Sky Ferreira: Night Time, My Time

Wenn man Sky Ferreira von einer der sieben Todsünden definitiv freisprechen kann, dann ist es jene der Trägheit. Die 21-Jährige arbeitet nämlich sowohl als Singer-Songwriterin, als auch als Model und Schauspielerin.1 Sie hat bereits 400 Songs aufgenommen, jedoch wurden bloss etwa 25 offiziell veröffentlicht und 12 davon sind nun auf ihrem Debütalbum „Night Time, My Time“ zu finden.2 Sky hat sich bei den meisten Stücken für ein bereits vielbesungenes Thema entschieden: die Liebe.

Das Album beginnt mit „Boys“, ein Track mit stampfendem Beat, bebenden Gitarren und simplen Lyrics. „Boys, they’re a dime a dozen“, verkündet Sky Ferreira neckisch und spielt dabei auf ein früheres Demo von ihr mit demselben Titel an. Obwohl das Lied mit seinem industriellen Sound ein wenig unfreundlich anmutet, so ist der grundlegende Unterton doch süss.

„You’re Not The One“ handelt von einer unerfüllten Liebe. „I’m still thinking about how much I need you, but you really want somebody else”, singt Sky Ferreira, begleitet von einer rauen Gitarre und simplen Schlagzeug. „Guess you’re not the one”, meint Sky im Refrain zu erkennen, doch ein Funken Hoffnung scheint zu bleiben.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=IFCZP1Nz3Ds[/youtube]

Im eher nachdenklichen, selbstkritischen Song „I Blame Myself“  findet sich minimaler Elektropop. Der kindlich anmutende Synthesizer und die sirupartigen Beats lassen erahnen, dass Ferreira hier zu ihrem früheren Ich spricht und ihre Vergangenheit reflektiert.3 Im Refrain lässt sie dann mutig verlauten: „I blame myself for my reputation“.

Sky Ferreiras Debütalbum war definitiv keine leichte Geburt: Mehrmals wurde ein Release Datum  angekündigt und dann wieder verschoben4, Sky’s Record Label Capitol Records verweigerte die weitere Finanzierung und schliesslich wurde beinahe das ganze Album innerhalb von nur zwei Wochen fertiggestellt5. „Night Time, My Time“ enthält Elemente vom Psychedelic Rock der 70er, Spuren von Grunge aus den frühen 90ern, experimentelle Geräusche und auch 80er New Wave.6 Eine eher unkonventionelle Mischung für ein Album, das von einem Major Label wie Capitol Records produziert wurde. Sky Ferreira hat schlussendlich trotz all der Hindernisse ihren Willen durchgesetzt. Oder anders gesagt: „Night Time, My Time is the defiant middle finger in the air from an underdog that breaks all the rules in all the right ways.”7

 (dm)


Paul McCartney: Temporary Secretary (1980)

„Mister Marks can you find for me
Someone strong and sweet fitting on my knee?
She can keep her job if she gets it wrong
Ah, but Mister Marks I won’t need her long

All I need is help for a little while
We can take dictation and learn to smile
And a temporary secretary
Is what I need for to do the job“1

Was sich liest wie die Stellenausschreibung eines dubiosen Arbeitgebers, der sich bereits mehrmals wegen sexueller Belästigung verantworten musste, ist in Wirklichkeit ein Teil der Lyrics von Paul McCartneys Song „Temporary Secretary“.

Der Track ist auf dem Album „McCartney II“, das 19802 erschien zu finden und dient als gutes Beispiel für McCartneys musikalische Diversität. Der ehemalige Beatles Sänger und Bassist liefert hier seine Interpretation von New Wave und versucht sich auch an einem Sequenzer3. Die recht dümmlichen Lyrics, der teilweise übertriebene Akzent und der grösstenteils atonale Gesang lassen allerdings das Gefühl aufkommen, dass McCartney die Sache selber nicht ganz ernst nimmt. Er parodiert mit „Temporary Secretary“ das damals aktuelle New Wave Genre und zeigt dabei den jüngeren Generationen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.  In den 80er Jahren gab es diverse Artisten, die frühere Musikstile mit einer Prise Ironie wieder aufgriffen oder jene sogar parodierten. Paul McCartney dreht mit seinem Song den Spiess nun um.

