Bright Eyes – I’m Wide Awake, It’s Morning

I'm Wide Awake, It's Morning

I’m Wide Awake, It’s Morning

Conor Oberst bringt im Jahr 2005 mit den Bright Eyes sein siebtes Studioalbum ‚I’m Wide Awake, It’s Morning’ heraus. Im gleichen Jahr wird auch das Synthie-Album ‚Digital Ash in a Digital Urn’ veröffentlicht, welches sich jedoch klar vom sonst typischen Stil der Bright Eyes abhebt. Nicht so bei ‚I’m Wide Awake, It’s Morning’: Conor bleibt sich und seinem Stil auf dieser Platte treu. Die Songs sind folkig, zurückhaltend, nicht überladen, aber von einer unglaublichen poetischen Tiefe. Das Album erhält nach der Erscheinung vornehmend positive Kritik und ordnet sich bald auf den vorderen Rängen der US-Charts ein. Seine Texte sind auch auf diesem Studioalbum sehr politisch; Conor Oberst drückt in seinen Liedern gerne Abneigung gegen den amerikanischen Präsidenten George W. Bush und dessen Politik aus. Das Album wird durch eine ca. ein-minütige Textpassage eingeläutet: voller Sarkasmus wird eine Flugzeugabsturzszene geschildert. Anschließend startet der Song ‚At the Bottom of Everything‘, ein 3-Akkord-Folksong – mit einer mitreißenden Rhythmik und einem höchst ironischen textlichen Umgang.

Durch Passagen in diesem Stück wie „While my mother waters plants, my father loads his guns“ und „We must memorize nine numbers and deny we have a soul. And in this endless race for property and privilege to be won, we must run, we must run, we must run“ wird seine Ablehnung des amerikanischen Systems deutlicher denn je.

Auch im ruhigeren Song ‚Land Locked Blues, in welchem Conor gesanglich von Emmylou Harris begleitet wird, wird dieser Zynismus aufs Äußerste getrieben und sogar zelebriert:

„And there’s kids playing guns in the street, and ones pointing his tree branch at me. So I put my hands up, I say “enough is enough, If you walk away, I’ll walk away”. And he shot me dead.“ Oder weiter: But greed is a bottomless pit, and our freedom’s a joke, we’re just taking a piss. And the whole world must watch the sad comic display. If you’re still free start running away, ‚cause we’re coming for you!“

Andere Songs beschäftigen sich mit dem Scheitern der Liebe. Conors Lyrics sind herzzerreißend, ehrlich, tiefempfunden und jedes einzelne Wort wäre zitierwürdig. Die innere Zerrissenheit des Poeten trifft den Zuhörenden an seinen wundesten Stellen und ruft nur schon durch die Musik selbst, eine unbeschreibliche Emotionalität hervor. Jede Zeile schafft es eine Identifikation herzustellen. So singt er in ‚Lua‚ und in ‚Poison Oak von Einsamkeit („When everything is lonely I can be my own best friend“  „We might die from medication but we sure killed all the pain“ / “The end of paralysis. I was a statuette. Now I’m drunk as hell on a piano bench. And when I press the keys, it all gets reversed. The sound of loneliness makes me happier“) in ‚At the Bottom of Everything von Selbstzweifel („I’m happy just because 
I found out I am really no one“) in ‚We Are Nowhere and It’s Now von Gott („Why are you scared to dream of god, when it’s salvation that you want?“) und in ‚Poison Oak von bedeutungslosem Sex („The love I sell you in the evening, by the morning won’t exist). Der zittrige, emotionale Gesang von Conor Oberst lässt ewigen, durchgekauten Themen eine erstaunliche Glaubwürdigkeit zukommen.

Die Musik von Bright Eyes funktioniert vor allem über den Text. Die zurückhaltenden Instrumente und oft einfach gehaltenen Melodien lassen diesen gebürtig zur Geltung kommen. Bright Eyes experimentieren musikalisch stets ein bisschen – Elemente aus der Folk- und Country-Musik gehören aber eigentlich zum festen Bestandteil dieser Band. Ihre Musik ist in der traditionellen Rockmusik und dessen Country- und Folk-Wuzeln verankert. Sie unterschieden sich aber in einem grundlegend Punkt von sonstigen Bands in diesem Genre: Ihr Umgang ist von einem starken Zynismus geprägt. Conor Oberst beweist mit diesem Album wieder einmal aufs Neue, wie unglaublich talentiert ein Musiker sein kann.

Quelle:

lastfm (Abgerufen am 03.12.2013)

Julian Cope (ma)

Julian Cope

Julian Cope

Julian Cope, geboren 1957 in Deri, Mid Glamorgan, Wales, ist ein englischer Musiker, Songwriter und Autor. Seine musikalische Karriere begann in 1977 in Liverpool, wo er zusammen mit seinen Freunden Pete Wylie (Gitarrist), Stephen Spence (Schlagzeug) und Ian McCulloch (Sänger) eine Band namens Crucial Three gründete.[1]

Nach einer kurzen Pause von der Musikszene und einigen weiteren Bands, bei denen Cope Mitglied war, gründet er im Jahre 1978 die Band The Teardrop Explodes zusammen mit Mick Finkler (Gitarrist), Paul Simpson (Keyboarder) und Gary Dwyer (Schlagzeuger).[2] Aufgrund ihrer Musik, die durch einzigartige Mischung von psychedelischem Rock und elektronischem Pop charakterisiert werden kann, können The Teardrop Explodes zu den einflussreichsten Gruppen der frühen 80er Jahren gezählt werden.[3]

