprobieren. Dabei fällt alles dorthin, wo es soll. Es klingt harmonisch, trotz Disharmonien, richtig und eingeübt, als hätte jeder Ton und jeder Effekt seinen Platz gefunden; das Ausprobieren treibt den Zufall aus den Melodien. Die Musik scheint unauffällig und dezent, und doch trommeln die Rhythmen: „Geh weiter!“

Und wo lässt sich die argentinische Singer-Songwriterin einordnen? Tendiert die Musik zu Folk oder doch zu Elektro? Aber da sind ja auch noch die Latin-Elemente. Und nicht zu vergessen die teilweise ungeraden und abgeschnittenen Rhythmen, also doch Math-Rock? „Avantgarde“ und „Vision“ erfassen es vielleicht am ehesten. Sie singt auf Spanisch, meistens jedenfalls, was bei nicht spanischsprechenden aber nicht weiter ins Gewicht fällt, denn die erschaffene Stimmung spricht für sich selbst. Und wenn sie auf Englisch singt, ist die Aussage klar: “Come, come quickly” und höre diese zauberhafte Musik. (mj)

[youtube]http://youtu.be/Cl7h3KDMJFU[/youtube]

Juana Molina: Wed 21 (2013).

 

Rezension: Lorde – Pure Heroine

LORDE – PURE HEROINE

Liest man ohne jegliche Vorkenntnisse den Titel des Albums und den Namen der Interpretin, würde man wohl nicht davon ausgehen, dass sich dahinter ein gerade einmal 17-jähriges Mädchen versteckt. Erklingen dann die ersten Töne des Songs „Tennis Court“ findet man noch weniger Gründe dafür anzunehmen, dass die Sängerin wirklich noch ein Mädchen ist.

Lorde, die in Neuseeland unter dem Namen Ella Yelich-O’Connor geborene Sängerin, ist wohl eine der ungewöhnlichsten Newcomerinnen des Jahres 2013. Ihre poppigen, von Elektro und Rap angehauchten Songs, die mit ihrer rauchigen, fast schon lustlos klingenden Stimme gesungen sind, erinnern direkt an Lana Del Rey, ohne dass sie deswegen ein Abklatsch wäre. Bekannt wurde sie übers Internet mit dem Song „Royals“. Ein einfacher Beat und ihre spezielle Stimme lassen dieses Lied direkt ins Ohr gehen.

Schon allein die Tatsache, dass die junge Frau alle Songs auf dem Album selbst geschrieben hat, beweist ihr großes Potenzial. Lorde will eine Botschaft vermitteln.
Achtet man auf die Texte, so offenbaren sich für ein so junges Mädchen sehr ernste gesellschaftskritische Töne.
Sie singt Lorde vor allem über die neue Pop-Generation – sich selbst eingeschlossen -, die nach Ruhm und Anerkennung strebt und deren Träume doch zu häufig zerplatzen. Doch gleichzeitig distanziert sich die Sängerin vom Mainstream und betont mehrmals, dass sie einfach nur gelangweilt sei.

„Don’t you think that it’s boring how people talk
Making smart with their words again, well I’m bored“
lauten die ersten Zeilen des Albums.

Es ist mutig von einer 17-jährigen, solche „Wahrheiten“ so unverblümt auszudrücken und dahinter zu stehen. Die nüchternen und teilweise sehr kalten Klänge des Albums werden zu Grundbausteinen für Erzählungen aus Lordes Teenagerzeit.
Sie steht musikalisch auf der gegenüberliegenden Seite von Teenstars wie Justin Bieber. So erzählt der Song „White Teeth Teens“ von Jugendlichen, die mit ihren weißen Zähnen für Perfektion in der medialen Öffentlichkeit stehen und einfach nur glatt gebügelt sind. So möchte Lorde nicht sein und das kaufen ihr ihre Fans in jeder Sekunde ab.

Dennoch ist zu vermerken, dass man in jedem Song des Albums ähnliche musikalische sowie lyrische Komponenten entdeckt. Trotz dem sehr reifen und rebellischen Unterton, welcher sich durch das gesamte Werk zieht, bleibt ein teilweise oberflächlicher und fader Nachgeschmack.

(Lh)

Rezension zum Album „Moon Landing“ von James Blunt

Cover: http://media.exlibris.ch/covers/0825/6464/1931/9/0825646419319xxl.jpg

Melancholie, Texte über Liebe, Schmerz und Hoffnung das ist die Musik von James Blunt. Auch sein viertes am 18. Oktober 2013 erschienenes Studioalbum „Moon Landing“ passt in eine Reihe solcher Alben über Herzschmerz und Liebe.