Die Kritiken und Kommentare zu „Temporary Secretary“ könnten vielfältiger nicht sein. Die einen nennen es futuristisch anmutend und loben die eingängige Melodie.4 Andere wiederum sind enttäuscht und scheinen nicht verstehen zu können, wie der Mann, der die Lyrics von Titeln wie „Yesterday“, „Let it be“ und „Yellow Submarine“ verfasste, bloss so etwas zusammenschreiben konnte5. Dabei liegt doch genau darin der Witz!

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=ehqKpPmVcK4[/youtube]

 


Elvis Costello

Der musikalische Werdegang von Elvis Costello ist so vielschichtig, dass es schwierig ist, ihn irgendwo einzuordnen. Er wird oft als Genie und Erneuerer der Popmusik bezeichnet.[1] Wenn man seine Diskographie anschaut, fällt jedoch auf, dass seine Geschichte gespickt ist von Anspielungen auf die Vergangenheit. Seine Musik ist eine Reise durch eigentlich fast alle Epochen der Musikgeschichte [2].

Seinen Namen Elvis hat er als rebellisch-ironische Geste von Elvis Presley übernommen, um zu zeigen, dass er sich nicht in eine Schublade stecken lässt [3]. Inspiert wird seine Musik durch viele Grössen der Musikgeschichte und stellt ebendiese völlig auf den Kopf, seine Werke sind nicht selten Tribut und Parodie in einem. So sind zum Beispiel die ersten Alben von Elvis Costello voller Anspielungen auf die Grössen der 50er und 60er Jahre, wie die Beatles oder die Rolling Stones [4].

Die ganze Figur Elvis Castello ist eine Parodie auf einen stereotypen Rockstar. Er stellt sich selber gerne als einen Verlierer dar und er ist nicht der gutaussehende Frauenheld [5]. Seine Songs sind nicht selbstverherrlichend, wie sie viele Rockstars gerne spielen, sondern eher selbstironisch. Seine ganze Erscheinung ist in sich wiedersprüchlich. Einerseits trägt er dieselbe Brille, wie der Rockgott Buddy Holly und den Namen des King of Rock ’n Roll Elvis, gleichzeitig rebelliert er mit seiner ganzen Art gegen dieses Business, zu dem diese grossen Künstler gehören.

 


[1] http://www.laut.de/Elvis-Costello

[2] http://www.laut.de/Elvis-Costello

[3] http://programm.ard.de/?sendung=2872410596575123

[4] http://programm.ard.de/?sendung=2872410596575123

[5] http://www.shitesite.de/2002/10/06/hingehort-elvis-costello-this-years-model/

Forschungsbericht: Powerpop & Newwave

Power Pop & New Wave (ma)

Power Pop ist ein Musikstil, der Pop-Melodien mit lauter Power-Akkorden kombiniert. Seine wichtigsten melodischen Einflüsse können bis auf die Beatles, die Byrds und dem Gitarrensound von The Who zurückverfolgt werden. Der Stil dieses Genres charakterisiert sich durch relativ kurze Songs, eingängige Melodien und prominente E-Gitarren.[1]

Big Star

Big Star

Power Pop kann in drei verschiedenen Perioden aufgeteilt werden:

Die erste Phase liegt in den 1970er Jahren und beinhaltet Bands wie Badfinger, Strawberries, Cheap Trick und Big Star[2]. Die meisten dieser Gruppen orientierten sich an den Strawberries, da sie damals die einzige Power Pop Gruppe waren, die erfolgreiche Hit-Singles produzierten. Das Gemeinsame zwischen all diesen Bands ist ihre Liebe zu den Drei-Minuten-Pop-Songs.[3]

Die zweite Phase, die auch als kommerzieller Höhepunkt des Power Pops gilt[4], beginnt in den späten 1970er-Jahren und dauert bis zu den frühen 1980er-Jahren. Zu den typischen Vertretern dieser Zeit zählen Bands wie The Knack, The Beat und The Romantics. Ein spezielles Merkmal dieser Gruppen ist ihre Bekleidung, bei der häufig der Einfluss der British Invasion (einfarbige Anzüge, Kurzhaarfrisuren, schmale Krawatten) oder der Mod-Szene (maßgeschneiderten Anzügen und teurer Markenkleidung) zum Ausdruck kommt.[5]

