Tim Buckley

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Den Namen Buckley würden viele Leute in der Musik wohl mit dem Vornamen Jeff ergänzen. In diesem Beitrag soll es jedoch nicht um Jeff Buckley, sondern um dessen Vater Tim Buckley gehen. Für viele ist er wahrscheinlich ein relativ unbekannter Sänger, welcher zu Lebzeiten keine besonders großen kommerziellen musikalischen Erfolge feiern konnte.

Beginnend in den Stilrichtungen Folk-Rock und Psychedelic Rock, wandelt sich seine Musik bald in Richtung Progressive Jazz.[1] Sein sich ständig verändernder musikalischer Stil wurde von vielen seiner Fans als zu extrem angesehen, weshalb sie sich eher von ihm abwandten. Tim Buckley konnte mit seiner Musik also nicht wirklich überleben, seine zahlreichen Alben, die in den 1960er und 70er erschienen, wurden alles andere als gut verkauft. Keiner seiner Songs schaffte auch nur annähernd eine zufriedenstellende Chartplatzierung.[2]
Im Jahre 1975 verstarb Buckley unerwartet an einer Überdosis Heroin. Zu diesem Zeitpunkt war er hoch verschuldet, was wohl daran lag, dass sein musikalischer Ansatz einem eher nicht-kommerziellen entsprach und es ihm mehr um das Schaffen von „abgefahrener“ Musik ging. Dies traf jedoch nicht wirklich den Geschmack der meisten Leute zu dieser Zeit.

Als 1980 die britische Band Cocteau Twins Buckleys „Song for the Siren“ coverte, führte dies zu einem Anstieg seines Berühmtheitsgrades. In den 1990er Jahren wurden noch zwei seiner Alben aus den späten 60ern veröffentlicht, welche seine Karriere nach seinem Tod ebenfalls ankurbelten.[3]
Allgemein lässt sich festhalten, dass Buckley fast 40 Jahre nach seinem Tod immer noch nicht in Vergessenheit geraten ist – im Gegenteil, seine Alben sind immer noch auf dem Musikmarkt zu finden und er wird als einer der besten Musiker der 60er/70er Jahre dargestellt, dessen Musik der damaligen Zeit einfach schon zu weit voraus war.

Viele seiner Songs wurden von anderen Künstlern aufgegriffen und noch heute werden immer neue CDs mit alten Songs von Buckley veröffentlicht.
Seine durch Kreativität und Improvisation geprägte Musik fand zu seinen Lebzeiten nur wenig Anklang, nun bekommt Buckley die längst überfällige Honorierung für seine Songs und ist in der Musikbranche präsenter denn je.

(Lh)

 

 

Quellen:

http://www.timbuckley.net/prime_page.shtml

http://www.allmusic.com/artist/tim-buckley-mn0000595101

 

 


[1] http://www.timbuckley.com/biography/

[2] http://www.timbuckley.com/biography/

[3] http://www.timbuckley.com/biography/

The Band: „Music from Big Pink“ (1968)

Music from Big Pink

Das Album „Music from Big Pink“ kam 1968 als schockierende Überraschung mit einer radikal vom damaligen Mainstream divergierenden musikalischen Aussage auf den darauf unvorbereiteten Markt. Während „The Weight“, die einzige Single des Albums, gerade mal Platz 63 der US Billboard Charts erreichte, erhielt der Song international wesentlich mehr Beachtung (Kanada: #35, England: #21). Mit dem Hintergrund des Vietnamkriegs, der Ermordung von Bobby Kennedy und Martin Luther King sowie des Kent-State-Massakers singen The Band in einer subtilen und knappen Erzählweise über Familie, Glaube, rurales Leben und das Gefühl der Entfremdung durch die damalige politische und sozio-kulturelle Situation. Mit biblischen Anspielungen, rätselhaften Zeilen und kultigen Charakteren zugleich haben The Band einen Song mit postmodernem Handwerksgeschick geschaffen, der in keinem amerikanischen Gesangsbuch fehlt. Doch trotz der damals geringen Rezeption in den Charts, beeinflusste das Album damalige Künstler wie Eric Clapton, George Harrison von den Beatles oder Aretha Franklin grundlegend: Roger Waters (Pink Floyd) beschrieb „Music From Big Pink“ gegenüber der „Dallas Morning News“ als eine für ihn alles verändernde Platte:

