YouTube – Eine Illustration des Portals zu den Möglichkeiten und Folgen für den Umgang mit Musik im Internet

Das Internet-Videoportal Youtube hat den Zugang zur Musik für jeden einzelnen Nutzer auf drastische Weise verändert und deren Erreichbarkeit massiv gesteigert. Youtube ermöglicht es jedem Nutzer, kostenlos (Musik-)Videos im Internet hochzuladen und anzuschauen.1 Das gesamte Online-Archiv an Videos ist dabei öffentlich zugänglich und für jeden Nutzer verfügbar. Es sind die Nutzer selbst, welche den Inhalt der Plattform bestimmen.

Nach Videos kann gesucht werden. Gefundene Inhalte können in einer Liste gesammelt werden. Für das Sammeln von Videodateien muss der User ein Konto eröffnen Ist erstmals ein Konto erstellt, bietet Youtube dem Nutzer auch die Möglichkeit, selbst Dateien hochzuladen und aktiv Einfluss auf den Content zu nehmen. Die hochgeladenen Videos können auch jederzeit wieder gelöscht werden.

Weil der Content der Plattform von jedem einzelnen User beliebig verändert werden kann, sind rechtliche Einschränkungen nötig, um die Kontrolle zu wahren. Es ist untersagt, Videos hochzuladen, deren Inhalte gegen das Urheberrecht verstossen. Videos mit anstössigem Inhalt können gemeldet werden, was eine Löschung zur Folge hat. Die rechtlichen Einschränkungen von Youtube sind auf der Webseite unter dem Punkt „Nutzungsbedingungen“ festgehalten.2

Mit der gesteigerten Erreichbarkeit und der erhöhten Verfügbarkeit von Musik, verändert Youtube das Musikhören in hohem Masse. Während der Inhalt des Onlineportals wächst, steht den Nutzern ein immer grösser werdendes musikalisches Archiv zu Verfügung. Die Nutzer werden dazu gedrängt, immer grössere Mengen an Musik zu konsumieren. Die Qualität von einzelnen musikalischen Werken rückt dabei in den Hintergrund ganz nach dem Motto: Quantität geht vor Qualität.3

Trotz der revolutionären Leistung, welche Youtube für den Konsum und die Erreichbarkeit von Musik erbracht hat, führt das Internetportal auch negative Folgen herbei.

(gi, sg, ys, bw)

  1. Wikipedia: Youtube. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/YouTube (Abgerufen: 18.12.2013)
  2. Youtube: Nutzungsbedingungen. URL: http://www.youtube.com/t/terms (Abgerufen: 30.12.2013).
  3. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 56-62.

Lana Del Rey: Video Games (2011)

Beim Ansehen von Lana Del Reys Musikvideo zu ihrer Debütsingle „Video Games“ kommt schnell der Gedanke auf, dass sie den Titel ihres Songs wortwörtlich genommen hat. Das Musikvideo setzt sich nämlich aus diversen Sequenzen von altem Filmmaterial zusammen und wird ab und an unterbrochen von Ausschnitten, die Lana Del Rey mit Schmollmund beim Singen zeigen. Es ist im wahrsten Sinn ein Spiel mit Videos. Aufgrund der Qualität und des Inhaltes der kurzen Filmsequenzen lässt sich erkennen, dass sowohl sehr altes, als auch neueres Filmmaterial vorkommt. Gepaart mit Del Reys tiefer, ruhiger Stimme entsteht auf diese Weise eine nostalgische Stimmung. Das Musikvideo hat die Sängerin allein gedreht und editiert.1 Auf die Frage, ob sie etwas an der Produktion des Videos ändern würde, antwortete Lana Del Rey:

„Had I known so many people were going to watch the video, I’d have put some more eff­ort into it. I would have got my hair and make-up done and tried not to be so pouty, seeing as everyone talks about my face all the time. And I’d have put more of a storyline into it.”2

Nach dieser Aussage verwundert es auch nicht, dass sich Lana Del Rey aufgrund der nicht vorhandenen urheberrechtlichen Erlaubnis, diese Videoausschnitte zu benutzen, dann vor Gericht verantworten musste.3

Lana Del Reys Musikvideo zu „Video Games“ beschwört mit der Verwendung von Filmsequenzen aus verflossenen Tagen die Geister der Vergangenheit herauf und lässt einen am Ende mit einem seltsamen Gefühl in der Brust in die Nüchternheit der Gegenwart zurückfallen.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=cE6wxDqdOV0[/youtube]


Kanye West mit „Bound 2“

Hohn hat sich breitgemacht. Doch wie Kanye West Ellen am 19.11.13 in ihrer Show erklärt hat, soll sein Video zum Song „Bound 2“ so surreal wie möglich erscheinen. Entstanden ist ein Kunstwerk aus provokativem Text, Samples von Ponderosa Twins Plus One, Brenda Lee und Wee, verklärten Hintergrundbildern mit sexualisierten Szenen, gefeatered von Charlie Wilson.