In den frühen 80er Jahren erlebte der Power Pop seinen Niedergang, indem mehrere Bands ihr Ende fanden. Doch war dies nicht von langer Dauer und in den späten 1980er-Jahren begann sich eine neue Generation von Power-Pop-Bands zu bilden.[6]

The Posies

The Posies

Die dritte Periode beginnt offiziell in den 1990er-Jahren. Während dieser Periode zeichnet sich die Musik stark durch alternative Rock-Einflüsse aus. Künstler wie Matthew Sweet, Superdrag und The Posies gewinnen zu dieser Zeit an Popularität[7]. Viele der ursprünglichen Power-Pop-Gruppen beginnen mit der Aufnahme neuer Songs und dem Loslassen auf Independent-Labels.[8]

Power-Pop gehört zu den Trends, die sich am Längsten innerhalb der Popmusik gehalten haben. Seine Wirkung auf verschiedene Gruppen und auf verschiedenste Genres wie Alternativ Rock, Britpop, Post-Punk und Indie-Pop ist unbestritten[9].

Was der Power-Pop aus den früheren 70er Jahren und der New Wave in Verbindung setzt, sind die kurzen und eingängigen Lieder. New Wave (Neue Welle) ist eine dominierende Strömung in der britischen und amerikanischen Rockmusik, welche Mitte der 70er Jahren entstand. Ursprünglich gehörte New Wave zum Punk Rock, etablierte sich aber später als eigenständiges Genre.[10] Beeinflusst wurde dieses Genre von Pop

Musik, R&B und britischer Beat Musik. New Wave charakterisiert sich durch seine kurzen und druckvollen Songs, wie auch durch seine Sänger, die oft einen spiessigen Gesang haben.[11] (ma)

Quellen:

 

http://rateyourmusic.com/genre/Power+Pop/ (Abgerufen am 03.11.2013)
http://www.allmusic.com/subgenre/power-pop-ma0000002793 (Abgerufen am 03.11.2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Pop (Abgerufen am 03.11.2013)
http://www.musicfilmweb.com/wp-content/uploads/2012/06/Big_Star2.jpg (Abgerufen am 03.11.2013)
http://internationaljukebox.net/img/bands/Posies(The)_01.jpg (Abgerufen am 03.11.2013)
http://www.ohfancy.de/blog/2011/05/28/specials-alles-zur-entstehung-und-geschichte-der-new-wave-musik/ (Abgerufen am 03.11.2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/New_Wave (Abgerufen am 03.11.2013)

Bedeutende Bands (Power Pop / New Wave) (mj)

Pioniere und Interpreten des Power Pop und New Wave waren u.a. Bands wie The Beatles, The Move, Nick Lowe, Blondie und XTC.

The Beatles [1]

The Beatles sind eine Rock-Band aus Liverpool, gegründet 1960. Anfangs noch im Rock’n’Roll verwurzelt, wurden sie später Wegbereiter für Richtungen wie Power Pop oder New Wave. Vor allem ihr achtes Album, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ brachte in der Musik eine Unterscheidung zwischen Pop und Rock hervor [2].

Als Hörbeispiel das erste Lied der Platte „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ mit gleichnamigen Song (Stand 05.11.2013):

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=7gwg_d3XZ5A[/youtube]

Bandmitglieder waren John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, and Ringo Starr.

The Move [3]

The Move, gegründet 1965 in Birmingham, waren britische Vertreter des Rocks. Ähnlich zu den Beatles, waren auch sie Inspiration für Power Pop. Bands wie Utopia übernahmen gleich ein ganzes Lied („Do Ya“) auf eines ihrer Alben. Das Original ist auf der B-Seite der 1972 erschienen Single „California Man“ zu finden.

Ein Eindruck zum Lied „Do Ya“ gibt das folgende Video (Stand 05.11.2013):

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=kuRvumUxMMI[/youtube]

Die Gründungsmitglieder waren Roy Wood, Bev Bevan, Chris Kefford, Carl Wayne und Trevor Burton.