„After Sgt. Pepper, it’s the most influential record in the history of rock and roll. It affected Pink Floyd deeply, deeply, deeply. Philosophically, other albums may have been more important, like Lennon’s first solo album. But sonically, the way the record’s constructed, I think Music from Big Pink is fundamental to everything that happened after it.“1

Obwohl die Band aus bescheidenen Neben-Männern bestand, wurden sie zu einem der kreativsten und massgebendsten Vertreter des Root Rocks. „Music from Big Pink“ fühlte sich nicht nur wegen der erfrischenden Akkordfolgen wie eine ‚kulturelle Entgiftung’ der Exzesse von „Sgt. Pepper’s“ und „Are You Experienced“ an2, sondern gilt als Pionier der back-to-the-Rock-’n’-Roll-roots-Bewegung. Eine Neuausrichtung war nach der Hippieära dringend nötig und zwar nicht nur als schamloser Rückgriff auf bereits durchgekautes musikalisches Material, sondern als neuartige Fusion von Gospel, Blues, Country, Soul und Rock Musik. (el)


Literaturhinweise:

  1. Bowman, Rob: http://theband.hiof.no/history/part_5.html (Abgerufen: 27.10.13)
  2. Perusse, Bernhard: http://o.canada.com/entertainment/music/grace-potter-on-ghostbusters-rock-n-roll-and-not-wearing-pants/ (Abgerufen: 27.10.13)
  3. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 282-283.
  4. rollingstone.com: http://www.rollingstone.com/music/lists/500-greatest-albums-of-all-time-20120531/the-band-music-from-big-pink-20120524#disqus_thread (Abgerufen: 27.10.13)
  5. Ruhlmann, William: http://www.allmusic.com/album/music-from-big-pink-mw0000189052 (Abgerufen: 27.10.13)
  6. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/Music_from_Big_Pink (Abgerufen: 27.10.13)
  7. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Band#Music_from_Big_Pink_and_The_Band (Abgerufen: 27.10.13)
  8. Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Weight#cite_note-autogenerated1-5 (Abgerufen: 27.10.13)

Weiterführende Medien:

  1. TV-Dokumentation auf Youtube: The Band Documentary 1: HOSHINOBUTA さんのチャンネル: „The Band Documentary of 4 – Clapton, Ringo, Harrison, Harris react to The Band“ 08.05.2012. http://www.youtube.com/watch?v=_RVBeQn9C7I (Abgerufen: 15.06.2014)

Fussnoten:

  1. http://www.progarchives.com/forum/forum_posts.asp?TID=48181 (Abgerufen: 27.10.13).
  2. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction To Ist Own Past. London: Faber & Faber 2011, 282.

„Fifties nostalgia“ in American Pie (Don McLean, 1971)

Don McLean performt American Pie live (Youtube besucht am 27.10.13)

A long long time ago
I cann still remember how the music used to make me smile
And I knew if I had my chance that I could make those people dance
And maby they’d be happy for a while

Das Lied „American Pie“ des amerikanischen Sängers und Komponisten Don McLean ist im Zusammenhang mit der von Simon Reynolds bezeichneten „fifties nostalgia“ viel mehr als eine blosse Reaktion auf die „art-ification“ von Rock1. Reynolds beschreibt, dass die in den späten 60er Jahren aufkommende „fifties nostalgia“ Künstler wie John Lennon dazu bewegte, sich von progressivem Rock und psychedelisch-experimentelle Klängen abzuwenden und stattdessen dem „simple rock and nothing else“ zu frönen.2 Eine Nostalgie, die bei McLean weit über den musikalisch-künstlerischen Aspekt hinausgeht: „American Pie“ ist ein kritisch reflektierter Rückblick auf die musikalischen und politischen Ereignisse in Amerika seit der tödlichen Verunglückung des Rock’n’Roll Künstlers Buddy Holly am 3. Februar 1959 – „the day that music died“. Auf seiner Webseite don-mclean.com wird beschrieben, dass McLean die Rock-’n’-Roll-Ära mit einer Zeit verbindet, in welcher die amerikanische Nation wirtschaftlich aufblühte und optimistisch in die Zukunft blickte. „Feel-good records“ von Künstlern wie Buddy Holly oder Elvis Presley lieferten den passenden Soundtrack zu dem beschwingten Lebensgefühl dieser Zeit. Die überschwängliche Simplizität der 50er wurde aber bald von einer dunkleren Atmosphäre überschattet, geprägt durch politische Unbeständigkeit, den Krieg und Vietnam und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Unruhen. Die 60er und frühen 70er bedeuteten turbulente Zeiten für die Generation McLeans. „American Pie“ verarbeitet die Sehnsucht der Nation nach unbeschwerten Tagen – nach Zeiten des Rock ’n’ Roll.3