In 1983 startete er seine Solo-Karriere und arbeitete an mehreren musikalischen Projekten wie z.B. Queen Elizabeth, Black Sheep und Brain Donor.[4] laut Peter Lau gilt Cope als ein „Musterbeispiel des genialen Irren“, da seine Live-Auftritte häufig exzessiv waren und seine Songtexte etwas verquer klangen.[5] In seinen Liedern, in denen nicht nur von Ausserirdischen, Bäumen oder neuen Männern erzählt wird, verschwinden häufig die Grenze zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit.[6]

World shut your mouth ist einer der berühmtesten und erfolgreichsten Songs von Julian Cope, der in seinem dritten Album Saint Julian veröffentlicht wurde und zugleich den Namen seines ersten Albums trägt:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=2UJbz-pp6GQ[/youtube]

Quellen:

http://userserve-ak.last.fm/serve/_/165674/Julian+Cope.jpg (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.rollingstone.de/das-archiv/article141305/print/julian-cope-interpreter.html (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.ox-fanzine.de/web/itv/575/interviews.212.html (Abgerufen am 15.11.2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Cope (Abgerufen am 15.11.2013)
http://www.headheritage.co.uk/julian_cope/storyofthedrude/ (Abgerufen am 15.11.2013)

Ciccone Youth – The Whitey Album

Das siebte Album von Sonic Youth ist in vielerlei Hinsicht eine Collage verschiedener Ideen und Elemente. An der Oberfläche verweist die Benennung des Albums unmittelbar auf das „The BEATLES“ bzw. „The White Album“, das 1968 erschienen war. Ursprünglich hätte das Konzept der Gruppe darin bestanden, eines Tages eine Coverversion eben jenes Albums zu veröffentlichen. [1] Dieses Vorhaben schlägt sich dann aber nicht wirklich im Endprodukt nieder, da das Album gleichzeitig ein (ziemlich augenzwinkerndes) Tribut an Madonna und an den Pop der 80er-Jahre darstellen sollte [2]. Dies zeigt sich zunächst in der Namensgebung, da die Band für diese Veröffentlichung kurzerhand ein Pseudonym adaptierte und zwar Ciccone Youth, denn Madonna wurde im richtigen Leben auf Madonna Louise Veronica Ciccone getauft. Ausserdem ist ihr Gesicht in übergrosser Nahaufnahme als Frontseite des Albums zu sehen. Musikalisch wird die Imitation besonders in Into The Groovey offensichtlich, welches eine Coverversion von Madonnas Into The Groove darstellt und welches auch Samples aus dem Original verwendet [3].

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gHZKaiuOvE0[/youtube]

Mit diesem Stil schliesst die Band an einen Trend der späten 80er-Jahre an, der aus ironischer Nachahmung, Covers und einem ausgeprägten Einsatz von Samplings bestand. In „The Whitey Album“ prallen die denkbar unterschiedlichsten Musikstile der 80er-Jahre aufeinander: der Punk-Untergrund und der Mainstream-Pop [4].

 

[1] SonicYouth. In: http://www.sonicyouth.com/mustang/lp/lp7.html (Abgerufen: 17.11.2013).

[2] Wikipedia. The Whitey Album. In: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Whitey_Album (Abgerufen: 17.11.2013).

[3] Allmusic. In: http://www.allmusic.com/album/the-whitey-album-mw0000199600 (Abgerufen: 17.11.2013).

[4] Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 147ff.

Ohne Zweifel eine Mischung aus Nostalgie und Ironie: No Doubt

Ungleich der unzähligen Grunge- und Indiebands der Neunzigerjahre bevorzugte No Doubt1 positive, poppige Musik und kreierte so eine eigene Mischform aus New Wave, Metal-Gitarrenriffs, Ska-Revival, kalifornischem Sonnenschein und Retrosounds aus den Fünfzigern und Sechzigern kombiniert mit sarkastischen Lyrics und kokettem Auftreten.

„JUST A GIRL“ (1995)

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=PHzOOQfhPFg[/youtube]

Der musikalische Durchbruch gelang der Band 1995 mit der Single „Just a Girl“2; ein Song, der die Genderproblematik in den Neunzigern behandelt. Gwen Stefani, die Leadsängerin, beschreibt in ihrem selbst geschriebenen Song die Ambivalenz der Geschlechter und wie Frauen behandelt werden. Sie zeigt dies durch einen verzerrenden Spiegel auf, indem sie sich selbst anfänglich ‚nur’ als Mädchen darstellt „I’m just a girl, all pretty and petite – so don’t let me have any rights“3 und fordert Rechte, obwohl sie diese vermeintlich als Mädchen nicht haben dürfte. Der sarkastische Unterton ist bereits im Songtitel enthalten und wird durch ihre Intonation bekräftigt.

No Doubt, Tragic Kingdom, 1995, Coverart

No Doubt – Tragic Kingdom (1995)

Mit ihrem Erscheinungsbild nimmt die Sängerin Referenz auf die Pin-up-Girls der Fünfzigerjahre, was beispielsweise auf dem Album „Tragic Kingdom“4, zu sehen ist und kombiniert diesen Look mit Sportklamotten der Neunzigern. No Doubt vereint somit (durch dieses Album) ein altes (sexistisches) Frauenbild mit einer befreienden (Anti-)Mädchen-Sein-Hymne, wie „Just a Girl“.

 

 

 

 

  1. Bush, John: http://www.allmusic.com/artist/no-doubt-mn0000341672/biography (Abgerufen: 14.11.2013).
  2. Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Just_a_Girl (Abgerufen: 14.11.2013).
  3. MetroLyrics: http://www.metrolyrics.com/just-a-girl-lyrics-no-doubt.html (Abgerufen: 14.11.2013).
  4. Erlewine, Stephen Thomas: http://www.allmusic.com/album/tragic-kingdom-mw0000179531 (14.11.2013).