Nick Lowe [4]

Nick Lowes erstes Album war „Jesus of Cool“ (1978). Für den Release der Platte in den USA wurde sie auf „Pure Pop for Now People“ umgetauft. Als bekannter Interpret des Power Pop und New Wave, ist er vor allem auch in der Pub Rock Szene gross geworden. Als Songwriter hat er auch Hits komponiert, wie „What’s so Fun about Peace Love and Understanding“ (für Elvis Costello), die heute noch von Künstlern [5] neu interpretiert werden.

Der Song „Tonight“ von der Platte „Jesus of Cool“ (Stand 05.11.2013):

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=c3dTc4kyIOU[/youtube]

Blondie [6]

Diese amerikanische Gruppe machte Power Pop und New Wave bekannt. 1974 gründeten Chris Stein und Deborah Harry die Band. Ihr zweites Album, „Plastic Letters“ (1978), legte auch das Fundament für eine erfolgreiche UK-Tour, womit sie auch in Europa Fuss fassen konnten. 1982 löste sich die Gruppe auf, wobei sie 1997 ein erfolgreiches Comeback feiern durften.

Das Video zeigt das Lied „(I’m Always Touched by Your) Presence, Dear“ vom Album „Plastic Letters“ (Stand 05.11.2013):

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Bv_id8iEzUM[/youtube]

XTC [7]

Wenn auch nicht die bekannteste Band im Bereich New Wave konnten XTC doch Zeichen setzen. Mit „Drums and Wires“, inklusive der Single „Making Plans for Nigel“, fassten sie in den UK album und U.S. Billboard album charts Fuss. 1976 einigten sich die Mitglieder auf den Namen XTC; die Band war geboren.

„Making Plans for Nigel auf Drums and Wires“, ein schönes Beispiel für XTC und New Wave (Stand 05.11.2013):

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=s29RKnB7l7o[/youtube]

(mj)

Quellen:

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/The_Beatles

[2] Simon Reynolds (2012): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber. 259.

[3] http://en.wikipedia.org/wiki/The_Move

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Lowe

[5] http://www.youtube.com/watch?v=Sk0zmMN2J9M

[6] http://en.wikipedia.org/wiki/Blondie_(band)

[7] http://en.wikipedia.org/wiki/Xtc

Literaturen (lb)

Allmusic liefert allgemeine Definitionen für die beiden Genres;

Power Pop wird als Hybridstil bezeichnet, der den Hardrock-Klang von The Who, die Melodizität der Beatles und Beach Boys mit den “ringing guitars” von den Byrds verkörpert, dessen Höhepunkt in den späten 70’s und frühen 80’s erlebte:
http://www.allmusic.com/style/power-pop-ma0000002793

New Wave, in derselben Zeit, war ein Oberbegriff für die Musik die dem Punk Rock direkt folgte, die weniger artsy und unkonventioneller als Post-Punk und mehr als Pop-Musik stand:
http://www.allmusic.com/style/new-wave-ma0000002750

Obwohl man beide Begriffe in vielen Artikeln findet, gibt es grundsätzlich nicht allzuviel Literatur, die sich direkt mit Power-Pop oder New-Wave als Musikstil befasst.
1997 wurde «Power Pop: Conversations with the Power Pop Elite» publiziert, das hauptsächlich Interviews mit wichtigen Vertretern des Stils beinhaltet. Zehn Jahre später wurde «Shake Some Action: The Ultimate Power Pop Guide» publiziert, das ausserdem noch eine Essaysammlung beinhaltet.
Online findet man auch den Blog “PowerPop”(1), der sich dem Power-Pop und seinen Derivaten widmet.

(1) http://powerpop.blogspot.ch (11.11.13)
http://en.wikipedia.org/wiki/Power_pop

Borack, John M. (2007). Shake Some Action: The Ultimate Power Pop Guide. Not Lame Recordings. p. 8. ISBN 0979771404. Retrieved November 26, 2012.