Der Albumtitel „ Moon Landing“ lässt auf etwas eher Exploratives hoffen, ein Vordringen in unbekannte Gebiete. Doch mehr als eine Reise in eine unbekannte Welt ist Moon Landing eher eine Reise in die eigene Vergangenheit, des Singer/Songwriters. Das Album hat viele Parallelen zu seinem Debütalbum „Back to Bedlam“. „Moon Landing“ führt zurück zu den Wurzeln von James Blunt, und zwar, wie er selber sagt, an einen Punkt, wo ihm die Musik Kraft gab, seine Emotionen auf ganz pure und aufrichtige Art auszudrücken.1

Den Titel hat er nach eigenen Angaben gewählt, weil eine Mondlandung für ihn wie die erste Liebe ist. Also so unfassbar, wenn wir es erlebt haben, gleichzeitig aber auch traurig, weil wir dieses Gefühl auf diese Art und Weise nie wieder erleben können.2

Beim Hören dieses Albums hat man das Gefühl, James Blunt möchte auch nach 17 Millionen Platten immer noch versuchen, die Menschen mit seinen Texten und seiner Musik zu berühren und zu zeigen, wie ehrlich er es meint. Der ehemalige Soldat macht Musik für die Seele.

Auch wenn auf dem ganzen Album klassische Instrumente wie Gitarre oder Klavier dominieren, wagt sich James Blunt im Lied Postcards, das durch die Klänge einer Ukulele begleitet wird, an für ihn etwas eher Experimentelles. Mit der ersten Singleauskopplung „Bonfire heart“ riskiert Blunt nicht viel. Es ist der altbekannte und bei den Fans auch schon sehr beliebte Sound.

Im Grossen und Ganzen enthält das Album wenig wirklich Neues, es ist der gewohnte gefühlvolle Sound, den wir von James Blunt kennen. Fans werden dieses Album genau deswegen lieben. (jl)

 

The Melvins – Tres Cabrones (2013)

melvins-tres-cabronesWie veröffentlicht eine Band mit 30-jähriger Geschichte und mehr als zwanzig Alben ein Debüt? Die Melvins haben mit „Tres Cabrones“,  ihrem 22. Album, dem 19. Studioalbum genau das getan. Originaldrummer Mike Dillard, extra für dieses Album zur Band zurückgekehrt, kommt nun endlich auch offiziell zu Veröffentlichungsehren, war er doch bislang nur auf Demos und Bootlegs zu hören.[1] Musikalisch gesehen enthält das Album eine gelungene und im Grunde auch logische Mischung von Musik, die so ziemlich sämtliche Facetten des Melvins-Universums abdeckt. Zum einen die frühen Sludge Elemente, welche für die Enstehung des Grunge so wichtig waren, aber auch die ausufernden, teils psychedelischen Rockparts späterer Tage und natürlich die humoristischen, fast schon avantgardistischen Momente, die immer schon integraler Bestandteil der Band waren.[2] Einzelne Songs hervorzuheben würde dem Album daher nicht wirklich gerecht werden. Pink Floyd-Paraphrasen werden aufgebrochen von Gitarrenattacken, die Black Sabbath oder Black Flag ebenso gut gestanden hätten. Jimi-Hendrix-Zitate werden verbunden mit der rohen Energie der Dead Kennedys und all dies ohne verzettelt zu wirken. Die Melvins klingen in jedem Moment vor allem nach sich selbst. Man mag darüber streiten wie hoch das Album im bandeigenen Katalog anzusiedeln ist, aber bei dieser Band spielen derartige Betrachtungen eine untergeordnete Rolle: Bei den Melvins wird nicht nur Musik konsumiert, sondern immer auch eine individualistische Geisteshaltung. Nicht grundlos reden wir hier von einer Band, bei deren blossen Erwähnung Chris Cornell und Dave Grohl heute noch stramm stehen.
(MR)

 

Quellen:
[1]http://en.wikipedia.org/wiki/Tres_Cabrones (Wikipedia Tres Cabrones, abgerufen 08.12.2013)
[2]http://www.popmatters.com/review/176210-melvins-tres-cabrones/ (Popmatters, abgerufen 08.12.2013) 
http://www.youtube.com/watch?v=AEGT0qNNKU4 (Youtube – Tres Cabrones)

Josephine Foster – I’m a Dreamer (2013)

[youtube width=“530″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=NfdBZUFWHFs[/youtube]