Die Lyrics von „American Pie“ bestehen aus geschickt gewählten Metaphern und Anspielungen auf MusikerInnen und Bands oder politisch bedeutsame Ereignisse für Amerika während den 60er Jahren.4Did you write the book of love?„, so fragt McLean beispielsweise und setzt mit dieser Liedzeile dem Smash Hit der Monotones aus 1958 „The Book of Love“ ein musikalisches Denkmal – welches aber nur Kenner der Doo-Wop-Vocalgruppe enthüllen können. Bis heute haben sich Fans und Musikliebhaber einen Sport daraus gemacht, der expliziten Bedeutung der Lyrics auf den Grund zu gehen.5 (nw)


  1. Simon Reynolds (2011a): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. London: Faber & Faber, S.277
  2. Simon Reynolds (2011a): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. London: Faber & Faber, S. 288
  3. http://www.don-mclean.com/?p=261 (besucht am 27.10.13)
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/American_Pie_%28Lied%29 (besucht am 27.10.13)
  5. siehe z.B. die elaborierte Interpretation des Songtextes auf http://www.songfacts.com/detail.php?id=1193 (besucht am 27.10.13)

Rezension: Bob Dylan – Blonde on Blonde

Künstler: Bob Dylan

Album: Blonde on Blonde

Cover 'Blonde on Blonde'

Cover ‚Blonde on Blonde‘

Besetzung: Bob Dylan/ Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Klavier, Keyboard; Al Kooper/ Gitarre, elektronische Orgel, Flügelhorn, Keyboard; Robbie Robertson/ Gitarre, Gesang; Joe South/ Gitarre; Rick Danko/ E-Bass, elektrische Violine, Gesang; Bill Atkins/ Keyboard; Wayne Butler/ Posaune; Kenneth A. Buttrey/ Schlagzeug; Paul Griffin/ Klavier; Garth Hudson/ Keyboard, Saxophon; Jerry Kennedy/ Gitarre; Sanford Konikoff/ Schlagzeug; Richard Manuel/ Schlagzeug, Keyboard, Gesang; Wayne Moss/ Gitarre, Gesang; Hargus „Pig“ Robbins/ Klavier, Keyboard; Henry Strzelecki/ E-Bass; Charlie McCoy/ E-Bass, Gitarre, Mundharmonika, Trompete

Produktion: Bob Johnston

Label: Columbia Records

Veröffentlichung: 16. Mai 1966

Spieldauer: 71 m 40 s

Stil: Folk-Rock

Medium:  Vinyl

Trackside 1: 1. Rainy Day Women # 12 & 35 (4:33) 2. Pledging My Time (3:42) 3. Visions of Johanna (7:27) 4. One of Us Must Know (Sooner or Later) (4:53)

Trackside 2: 1. I Want You (3:06) 2. Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again (7:04) 3. Leopard-Skin Pill-Box Hat (3:50) 4. Just Like a Woman (4:39)

Trackside 3: 1. Most Likely You Go Your Way and I’ll Go Mine (3:22) 2. Temporary Like Achilles (5:03) 3. Absolutely Sweet Marie (4:46) 4. 4th Time Around (4:26) 5. Obviously 5 Believers (3:30)

Trackside 4: 1. Sad Eyed Lady oft he Lowlands (11:19)

 

Mit seinem 7. Studioalbum ‚Blonde on Blonde’, einer Doppel-LP, knüpft Dylan klar an die vorhergehenden Alben ‚Highway 61’ und ‚Bringing It All Back Home’ an; nur ist der elektrische Sound noch stärker, die Texte philosophischer und die Melodien noch harmonischer. Mit dem Übergang zur E-Gitarre beim Newport Folk Festival im Jahre 1965 (ein Statement, welches vielen Fans als Verrat gleichkam) distanziert sich Bob Dylan aktiv von der Folkmusik und Woody Guthries Einflüssen auf seine Musik. Blonde on Blonde bringt diesen Wandel deutlich zur Geltung und gipfelt in einer Eigenständigkeit, die wir so von Dylan noch nie gesehen haben. Die enttäuschten Fans können die Brillanz dieses Stilwechsels nicht mehr leugnen.