Dodd, Philip (2005). The Book of Rock: From the 1950s to Today (Paperback ed.). Thunder’s Mouth Press. pp. 36, 109. ISBN 978-1-56025-729-5.
http://powerpopoverdose.blogspot.chhttp://powerpop.blogspot.chhttp://www.lastfm.de/tag/powerpophttp://www.poptanke.dehttp://www.avclub.com/articles/a-beginners-guide-through-the-heyday-of-powerpop-1,86527/http://power-pop.tumblr.comhttp://ericcarmen.com/forums/index.php?/topic/23974-power-pop-documentary/

Chabon, Michael. „Tragic Magic: Reflections on Power Pop“. Retrieved 30 March 2013.
http://michaelchabon.com/uncollected/musical/tragic-magic/ 
(lb)

 

Fazit

Power Pop und New Wave sind Musikgenres, die sich bereits in ihren Anfängen auf frühere Stile beriefen und massiven Einfluss bis in die Gegenwart haben. Power Pop und New Wave können als entgegengesetzt Musikgenres beschrieben werden. Während Power Pop von kurzen schnellen Stücken lebt, die nur schlicht instrumentalisiert sind, geschieht im New Wave gewissermassen das Gegenteil. Bedeutende Interpreten des Power Pop sind zum Beispiel viele Bands der 1990er-Jahre, die Elemente des Power Pop in den Indie übernommen haben: Guided by Voices, Dinosaur Jr. oder Pavement. Der New Wave hingegen zeichnet sich durch komplexe Songstrukturen, den Einsatz von Synthesizern und allgemein durch längere Stücke aus. Die Rechereche hat ergeben, dass wissenschaftliche Literatur nur selten zu finden ist und der Schwerpunkt auf mehr oder weniger professionellen Blogs und historisierenden Bildbänden/Coffetable-Books liegt. Die Theoretisierung der Popmusik ist rudimentär ausgeprägt, was eventuell an dem vergleichsweise jungen Alter der modernen Popmusik liegen mag. (THE)

 Literaturverzeichnis (THE):

[1] http://rateyourmusic.com/genre/Power+Pop

[2] http://rateyourmusic.com/genre/Power+Pop

[3] http://www.allmusic.com/subgenre/power-popma0000002793

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Pop

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Pop

[6] http://www.allmusic.com/subgenre/power-pop-ma0000002793

[7] http://rateyourmusic.com/genre/Power+Pop

[8] http://www.allmusic.com/subgenre/power-pop-ma0000002793

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Pop

[10] Reynolds, Simon (2012): Retromania. Pop Culture‘s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, 259.

 

Kult statt Trip. Ein kurzer Forschungsbericht zu den Flamin‘ Groovies

Die Flamin‘ Groovies1 wurden 1965 in San Francisco gegründet. Das war die Zeit als und der Ort wo die Karriere vieler Grössen der Pop- und Rock-Geschichte begann, zum Beispiel von den Grateful Dead, Santana, Janis Joplin und vielen mehr. Die Gruppe spielte nicht wie die meisten Bands der Haight-Ashbury-Szene Psychedelic- bzw. Acidrock, sondern eine Mischung von Garagerock und Rhythm’n’Blues, wodurch sie verschiedentlich mit den Rolling Stones verglichen wurden. Seit vielen Jahren gelten die Flamin‘ Groovies als Wegbereiter von Punk. Ihr Amphetamin-geladener Powerpop aus den frühen 70er-Jahren wird musikhistorisch oft mit der Musik von den MC5 aus Detroit verglichen. Die Band löste sich 1992 auf, ist aber gegenwärtig wieder am Touren.

Gruppenmitglieder
Der Motor der Gruppe war Cyril Jordan (Gitarre, Gesang). Zusammen mit George Alexander (Bass) ist er das einzige Langzeitmitglied der Band.
Die Gründungsbesetzung der Band hielt bis 1971. Zu ihr gehören Danny Mihm (Schlagzeug, 1966-73, 1981-84), Roy Loney (Gitarre, Gesang, 1966-71) und Tim Lynch (Gitarre, Gesang, 1966-71).
ab 1971 wurde die Band ständig umbesetzt:
– 1971 kamen Chris Wilson (Gitarre, Gesang, 1971-81) und James Ferrell (Gitarre, Gesang, 1971-76) für Loney und Lynch.
– 1973 David Wright (Schlagzeug, 1973-80) für Mihm.
– 1976 Mike Wilhelm (Gitarre, Gesang, 1976-84) für Ferrell.
– 1980 Mark Dunwoody (Keyboards, 1980-84) als Ersatz für den Gitaristen Wilson und Brittly Black (Schlagzeug, 1980-81) für Wright.
– 1982 Autumn Eyles (vocals, 1982-84) als Frontmann
– 1984 Jack Johnson (guitar, vocals, 1984-92) für Wilhelm und Paul Zahl (Schlagzeug, 1984-92) für Black.
– 1989 Bobby Ronco (guitar, vocals, 1989-90)2