Das Intro des Songs ähnelt einer Szene aus einem Schwarzweissfilm.  Mit wenigen Worten singt die verträumte weibliche Stimme von der romantischen Gemächlichkeit des Seins. Die Frau singt behaglich mit einer mütterlichen Art von ihren Träumen und ihrer Liebe. Während die lauschigen Klänge wie von einem Grammophon erklingen, versinkt man unweigerlich in süsser Nostalgie. In einer Kritik von Sam Sheperd meint er zum gleichnamigen Album: „This is an album that appears to have been written, recorded and performed in an entirely different era.“1
Josephine Foster trägt die nostalgische Schwere von welcher sie singt gleichsam mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Durch ihren bescheidenen und gemächlichen Stil fällt es einem nicht schwer, das Lied mehrere Male nacheinander zu hören. Die abwechselnde harmonische Begleitung von Klavier, Bass, sanfter Perkussion und teils mit der Mundharmonika unterstützen das wohlige Gefühl, das sich beim Zuhören einstellt.
Die Musik Josephine Fosters überzeugt durch ihre authentische Schlichtheit, welche sich selbst genügt: Das Lied besteht hauptsächlich aus leichten Nuancierungen der Worte „I’m a Dreamer“, und veranschaulicht eine warme Einfachheit, welche sich selbst genügt. „[The album] is never going to set the world alight with innovative new sounds, but these songs are perfect little gems that possess a timeless quality. A great song is a great song after all, and Josephine Foster has great songs in abundance.“2

Der musikalische Werdegang Josephine Fosters ist erstaunlich vielseitig: Zu Beginn spielte sie an Hochzeiten und Beerdigungen, nahm im Jahr 2000 ihr erstes Album („There are Eyes Above“) auf, welches hauptsächlich Ukulele-Lieder beinhaltete, gab 2001 ein Kinderlied-Album („Little Life“) heraus, und veröffentlichte bis heute neun weitere Alben3, welche von Einflüssen aus Psychedelia, Flamenco oder amerikanischem Folk geprägt sind.4
Neben der Musik malt Josephine Foster, schreibt Gedichte und unterrichtet Gesang.
In einem Interview mit Harmonic Rooms meint sie dazu: „When there is variety in the Nature: it stimulates the Nature.“ (10:00)

Auch in den anderen Songs auf dem Album „I’m a Dreamer“ erzählt Josephine mit warmer Stimme Geschichten von Begegnungen, Schönheit und Erinnerungen.
Die geerdete Musik sorgt für eine Entschleunigung im alltäglichen Leben und zaubert mit süsser Melancholie ein (vielleicht vergessenes) Lächeln leise zurück auf die Lippen.

Drei ihrer frühen Alben können hier gehört werden.
Ihre Diskographie ist hier einsehbar.

(mwu)

Kanye West mit „Bound 2“

Hohn hat sich breitgemacht. Doch wie Kanye West Ellen am 19.11.13 in ihrer Show erklärt hat, soll sein Video zum Song „Bound 2“ so surreal wie möglich erscheinen. Entstanden ist ein Kunstwerk aus provokativem Text, Samples von Ponderosa Twins Plus One, Brenda Lee und Wee, verklärten Hintergrundbildern mit sexualisierten Szenen, gefeatered von Charlie Wilson.

Klavier und Gebirgslandschaften lassen den Zuschauer und Hörer in eine neue, reine Welt eintauchen. Anfänglich sind es noch Schneelandschaften, die Kälte suggerieren und Sehnsucht nach Sonne und Wärme wecken. Durchbrochen werden sie von stimmungsvollen Berggipfeln. Die Stimme von Charlie Wilson singt von Ermüdung durch unbefriedigte Liebe, als eine Herde Pferde in Zeitlupe durch Wasser galoppiert. Eine weitere Herde jagt durch die Steppe, ist jedoch im Vergleich zu den Wolken verlangsamt.

Vor romantischer Winterstimmung plaziert sich Kanye grossformatig im Bild. Im Hintergrund folgen verklärte Landschaftsbilder. Kanye rappt über Frau, fährt Motorrad oder lässt sich visuell von seiner sich nackt auf dem Motorrad räckelnden Verlobten Kim Kardashian vertreten: „One good girl is worth a thousand bitches […] I wanna fuck you hard on the sink“. Seine verbalen Ergüsse gipfeln in Stellung auf dem Motorrad, die anrüchige Fantasien hervorrufen. Der Hintergrund jedoch sorgt immer noch für romantisches Flair. Surrealität ist offensichtlich: Die Fahrt auf dem Motorrad wiedersetzt sich unserer Vorstellung der Realität. Gleichzeitig schwankt Kanyes Text zwischen hoffnungsvoller Liebe und provokativer Ausnutzung und konstatiert schliesslich: „I’m tired, you tired, Jesus wept!“ und es entsteht Nähe, die das anrüchige Image des Textes vergessen lässt.

http://www.youtube.com/watch?v=kbhI_gYvqSU

Snoop Lion – Reincarnated

Snoop Lion – Reincarnated

Der Hund „Snoop Dogg“ ist gestorben und wurde als Löwe „Snoop Lion“ wiedergeboren, vom Strassenköter zum König der Tiere könnte man meinen. Doch kann man einen Löwen mit einem Köter vergleichen? Und wie viel  Hund steckt denn noch im Löwen?