Robbie Robertson an der Gitarre und Al Kooper an der elektrischen Orgel bringen die Einzigartigkeit dieser Platte auf den Punkt. Das Herausragende an diesem Werk ist, dass es Dylan gelingt, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Der Einstieg mit ‚Rainy Day Women # 12 & 35’ vermittelt eine Leichtigkeit und gleichzeitig eine Komplexität, dessen fruchtbaren Widerspruch man kaum in Worte fassen kann. Der Humor des Liedes wird durch den Einsatz von Tamburin, Mundharmonika, Menschenrufen und Geklatsche ergänzt, beziehungsweise unterstützt. Gleichzeitig gelingt es Dylan mit ‚Visions of Johanna’, ‚I Want You’ oder ‚Just Like A Woman’ eine unglaubliche Ernsthaftigkeit und Intensität zu vermitteln. Die Lyrics sind von einer überragenden Tiefe, welche ein ‚normaler Hörer’ kaum aufnehmen mag. ‚Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues again’ regt durch komplexe und teilweise verwirrende Textpassagen an: „ […]Now the rainman gave me two cures, then he said, “Jump right in”, the one was Texas medicine, the other was just railroad gin[…]“.

Dylan zeigt uns aufs Neue, und dies nicht in einer diskreten Art und Weise, dass er ein Poet ist. Er überfährt den Hörenden mit einer Kraft und einer offensiven Provokation, und lässt ihn dann am Boden liegen. Die etlichen Spielereien, die sich Dylan in diesem Projekt erlaubt, machen die LP als Gesamtwerk spannend und abwechslungsreich. Die meisten Songs überschreiten 5 Minuten Länge – und doch werden diese Songs auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Dylan lässt auch auf dieser Platte mit seinen Liedern vieles im Dunkeln; das Rätselhafte wird von ihm stets aufrechterhalten. Genau darin liegt aber auch die unglaubliche Faszination seiner Musik und seines Wesens selbst.

Blonde on Blonde ist ein herausragendes Musikwerk, dass auch heute noch von zentraler Bedeutung ist. Das Album ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung: für MusikliebhaberInnen und für die Musikgeschichte.

Danke Bob Dylan, für diesen Meilenstein!

Rezension: Frightened Rabbit – The Midnight Organ Fight (Fat Cat, 2008).

frightenedrabbit

Obwohl nach wie vor ein wenig bekanntes Album, das in der Obskurität ihrer Prä-„Swim Until You Can’t See Land“-Phase dahinvegetiert, ist das Album „The Midnight Organ Fight“ das frühe Meisterstück dreier grossartiger Musiker und Poeten.

Angetrieben von markanten Rhythmen und zumeist umgeben von verwobenen Gitarrenwänden, trägt Scott Hutchinson in dezidiert schwermütigem schottischem Akzent seine Weisen vor. Es sind Geschichten über die Entfremdung der Menschen von sich selbst, Geschichten über die Vergänglichkeit, Geschichten über Sex – Geschichten also, meinte man, die in fast jedem Popsong erzählt werden. Dem schottischen Trio aber gelingt es, eine Ehrlichkeit in der Sprache zu zelebrieren, die einem heisskalte Schauer über den Rücken kriechen lässt. Da gibt es Religionskritik („Jesus is just a Spanish boy’s name“), Vergänglichkeitsbewusstsein („When my head rolls off, someone else’s will turn“), es gibt die Abscheu vor der kulturellen Praxis des sogenannt bedeutungslosen Geschlechtsverkehrs („It takes more than fucking someone to keep yourself warm“), es gibt kleine und grosse Dramen, durch das beständige Summen des TV-Apparates verstummte Beziehungen und einen Gott, der die Wände seines Hauses rot angestrichen hat, um die Gäste an ihr Totsein zu erinnern. Es sind makabre Visionen und fatalistische Feststellungen, unverhüllt in Worte gefasst ohne dabei ihre poetische Qualität einzubüssen. (Titelgebender „Midnight Organ Fight“ ist konsequenterweise ein Euphemismus für das Ringen zweier Liebender im Bett.)

„The Midnight Organ Fight“ ist rein von Sound und Produktion her kein bahnbrechendes Album, es ergeht sich nicht in  Studioexperimenten und es will nicht kein klitzkleines Klangrädchen neu erfinden. Doch gerade weil die (notabene sehr gut durchdachten) Arrangements, die diese zutiefst rührenden Texte begleiten, so klassisch daherkommen, die Instrumente so klassisch sind, entfalten die Songs, die Texte, Hutchinsons Stimme eine umso stärkere Sogwirkung. (mf)