Biografien und biografische Einträge in Nachschlagewerken und Datenbanken
Online sind folgende Band-Biografien greifbar:
John Dougan, der die Biografie für AllMusic schrieb, betont den Kult-Status der Band und dass sie erfolgreicher im UK als in den Staaten waren.3
Während der englischsprachige Artikel in der Wikipedia4 nicht besonders auffällt unterteilt der deutsche Artikel der Wikipedia5 den Abschnitt über die Bandgeschichte in drei Phasen: die Gründungsjahre, die Power-Pop-Jahre und  die 80er Jahre.
Ira Robbins (1997) verfasste den Eintrag zu den Flamin‘ Groovies im Trouser Press Guide To ’90s Rock.6 Hier liegt der Schwerpunkt bei empfohlenen Veröffentlichungen. Besprochen werden vor allem die Releases: Sneakers (EP, 1968), One Night Stand (1987), Groovies‘ Greatest Grooves (1989) und Rock Juice (1992). Der Eintrag zu den Flamin‘ Groovies von Trouserpress ist online greifbar.7

Gedruckt erschien die 36-seitige illustrierte Biografie von Jon Storey und John Bottomley «Bucketfull of Groovies».8

Alwyn W. Turner (1998) schrieb den Artikel zu den Flamin‘ Groovies im Rough Guide to Rock.9 Er betont den «mangelnden Erfolg» der Band und stellt diesen als die Folge zweier ästhetischer Fehlentscheidungen dar. Die Band habe sich jeweils gegen den Geschmack der Zeit gestellt und sich zugunsten ihrer «hoffnungslos unangesagten Musik, die nur Minderheiten interessierte» entschieden.10 Es war zuerst in San Francisco, wo sie nicht wie die anderen Bands Acidrock spielten, später, 1966, ging die Band mit den Ramones auf Europatournee, wo sich ihnen die Gelegenheit geboten hätte, auf den Punk- und New-Wave-Zug aufzuspringen, was sie aber auch nicht getan haben. Sie hielten am Powerpop der 60er-Jahre fest, statt die neue Attitüde aufzunehmen und verpassten so zum zweiten Mal ein potentielles Publikum.

Erwähnungen in sonstiger Fachliteratur

Wolfgang Doebeling erwähnt die Flamin‘ Groovies in einem Aufsatz über die Malaise der US-amerikanischen Rock-/ bzw. Popszene, der er «ästhetische Unbeweglichkeit» attestiert. Die Flamin‘ Groovies dienen hier als Beispiel einer Band, die den Erfolg verdienen würde, die aber nur in England und nicht in der Heimat zu Ehren käme.11
Curt-Albert Schweitzer und Peter Holluch erwähnen die Flamin‘ Groovies in einem Aufsatz zur San Francisco Szene nach den Hippiejahren. Sie würdigen die Flamin‘ Groovies als Band, die entgegen dem Trend der Zeit simple Pop-Klänge pflegen und «von Platte zu Platte versuchten […] authentischer zu klingen und die Stilvielfalt dieser Gattung zu einem Ganzen zusammenzuschmelzen».12
Im selben Sammelband von Tibor Kneif mit dem Titel «Rock in den 70ern» (Kneif, 1980), werden die Flamin‘ Groovies ein drittes Mal in einem Rückblick auf die New Wave von 1975-79 genannt.13

Im Rahmen einer geschichtlichen Abhandlung von Powerpop und New Wave werden die FG zusammen mit den Wackers und Big Star genannt – das sind Bands, deren musikalischer Erfolg viel grösser sei als der kommerzielle. Der musikalische Erfolg besteht im Einfluss auf die entstehende New Wave Szene, wie Doebeling schreibt.14

Veröffentlichungen

Umfassende Diskografien sind in den dafür üblichen Onlinequellen einsehbar: bei AllMusic15, RateYourMusic16, Discogs17.