Soviel zu den Tieren, nun zur Musik: Das Album wurde oft kritisiert, es wolle ein Reggae-Album sein, was es aber nicht halten könne. Dabei war es für viele Fans und Kritiker schwer zu verstehen, warum ein Rapprolet plötzlich in der Lage ist über Liebe und Frieden zu singen. Dabei hat sich auf textueller Ebene  gar nicht so viel getan: Maryjane, Gin n’ Juice und Sex sind immer noch zentral, was wegfiel ist die Verherrlichung von Waffen und Gewalt, was dazu kam ist die Liebe. Die Themen haben sich nicht verschoben, sie wurden lediglich neu konnotiert: Snoop ist jetzt einfach gegen Waffen, für Sex mit Liebe und er prahlt nicht mehr mit seiner unglaublichen Fähigkeit Beutel voller Grünzeug in Rekordzeit zu vernichten, sondern preist – ganz dem Klischee entsprechend – den spirituellen Gewinn der Wunderpflanzen an. Es hat also auf textlicher Ebene durchaus eine Art Reinkarnation stattgefunden oder zumindest eine Transformation auf die eher positiven und sonnigen Seiten des Lebens. Eben diese Aspekte möchte ich von einem Reggaealbum aufgetischt bekommen und genau dies bekommst du ebenfalls auf der musikalischen Ebene des Albums. Von langsamen Tracks wie “Tired of Running“, „So long“ oder „La la la“ bis zu Tracks mit pumpendem Beat wie „Torn appart“ oder „Get away“ bietet das Album eine grosse Bandbreite. Auf Diskussionen über die Reinrassigkeit des wiedergeborenen Reggaelöwen möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, denn Snoop’s Stimme verbreitet unabhängig der Tierart gute Laune. Er weiss ganz genau wie man Tracks schreibt (oder wer dazu im Stande ist dies für ihn zu tun), die eine breite Masse ansprechen können und sich schon lange nicht mehr ausschliesslich an HipHop orientieren. An dieser Stelle sollten  „Black n’ Yellow“, „Drop it like it’s hot“ oder „Young wild and Free“ als Beispiele ausreichen. Viel wichtiger noch: er tut sich stets mit den richtigen Künstlern zusammen um den grösstmöglichen Erfolg einzufahren, doch stets mit einem sehr guten Händchen für ein letztes Fünkchen Authentizität, welches ihm erlaubt, aus der Masse herauszustechen. So hört sich dieses Album sehr flüssig an und transportiert genau dieses Sommerfeeling, das man in diesen Tagen so schmerzlich zu vermissen beginnt. Da stört es auch nicht weiter, dass die zur Zeit etwas nervende Miley Cyrus ein Featuring hat, man nimmt sie kaum wahr.

Das erste Lied der Platte möchte ich dir ans Herz legen, vor allem wenn du irgendetwas vor dir her schiebst, denn es beginnt mit den fast schon hymnische anmutenden Zeilen: „You can’t run away, you gotta face this…time is moovin’ fast!“ Nimm diesen Schwung mit und pack es an, denn spätestens ab Track acht wirst du explizit ermutigt, Substanzen  aufzunehmen, die eben diesen Schwung unter Umständen etwas dämpfen könnten.

1. Rebel Way 4:44

2. Here Comes the King (feat. Angela Hunte) 3:24

3. Lighters Up (feat Mavado & Popcaan) 3:46

4. So Long (feat. Angela Hunte) 3:40

5. Get Away (feat. Angela Hunte & Elan Atias) 3:27

6. No Guns Allowed (feat. Cori B & Drake) 3:31

7. Fruit Juice (feat. MrVegas) 2:37

8. Smoke the Weed (feat. Collie Buddz) 3:28

9. Tired of Running (feat. Akon) 4:10

10. The Good Good (feat. Iza Lach) 3:54

11. Torn Apart (feat. Rita Ora) 3:30

12. Ashtrays an Heartbreaks (feat Miley Cyrus) 4:06

13. Boulevard (feat. Jahdan Blakkamoore) 3:12

14. Remedy (Busta Rhymes & Chris Brown) 3:00

15. La La La 3:27

16. Harder Times (feat. Jahdan Blakkamoore) 3:32

 

Erschienen: 23. April 2013

Genre : Reggae, dancehall, reggae fusion

Label: Berhane Sound System, Mad Decent, Vice, RCA

Produzenten: Diplo, Major Lazer, 6Blocc, Ariel Rechtshaid, Dre Skull, John Hill,  Jus Bus, Kyle Townsend, Supa Dups, Terrace Martin, Zach Condon, Zion I Kings.