Klavier und Gebirgslandschaften lassen den Zuschauer und Hörer in eine neue, reine Welt eintauchen. Anfänglich sind es noch Schneelandschaften, die Kälte suggerieren und Sehnsucht nach Sonne und Wärme wecken. Durchbrochen werden sie von stimmungsvollen Berggipfeln. Die Stimme von Charlie Wilson singt von Ermüdung durch unbefriedigte Liebe, als eine Herde Pferde in Zeitlupe durch Wasser galoppiert. Eine weitere Herde jagt durch die Steppe, ist jedoch im Vergleich zu den Wolken verlangsamt.

Vor romantischer Winterstimmung plaziert sich Kanye grossformatig im Bild. Im Hintergrund folgen verklärte Landschaftsbilder. Kanye rappt über Frau, fährt Motorrad oder lässt sich visuell von seiner sich nackt auf dem Motorrad räckelnden Verlobten Kim Kardashian vertreten: „One good girl is worth a thousand bitches […] I wanna fuck you hard on the sink“. Seine verbalen Ergüsse gipfeln in Stellung auf dem Motorrad, die anrüchige Fantasien hervorrufen. Der Hintergrund jedoch sorgt immer noch für romantisches Flair. Surrealität ist offensichtlich: Die Fahrt auf dem Motorrad wiedersetzt sich unserer Vorstellung der Realität. Gleichzeitig schwankt Kanyes Text zwischen hoffnungsvoller Liebe und provokativer Ausnutzung und konstatiert schliesslich: „I’m tired, you tired, Jesus wept!“ und es entsteht Nähe, die das anrüchige Image des Textes vergessen lässt.

http://www.youtube.com/watch?v=kbhI_gYvqSU

Falco: Rock me Amadeus – Video (1985)

Die schwarze Kutsche fährt vor die barocken Tore eines Wiener Palais. Die Tür öffnet sich, ein Gentleman im Smoking steigt aus. Er wird von edlen Damen und Herren in schicker Rokoko-Kleidung mit freundlichen Hofknicksen empfangen. Der Herr im Smoking ist der Wiener Superstar Falco. Doch die Menge wartet auf einen noch viel größeren „Rockstar“: Wolfgang Amadeus Mozart.

Dieser vergnügt sich, mit bunter Perücke bestückt und kaugummikauend, lieber mit harten Biker-Typen in Lederjacken in der Kneipe um die Ecke statt der tobenden Menge eine Audienz zu gewähren. Während Falco als Platzhalter für den wahren „Punk“[1]dient, verteilt dieser leere Blätter an das Publikum, das in Ekstase darauf Noten zu erkennen scheint und in seinem Rausch den göttlichen Amadeus mit einem brüllenden Chor lobpreist.

Zum Schluss fährt Mozarts „Gang“ zwar in den Palais ein, der eigentliche Star glänzt aber weiterhin mit Abwesenheit. Während sich die barocke Gesellschaft mit den Rockern mischt und sich einem Rausch zweier verdrehter Jahrhunderte hingibt, setzt Falco sein Lied, von der feiernden Menge unbeachtet und in den Hintergrund gedrängt, bis zum Ende fort.

Das Video zum Lied „Rock me Amadeus“ wurde 1985 von den Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher produziert. Falco spielt darin eine Doppelrolle: Zum einen verkörpert er den Wolfgang Amadeus Mozart des 20. Jahrhunderts und den modernen Falco im Smoking in einer Art Rokoko-Zeit.[2] Der Song basiert lose auf den Film „Amadeus“ von Milos Forman, der 1984 erschien und eine wahre „Mozart-als-Rockstar“ -Hysterie in Wien auslöste. Einerseits parodiert Falco in seinem Song diese Neubetrachtung des Wunderkindes der klassischen Musik, andererseits nimmt er auch seine eigene kometenhafte Karriere und den Kult um seine eigene Person auf die Schippe. „Rock me Amadeus“ war das erste und bislang einzige deutschsprachige Lied, das sowohl in den amerikanischen Billboard Charts als auch in den britischen UK Top 40 die Spitzenplatzierung erreicht hatte.[3]

(mak)


Quellen:

[1] lyricsfreak: http://www.lyricsfreak.com/f/falco/rock+me+amadeus_20052765.html (abgerufen am 20.11.13)

[2] Falco wird Weltstar: http://www.falco.at/index.php option=com_content&view=article&id=62&Itemid=74 (abgerufen am 20.11.13)

[3] Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Rock_Me_Amadeus (abgerufen am 20.11.13)