In den Quellen werden folgende Veröffentlichungen mehrfach erwähnt oder empfohlen:
Flamin‘ Groovies: Sneakers. Snazz Recording R 2371 [10″ Mini-LP], 1968.
Flamin‘ Groovies: Supersnazz. Epic 32273, Sundazed SC 6130, 1969.
Flamin‘ Groovies: Flamingo. Kama Sutra KSBS 2021, Buddha Records 74321 71691, 1970.
Flamin‘ Groovies: Teenage Head. Kama Sutra KSBS 2031, 1971.
Flamin‘ Groovies: Shake Some Action. Sire SASD 7521, 1976.
Flamin‘ Groovies: This Band Is Red Hot 1969-1979. Raven Records RVCD 291 (Australische Compilation), 2008.

Einen Eindruck der Band vermittelt der Mitschnitt aus einer französischen Fernsehsendung vom Stück Slow Death vom 23. 10. 197218 

Weitere Videos oder Audiotracks lassen sich auf Youtube finden.

Fazit

Die Flamin‘ Groovies waren von Anfang an nostalgische Anachronisten. Sie waren eine Band, die partout nicht mit der Zeit gehen wollte, sondern am Ideal von 60er-Jahre-Powerpop-Musik festhielt, einem «greasy, bluesy, rock & roll dashed with a liberal sprinkling of British Invasion panache» wie John Dougan in der AllMusic-Biografie schreibt.

  1. Den Apostroph erhielt die Band erst 1971 – sie waren zunächst die Flamin Groovies
  2. Rate Your Music, http://rateyourmusic.com/artist/flamin_groovies (aufgerufen 25.10.13)
  3. AllMusic Biografie, http://www.allmusic.com/artist/flamin-groovies-mn0000180263/biography (25.10.13)
  4. Wikipedia (en) Flamin‘ Groovies, http://en.wikipedia.org/wiki/Flamin%27_Groovies (Aufgerufen: 25.10.13)
  5. Wikipedia (de) Flamin‘ Groovies, http://de.wikipedia.org/wiki/Flamin%27_Groovies (Augerufen: 25.10.13)
  6. Robbins, Ira A.: The Trouser Press Guide To ’90s Rock. 1997, Simon & Schuster
  7. Trouserpress, http://www.trouserpress.com/entry.php?a=flamin_groovies (Aufgerufen: 25.10.13)
  8. Storey, Jon, Bottomley, John: Bucketfull of Groovies, http://de.scribd.com/doc/111662014/Bucketfull-of-Groovies-The-Flamin-Groovies-Story (download kostenpflichtig, abgerufen: 25.10.13)
  9. Turner, A.W.: Flamin‘ Groovies. In: Rough Guide to Rock, engl.: 1996, dt.: 1998
  10. Turner, A.W.: Flamin‘ Groovies. In: Rough Guide to Rock, zitiert nach der deutschen Ausgabe von 1998, S. 239
  11. Doebeling, Wolfgang: No Expectations. Das Elend der US-Pop-Scene. In: Kneif, Tibor: Rock in den 70ern. Reinbek: RoRoRo, 1980, S. 129
  12. Curt-Albert Schweitzer und Peter Holluch: Where Have All The Flowers Gone? San Francisco nach den Hippiejahren. In: Kneif, Tibor: Rock in den 70ern. Reinbek: RoRoRo, 1980, S. 142
  13. Doebeling, Wolfgang: Good Times Bad Times. Ein Rückblick auf die New Wave 1975-79. In: Kneif, Tibor: Rock in den 70ern. Reinbek: RoRoRo, 1980, S. 149
  14. Robbins, Ira A.: Flamin‘ Groovies. In: Robbins, Ira A.: The Trouser Press Guide To ’90s Rock. New York: Fireside, 1997
  15. AllMusic Discography, http://www.allmusic.com/artist/flamin-groovies-mn0000180263/discography (Abgerufen: 25.10.13)
  16. Rate Your Music Flamin‘ Groovies, http://rateyourmusic.com/artist/flamin_groovies (Abgerufen: 25.10.13)
  17. Discogs Flamin‘ Groovies, http://www.discogs.com/artist/Flamin’+Groovies,+The (Abgerufen: 25.10.13)
  18. Flamin‘ Groovies: Slow Death, 10.05.11. http://www.youtube.com/ watch?v=G1R5PhReY5k (Abgerufen: 25.10.2013)